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Geldern
Beiern - ein Brauch lebt weiter

Geldern: Beiern - ein Brauch lebt weiter
Johannes Teller-Weyers, Peter Trienekens und Willi van Baal (v.l.) pflegen in Kapellen am Kirchenfest Fronleichnam das Beiern. FOTO: seybert
Geldern. Der Brauch des Glockenschlagens von Hand ist im Rheinland nicht mehr überall anzutreffen. Die Vereinigte St.-Georgi- und Liebfrauenbruderschaft Kapellen pflegt ihn aber immer noch. Von Marco Büren

Wie alle Wege in Kirchtürme ist auch der hinauf in die Spitze von St. Georg in Kapellen beschwerlich. Am Glockenstuhl angekommen ist aber die Arbeit noch nicht getan - so sehr die vier Männer auch aus der Puste sein mögen. Mit dem Beiern, dem Läuten der Glocken von Hand, fängt nämlich der eigentliche Kraftakt erst an.

In Kapellen wird der Brauch des Beierns am Kirchenfest Fronleichnam noch praktiziert. Dies ist längst nicht mehr in allen Ortschaften so. Die Mitglieder der Vereinigten Sankt-Georgi- und Liebfrauenbruderschaft halten das Beiern in Kapellen am Leben. Im Gelderland wird dieser Brauch nur noch in Weeze und in Issum praktiziert. Und hierbei gibt es bereits Unterschiede. Während in der Issumer St.-Nikolaus-Kirche beispielsweise die Glocken mit einem Hammer angeschlagen werden, sorgen die Beiermänner in Kapellen für Töne, indem sie die Klöppel mit einem Seil an die Glocke ziehen.

Das Läuten von Hand war in Zeiten, als es noch keine elektrisch gesteuerten Uhrwerke in den Kirchtürmen gab, Gang und Gäbe. Mit der fortschreitenden Technik ist das Beiern daher in vielen Orten verschwunden. Aber nicht in Kapellen. Schriftlich überliefert ist, dass am Gildentag der Liebfrauen-Bruderschaft im Jahr 1961 beschlossen wurde, dass das Beiern durch die Bruderschaft übernommen wird. Bis dahin hatten die so genannten "Kirchennachbarn" die Ämter der Beiermänner ausgeübt. Die vier, die zum diesjährigen Fronleichnamsfest den Dienst im Kirchturm versehen, sind Willi van Baal als Chef der Beierleute sowie Peter Trienekens, Johannes Teller-Weyers und Christian Giesen.

Warum gerade zu Fronleichnam gebeiert wird, weiß Hartmut Brauer, Brudermeister der Vereinigten Bruderschaft, natürlich aus dem Effeff: "Das Glockengeläut begleitet die Prozession von einem Segensaltar zum nächsten. Mit den drei Glocken in Kapellen klingt das Geläut dann wie ,Fron-leich-nam'." Wichtig ist, dass das Geläut bei den Andachten an den Altären schweigt. Deshalb übernimmt einer der Beiermänner den Ausguck und schaut, wo sich die Prozession gerade befindet. Die Bedeutung des Ausguckers hat sich im Laufe der Jahre gewandelt. Georg Dahlhaus, 2. Brudermeister und Chronist der Bruderschaft, erklärt, warum: "Der Ausguck ist heute durch hoch gewachsene Bäume erschwert. Die Verständigung erfolgt daher zwischen mir aus der Prozession heraus und einem Beiermann im Turm per Handy." In der Vergangenheit erfolgte die Verständigung auch schon mit Handzeichen. Dann hatte einer der Beierleute die Prozession mit dem Fahrrad begleitet und von verschiedenen Straßenecken aus gewunken.

Eine weitere Kapellener Spezialität ist der Blumenschmuck vor der Kirche, den man noch besser als Blumenteppich bezeichnen kann. Diesen Brauch gibt es in Kapellen bereits seit etwa 70 Jahren. Maria Kaenders hatte während des Zweiten Weltkrieges diesen Brauch bei ihrer Tante im Sauerland kennengelernt und ihn somit in Kapellen eingeführt. Die Gestaltung des Blumenteppichs liegt seit jeher in der Verantwortung der Marktnachbarschaft.

Quelle: RP
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