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Issum
Beschwingtes Weihnachtsoratorium in Issum zu hören

Issum. "Botschaft von der Freude" wird das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach häufig genannt. Bei der vorweihnachtlichen Aufführung in der Pfarrkirche der evangelischen Kirchengemeinde gelang es Kantor Rolf Pester, Bachs Chormusik gläubig emotional mit überschwänglichem Ausdruck und ohne Eitelkeit auf das betrachtende Wort hin zu dirigieren. Er projizierte mit der Issumer Kantorei, dem 22-köpfigen Orchester und den Solisten ein interpretatorisches Konzept über die fröhlich-fromme Sphäre hinaus auch die dramatischen Vorgänge in sehr differenzierter Weise.

Das Publikum in der vollen Kirche durfte in den drei Teilen einem beschwingt dahinfließenden Bach lauschen, dem manches Non-Legato, aber auch gänzlich ungewohnte Phrasierungen und spannungsvolle Klangfarbenkontraste bei den Bläsern und Streichern gut anstanden. Mit Jean Thompson (Sopran), Annedore Tesche (Alt), Frank Fritschy (Tenor) und Gregor Finke (Bass) wurde ein sehr gutes Quartett für die Solopartien gewonnen.

Fritschy gab dem Tenor viel stimmliche Kraft und rhetorischen Nachdruck. Gregor Finke legte mit seinem Bass ein markantes Fundament, das Ruhe und Ausgeglichenheit in das stimmliche Register brachte. Annedore Tesche ließ ihren Alt stimmsicher und ausbalanciert klingen. Unprätentiös, aber auf jedem Ton brillant treffsicher und ausdrucksstark präsentierte sich Jean Thompson. Ihr klarer Sopran setzte feine Lichter im transparenten Streicher- und Chorraum, der, wie Bach einst selbst formulierte, als "wohlklingende Harmonie zu Ehren Gottes" konzipiert war.

Neben den flotten, aber keineswegs zu raschen Tempi sorgte Dirigent Rolf Pester mit klaren Gesten für die korrekte klangliche Mischung. Da durften die Trompeten im "Jauchzet, frohlocket" richtig durchdringen, die Pauke mit trockenen Schlägen Präsenz zeigen. Die Kantorei konnte vollauf überzeugen. Dass selbst Choräle musikalisch unterschiedlich aufgefasst werden können, machte Pester sehr eindrucksvoll deutlich. Ganz am Textgehalt und am Wort orientiert, ließ er Bachs kunstvolle Sätze sehr farbig, textverständlich und in seiner Linienführung äußerst prägnant modellieren.

(usp)
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