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Geldern
"Ben Hur" erzeugt zwiespältige Resonanz

Geldern. Das Landestheater Detmold brachte den Kino-Klassiker auf die Bühne. Einige Zuschauer verließen die Gelderner Aula bereits zur Pause. Von Christoph Kellerbach

Es war schon eine interessante Sache, dass direkt bei der Rundmail von Stadtmarketing und Kulturbüro zum ersten Stück der neuen Saison "Theater in Geldern" vor dem Inhalt der Aufführung vorsichtig gewarnt wurde. Noch brisanter wurde das Ganze, als nach den ersten fünf Minuten der Komödie "Ben Hur" des Landestheaters Detmold man eine Besucherin in der Aula des Lise-Meitner-Gymnasiums hören konnte, die im Gespräch fragte: "Was soll das denn? Ich hoffe, das ist nur am Anfang so." Also worauf bezogen sich die irritierten und genervten Blicke und weshalb verließen fast 40 Zuschauer während der Pause fluchtartig die Aufführung, um nach Hause zu gehen?

Das von Rob Ballard geschriebene Stück hat nur vier Darsteller: Natascha Mamier, Stephan Clemens, Jürgen Roth und Hartmut Jonas. Alle übernahmen mehrere Rollen in der satirischen Farce, welche die klassische Geschichte komplett auf den Kopf stellte, durch den Kakao zog, sich dann öffentlich über sie lustig machte und mit weiteren popkulturellen Scherzen auffüllte. Dabei waren sehr viele hintersinnige Scherze mit von der Partie. Die Darsteller machten sich über die schlechte Inszenierung des Stückes lustig, sprachen falsche Kostümierungen direkt an und agierten absichtlich wie eine ausgelassene Gruppe von Kleinkindern. Die plärrenden, schrillen und schlicht lärmenden Tonelemente waren dabei bewusst eingestreutes Irritationspotential nah an Brechts Verfremdungseffekt, was aber leider nichts daran änderte, dass das Ganze oft genau das war, was es parodieren sollte: Ein irritierendes Theaterstück. Verschiedene Revue-artige Einschübe, absichtlich quälend aufgezogenen Mitmachnummern für das Publikum sowie eine gewollt überzogene Benutzung von Schimpfworten gehörten nicht nur zum Programm, sondern sie wirkten oftmals wie auf ihren Selbstzweck reduziert. Auch hier war das Ganze mit Sicherheit genauso intendiert, aber im Endeffekt kann man nur so lange darüber scherzen, dass die eigene Aufführung schlecht sei, bis es irgendwann der Wahrheit entspricht. Wenn die eigentliche Handlung dann wieder einsetzte, Ben Hur eigentlich eine Frau war, die sich immer als Mann ausgegeben hat, Sexismusprobleme angesprochen und durchaus clever bekannte Stellen der Geschichte parodiert wurden, strahlte immer wieder die eigentlich rohe Qualität des Inhalts hervor.

So ist die Inszenierung von "Ben Hur" im Endeffekt eine zwiespältige Erfahrung gewesen. Nervtötend, interessant, primitiv, witzig, lärmend, clever, schlecht und gut. Aber egal, wie man das Stück am Ende empfand, oder ob man einer derjenigen war, der zur Pause die Flucht ergriffen hatte, man kann auf jeden Fall sicher sein, dass es eines nicht war: Uninteressant!

Quelle: RP
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