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Wachtendonk
Begeisterndes Stück über zwei starke Frauen des Mittelalters

Wachtendonk. Das Ensemble Theatrum aus Sachsen-Anhalt gastierte in der Michael-Kirche in Wachtendonk. Zum Lutherjahr bot es ein Stück, dass sich wie eine Perle dem verblüfften Zuschauer zeigte. Im Altarraum war ein schlichtes und dennoch absolut passendes Bühnenbild aufgebaut: eine Waldlandschaft, zwei kleine Podeste und drei Hocker. Das Reduzierte passte sowohl zum ersten Teil des Abends, in dem es um Hildegard von Bingen ging, als auch zum zweiten Teil über Katharina von Bora.

Die drei Schauspieler schufen eine dichte Atmosphäre, in der Gesang, Musik und Inhalt eine Einheit bilden. Die Musik erklang im Stil des Mittelalters von einer Theorbe (eine Art Bass-Laute) und einer Laute. Gespielt wurden beide Instrumente von Daniel Kurz, der auch die Rollen des Bruder Vollmar und den Lutherfreund Leonard Koppe verkörperte.

Friederike von Krosigk hat die künstlerische Leitung und sie spielt und singt die Figur der Hildegard von Bingen und der Katharina von Bora. Gemeinsam mit Christiane Friebe (unter anderem als Jutta von Sponheim, der Ziehmutter von Hildegard von Bingen) füllt sie ihre Rollen mit wenig Aufwand, dafür mit sehr viel Leidenschaft. Sie zeigen das Leben der Hildegard von Bingen an einem Scheidepunkt. Dabei entdeckt der Zuschauer immer wieder, wie aktuell und modern ihre Gedanken von damals waren. Sie leuchten in unsere Zeit hinein, wenn Hildegard von Bingen zum Beispiel sagt: "Wenn wir die Natur nicht schützen, wird sie sich gegen uns wenden." Ihre Ansichten über das Zusammenspiel von Körper und Seele waren zu der damaligen Zeit eine revolutionäre These. Hildegard von Bingen lebte in einem streng geführten Kloster, dessen Regeln ein eigenständiges Denken nicht zuließen. Doch sie hatte eine Gabe, die sie nicht unterdrücken konnte. Sie erblickte im Alter von drei Jahren ein helles Licht, welches sie fortan dazu befähigte, in die Seelen der Menschen zu schauen. Sie schrieb zahlreiche Abhandlungen, die selbst der damalige Papst öffentlich verlas. Auch Katharina von Bora lebte in einem Kloster. Arbeiten, beten und singen sind hier die festen Tagesabläufe. Da hinein fallen Luthers Worte. Mit seiner Übersetzung der Bibel und der Kritik an den Ablassbriefen weckt er in Katharina von Bora den Wunsch, dass Kloster zu verlassen. Katharina von Bora wird die Frau von Martin Luther und unterstützt ihn bei der Reformation.

Wenn man nach dem schier nicht enden wollen Applaus urteilen mag, begeistern die beiden Frauen aus dem Mittelalter auch in unserer Zeit noch weiter.

(sina)
 
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