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Geldern
Brian Auger gibt in Geldern alles

Geldern: Brian Auger gibt in Geldern alles
Zwei alte Meister begeisterten das Publikum beim Konzert im Muddy-Waters-Saal: Brian Auger an der Orgel und Alex Ligertwood als Sänger und Gitarrist. Sie wurden von Bassist Mike Clairmont und Schlagzeuger Karma Auger begleitet. FOTO: Spütz
Geldern. Der Star an der Hammond-Orgel mit seiner Band "Oblivion Express" im Muddy-Waters-Saal der "Niersbrücke". Culturkreis freut sich über ausverkauftes Konzert. Perfektes Zusammenspiel vier alter und junger Musiker. Von Norbert Hemmersbach und Michael Klatt

Und nun also Brian Auger. Ist das nicht der Typ, der mit Rod Stewart, Simply Red, Julie Driscoll und Jimi Hendrix spielte, der schon früh zahlreiche Hits hatte und später noch mal welche? Ja, das ist er, und auch wieder nicht. Diese bequeme Sortierung muss man ganz schnell zurücknehmen, denn der "Godfather of Acid Jazz" hat unzählige Songs für die Ewigkeit geschrieben, bei denen es gehörig in den Ohren klickt. Womit wir bei einem ungewöhnlichen Konzert wären, das von den Mitgliedern des Culturkreises Gelderland hervorragend terminiert war. Sie hießen die Musiker von Augers Band "Oblivion Express" wärmstens willkommen.

Sehr viele Fans hatten sich wieder im ausverkauften Muddy-Waters-Saal der "Niersbrücke" eingefunden, um zu überprüfen, wie sich einer der Besten gemacht hat über die Jahre. Inzwischen ist Brian Auger mit 76 Jahren längst im Rentenalter angekommen, dafür ist er erstaunlich gut beieinander. Aber wenn man ehrlich ist, möchte man das gar nicht wissen. Trotzdem muss gesagt werden: Was der Superstar an diesem Abend an seiner Hammond-Orgel brachte, war alleine von der Kondition her eine große Leistung. Von der Virtuosität her ganz zu schweigen. Der Brite raste mit den Fingern über die Tasten der B 3 und erweckte dabei stets den Eindruck, als schüttelte er die Hochgeschwindigkeitsläufe locker aus dem Ärmel. Selten bereitet das Pendeln zwischen zwei Akkorden so großes Hörvergnügen wie bei Auger.

Auch der 68-jährige Alex Ligertwood bewies, dass er für den Ruhestand noch lange nicht fällig ist. Lange Zeit war er der Frontmann bei Santana, jetzt ist er zurück bei "Oblivion Express". Seine hohe Stimme wurde gut im Gesamtklang der Band abgemischt. Mit den stärksten Eindruck hinterließ der Sänger, der immer wieder sparsame, aber wirkungsvoll eingestreute Gitarrenparts lieferte, im eindrucksvollen Blues "I love you more than you will know" im zweiten Teil des rund 100-minütigen Konzerts.

Die andere Hälfte des Quartetts bestand aus wesentlich jüngeren Musikern: Bassist Mike Clairmont und Augers Sohn Karma am Schlagzeug. Sie woben einen äußerst dichten Rhythmusteppich, der vor allem die Up-Tempo-Nummern nach vorne brachte, und bewiesen solistische Fähigkeiten, zum Beispiel Clairmont zum Auftakt der zweiten Konzerthälfte.

Auger präsentierte in der "Niersbrücke" eine Mischung aus legendären Songs wie "Ellis Island" und neuen Stücken. Meist ging es, durch Walking Bass und Schlagzeug getragen, ziemlich flott zur Sache. Schöne Ruhepunkte baute die Band unter anderem mit Wes Montgomerys "Bumpin' on sunset" ein, dessen Rumba-Stil schwelgerisch die Augen schließen ließ. Das Publikum war sofort bereit, die Band zu lieben. Auger und seine Mitstreiter standen da mit musikalischen Fähigkeiten, wie es sie im Muddy-Water-Saal selten gegeben hat. Vermutlich muss man 30, 40 Jahre altern, um so aufspielen zu können. Es waren laute und stürmische Töne von einem der ganz großen Songwriter zu hören. Auger hat, was auch Eric Burdon in den 90ern hatte, als der im Seehotel auftrat. Das war damals übrigens die Idee von Willi Teloo, der jetzt auch beim Konzert von Auger glücklich durch den Saal tigerte.

Quelle: RP
 
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