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Kerken
"Bili"-Unterricht beliebt bei Schülern und Lehrern

Kerken. Im ersten Moment wirkt es wie eine gewöhnliche Unterrichtsstunde in Englisch. Die Klasse sieben der Robert-Jungk-Gesamtschule begrüßt den Lehrer Sebastian Dresen mit einem "Good afternoon, Mister Dresen". Auf dem Lehrplan stehen mittelalterliche Burgen, das Unterrichtsfach heißt bilingualer Geschichts- und Politikunterricht - "Bili", wie die Schüler sagen. "Es sind die gleichen Themen wie im normalen Geschichtsunterricht. Die Methoden sind die gleichen. Nur die Sprache ist eine andere", sagt Lehrer Dresen. Aktuell steht eben Mittelalter auf dem Lehrplan. Die Schüler bekommen Arbeitsblätter, sollen auf Englisch "the parts of the castle" - also die Teile der Burg - benennen. Und die Klasse weiß Bescheid: "drawbridge", "moat", "stables" oder "Great hall" sind wohl Vokabeln, die über den gewöhnlichen Englischwortschatz eines Siebtklässlers hinausgehen. Trotzdem sitzen sie bei den Schülern, die nach und nach alle "parts of the castle" richtig benannt haben. Von Antje Seemann

Auch die Arbeitssprache ist Englisch. Die Aufgaben erklärt der Lehrer auf Englisch, Schüler fragen und antworten auf Englisch. "Die Schüler sollen die Scheu verlieren, die Sprache anzuwenden", sagt Lehrerin Kati Bülow. "Hier steht die Sachinformation im Mittelpunkt, Englisch ist nur das Kommunikationswerkzeug." Den Schülern macht das sichtlich Spaß: "Am Anfang war es schon schwer, die Sätze zu bauen. Aber wir dürfen immer fragen, und irgendwann kennt man die Wörter ja", sagt Schüler Ulrich. Andere denken schon an ihre Zukunft, wie Schülerin Juline: "Ich will mit Bili mein Englisch verbessern. Ich will Gerichtsmedizinerin werden, da muss ich das gut können." Auch die Lehrer profitieren noch davon, sagt Bülow: "Das ist eine sehr reizvolle Aufgabe. Man lernt ja selbst noch viele Vokabeln und kann den eigenen Wortschatz erweitern." Auch die Motivation der Schüler sei groß, erzählt Sebastian Dresen: "Die wissen, dass man das direkt anwenden kann. Zum Beispiel, wenn man England als Reiseziel hat. Da gibt es viele Burgen. Das heißt, die Schüler nehmen auch viel mit."

Der bilinguale Unterricht ist kein gewöhnliches Angebot an den Schulen: Im Kreis Kleve gibt es laut der Webseite des Schulministeriums gerade mal vier weitere Schulen, die bilingualen Unterricht in Englisch haben. Im Fall der Aldekerker Gesamtschule ging die Initiative von den Lehrern selbst aus, erzählt Lehrerin Kati Bülow: "Sprachlich begabte Schüler sollen die Möglichkeit haben, die Sprache zu sprechen und anzuwenden."

Quelle: RP
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