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Kerken
Brandstiftung in Flüchtlings-Unterkunft

Kerken: Brandstiftung in Flüchtlings-Unterkunft
FOTO: Thomas Binn (binn)
Kerken. Ein Mann (24) und eine Frau (36) stehen im Verdacht, um 4 Uhr nachts einen Teppich im Flur angezündet zu haben. Staatsschutz untersucht den Fall in Aldekerk. Flüchtlinge froren in der Kälte. Von Lutz Küppers

Die Hintergrunde eines Feuers im Flur des Flüchtlingsheimes an der Hochstraße sind noch nicht geklärt. Doch es ist unbestreitbar, dass die nächtliche Brandstiftung zu gestern auch viel schlimmer hätten enden können. Doch glücklicherweise konnte der brennende Teppich mit einem Feuerlöscher abgelöscht werden, noch bevor die Einsatzkräfte vor Ort eintrafen. Wer dank seines beherzten Eingreifens so Schlimmeres verhindert hat, war gestern nicht zu ermitteln.

Gegen 4 Uhr wurde die Feuerwehr zu der "Kommunalen Unterbringungseinrichtung" im Aldekerker Ortskern gerufen, in der sich früher die Gaststätte "Kaisersaal" befand. Dort sind laut Bürgermeister Dirk Möcking schon seit vielen Jahren Flüchtlinge untergebracht, ohne dass es jemals nennenswerte Zwischenfälle gegeben habe. Beim Eintreffen des ersten Löschzuges hatten die Bewohner das Gebäude bereits verlassen. Sie standen, teilweise hustend, auf der Straße. Zwei Männer (31 und 32 Jahre alt) mussten mit dem Rettungswagen wegen leichter Rauchgasvergiftungen ins Krankenhaus gebracht werden. Auch ein Kind (4) wurde später ins Spital gefahren. Es hatte ebenfalls den giftigen Qualm eingeatmet und wurde leicht verletzt.

Wie die Polizei weiter mitteilt, wurden am Einsatzort ein 24-jähriger Mann und eine 36-jährige Frau angetroffen, die von den Beamten zum Geschehen befragt wurden. Da die beiden Aldekerker, die alkoholisiert waren, offenbar widersprüchliche Angaben machten, nahm die Polizei sie fest. Wie hoch der Promillegehalt bei ihnen war, wurde gestern nicht bekannt. Es wurde jedoch auf der Wache eine Blutprobe entnommen, wie ein Polizeisprecher bestätigte. Er erklärte weiter, dass auch verbale Beleidigungen gegenüber den Einsatzkräften aus gesprochen wurde und dass der Mann und die Frau als tatverdächtig gelten.

Da in einem solchen Fall ein fremdenfeindlicher Hintergrund erst einmal nicht ausgeschlossen werden kann, wurde automatisch der Staatsschutz in Krefeld in die Ermittlungen einbezogen. Die Vernehmungen liefen gestern Nachmittag an, wie die Polizei in Krefeld erklärte. Ergebnisse zum Motiv lagen bis Redaktionsschluss nicht vor. Auch ein Brandsachverständiger ist in die Ermittlungen eingeschaltet.

Tieftraurig zeigte sich gestern ein Nachbar über das Bild, das sich ihm in der Nacht auf der Hochstraße bot. "Die Flüchtlinge, die sich hier in unserer Straße verhältnismäßig ruhig verhalten, haben sich förmlich den Allerwertesten bei der Kälte abgefroren", so der Mann, der laut eigenen Angaben sowohl die Feuerwehr als auch die Polizei auf die Situation der Flüchtlinge hinwies. Viel geschehen sei aber nicht.

Schockiert zeigte sich Kerkens Bürgermeister über die Brandstiftung. "Da sind so viele Kerkener ehrenamtlich - nicht nur in der Via Stenden - aktiv. Und dann das", so Dirk Möcking gestern gegenüber der Redaktion. Die Flüchtlinge in der Hochstraße seien teilweise schon einige Jahre hier. Es bestünden auch Kontakte zur Bevölkerung. Circa 15 bis 20 Personen wohnen laut Möcking in der Unterkunft.

Quelle: RP
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