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Gelderland
Bevor es kalt wird: Hilfe für Tiere im heimischen Garten

Gelderland. Eichhörnchen, Vogel, Igel, Hummelkönigin: Vielen heimischen Tierarten steht eine harte Zeit bevor, weil der Mensch ihnen die Lebensgrundlage im Winter genommen hat. In den Gärten gibt es kaum Totholz oder Laub. Vorgärten werden zu Steinwüsten. Nabu-Experte Hermann-Josef Windeln gibt trotzdem Tipps. Von Lütz Küppers

Es ist der fehlende Raum zum Überleben, den Hermann-Josef Windeln dafür verantwortlich macht, dass "im Kreis Kleve von 29 Arten, die hier mal beheimatet waren, nur noch elf übrig sind". Dabei spricht der Nabu-Experte nicht von der Roten Liste für gefährdete Arten. "Diese Tiere gibt es hier bei uns einfach nicht mehr", erklärt der pensionierte Pädagoge. Eine Zahl, die betroffen macht. Wer daran wohl schuld ist?

Umso lieber nimmt Windeln das Angebot der RP an, Tipps zu Winterhilfen für jene Tiere zu geben, die auch weiterhin eine Zukunft im Gelderland haben sollten. Gleich zu Beginn des Gespräches plädiert der Leiter der Nabu-Ortsgruppe Issum-Geldern dafür, die Gärten naturnäher zu gestalten. Haufen mit Totholz und Laub helfen Igeln, Spitzmäusen, Hummelköniginnen, Siebenschläfern und anderen Nützlingen beim Überleben. Dieses "Gold in Garten oder Wald" dient als Unterschlupf oder Nahrungsquelle. "Ein irres System, das tausende Arten auf unterschiedliche Weise zu nutzen wissen," erklärt Windeln. Man müsse auch nicht jedes einzelne Blatt, das jetzt vom Baum fällt, gleich abharken. Der Rasen leide - entgegen der landläufigen Meinung - weit weniger als angenommen und regeneriere im Frühjahr wieder, so der Experte, der sich schon lange auch um den Nachwuchs des Nabu kümmert. Laub auf den Beeten sei beste Düngung für Bäume und Sträucher. Vögel und Igel profitierten davon. Auch Stauden dürfe man gerne stehen lassen. Als Dünger und Nahrung für Tiere und Pflanzen. Windeln: "Den besten Dünger produziert die Natur sowieso selbst. Es ist der Kot der Regenwürmer, der quasi automatisch in der Erde verteilt wird. Alles, was wir stattdessen an Chemie hinzufügen, ist pures Gift." Was natürlich nicht für Nüsse oder Eicheln gilt: Sie sollten nicht komplett vergraben oder weggekehrt werden. Für Eichhörnchen sind sie überlebenswichtig.

Vom Boden- zum Flugpersonal. Das gute alte Vogelhäuschen ist nicht zu empfehlen, weil die Tiere sonst laut Windeln irgendwann in Nahrung und Kot stehen. "Da empfiehlt sich ein Futterautomat mit Kotschutz aus dem Fachhandel", so der Gelderner weiter. Er selbst füttert circa von November bis März - und hält diese Maßnahme auch für notwendig. "Unsere Gärten sind so auf- und ausgeräumt, dass auch Vögel dort nicht mehr genügend Nahrung oder Wildkräutersamen im Winter finden." Bei der Auswahl des gekauften Futters, das es "wie Sand am Meer" gebe, sollte man lediglich darauf achten, dass es sich um abwechslungsreiche Mischungen handele und auch Körner verschiedener Größen vorhanden sind. Windeln: "Nur Sonnenblumenkerne auszulegen macht wenig Sinn, weil sie für kleinere Vögel einfach zu groß sind."

Nächstes Problem: Durch die immer besser isolierten Häuser fehlt es an Winterquartieren. "Früher war es normal, dass Fledermäuse unter dem Dach wohnen. Davon haben die Menschen überhaupt nichts mitgekriegt", sagt Windeln. Deshalb wäre es angebracht, kleine Spalten am Dach zu lassen, durch die die Segler im Winter ins Innere können. Für Star, Schwalbe, Turmfalke, Schleiereule oder Steinkauz gebe es Nistkästen, die sehr gut ihren Zweck erfüllen. Schließlich gibt es kaum noch Schuppen oder Scheunen zum Überwintern.

Windeln schließt mit einem Appell: "Statt Steinwüsten in Vorgärten bieten sich Dünen- und Felslandschaften aus Sand an, auf denen Kräuter wie Thymian oder Trockensteinmauern mit Mauerpfeffer entstehen könnten." Auch bunte Wildwiesen auf sandigem Füllkies seien eine Alternative. Wie auch "Futterhecken" mit Weißdorn, Hasel, Holunder oder Schlehe, die Vögel und Bienen als Nahrung dienen.

Quelle: RP
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