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Issum
Beim Kaffee gibt es Deutsch gratis dazu

Issum: Beim Kaffee gibt es Deutsch gratis dazu
Die Resonanz auf das Café International im Issumer Jugendheim wird immer größer. Ein wöchentlicher Termin wird bereits überlegt. FOTO: Gerhard Seybert
Issum. Das Café International wurde im März in Issum gegründet. Drei Kirchengemeinden wollen Flüchtlingen helfen. "Christen stehen hier in der Verantwortung", sagt Pfarrerin Yvonne Brück. Von Bianca Mokwa

Frauen mit Kinderwagen sind auf dem Weg, bereits in dem Issumer Jugendheim angekommen ist ein Ehepaar aus Pakistan. Am Nebentisch sitzt eine Familie aus Mazedonien. Seit acht Monaten ist der Familienvater schon in Deutschland, seine Tochter im Teenageralter erst seit zwei Wochen.

Um sie herum bedienen Frauen mit einer Kaffeekanne in der Hand. "Coffee? Tea?" möchten sie wissen. Der Mann am Nebentisch aus Ägypten fragt freundlich, ob er einen schwarzen Tee haben dürfte. Langsam wird es voll im improvisierten Café International. Alle zwei Wochen werden im Issumer Jugendheim die Tische gedeckt, Kaffee gekocht, Tee zubereitet, manchmal gibt es frisch gebackenen Kuchen. Eine von den Ehrenamtlichen ist Regine Bocian aus Issum. "Wir wollen den Leuten das Eingewöhnen etwas erleichtern", sagt sie und lächelt. Sie sitzt am Tisch mit der Familie aus Mazedonien. Gerade, wenn viele Kinder dabei sind, wird jede helfende Hand gebraucht.

Heute sind besonders viele Menschen anwesend, Issumer, die den Aufruf der Gemeinde gelesen haben, dass noch "Lotsen" gesucht werden. "Wo brennt es denn?", möchte ein Mann aus Sevelen wissen, der helfen möchte. Eine Dame erklärt, dass sie gerne eine Flüchtlingsfamilie begleiten würde. Sie würde auch den Kontakt zum Sportverein herstellen und die Kinder zum Training fahren. Parallel zum Café International geben Ehrenamtler Deutschkurse im Forum Mutter Josepha.

"Es tut sich gerade total viel", sagt die evangelische Pfarrerin Yvonne Brück, die das Café International begleitet. Das ist ein Gemeinschaftsprojekt der drei Kirchengemeinden, der evangelischen, der katholischen und der Christlichen Gemeinde Issum. Angefangen hat alles auf dem Weihnachtsmarkt im vergangenen Jahr. Beim Falafel-Essen war die evangelische Pfarrerin mit Madeleine Terschüren und Merle Kraft von der Christlichen Gemeinde Issum ins Gespräch gekommen. Es ging um Flüchtlinge. Sie waren sich einig: "Eigentlich müssen wir was machen. Wir stehen als Christen vor Ort in der Verantwortung", lautete der Beschluss.

Das erste Café International fand im März statt und ist seitdem gewachsen. Zwar verteilt die Gemeinde Flyer, und die liegen auch bei Banken und Ärzten aus, aber was am meisten zählt, ist noch immer die persönliche Ansprache, um die Menschen in das Café International einzuladen.

Weil die Helfer beim Café International vor allem Frauen sind, treffen sich dort oft Mütter und Kinder. Ein Gesprächsthema ist schnell gefunden. Das Gespräch miteinander ist Gold wert.

"Der Schlüssel ist: Deutsch sprechen, Deutsch sprechen, Deutsch sprechen", sagt Yvonne Brück. Mit Merle Kraft und Nadeschda Theyhsen sind zwei junge Erwachsene im Team, die auch diese Altersklasse ansprechen. "Wenn junge Erwachsene mit jungen Erwachsenen am Kicker stehen, ist es etwas anderes, als wenn es ältere Erwachsene sind", sagt Brück. Sie hofft auf noch mehr Helfer. Denn mittlerweile ist der Bedarf für das Café International so groß, dass es gerne wöchentlich und nicht nur alle zwei Wochen stattfinden könnte. Dafür werden noch Ehrenamtliche gesucht.

"Mitbringen muss man gar nichts, außer einem offenen Herz für Menschen. Das reicht", sagt Yvonne Brück. Wichtig sei auch, das Denken zu verändern.

Angesichts der vielen Flüchtlinge, die kommen, könne der Mensch schnell denken, er schaffe das nicht. "Aber wenn man den einzelnen Menschen begegnet, merkt man, wie sich das Herz verändert", sagt die Pfarrerin. "Ich kann auf die Probleme gucken oder sagen: Ich versuche alles, was ich kann." Die Issumer haben sich fürs Zweite entschieden.

Quelle: RP
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