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Straelen
Brillanter Einstieg in den Straelener Orgelherbst

Straelen. Baptiste-Florian Marle-Ouvrard überzeugt rund 60 Zuhörer in St. Peter und Paul. Nächstes Konzert ist morgen.

Zur Eröffnung des 18. Internationalen Straelener Orgelherbstes in der Pfarrkirche St. Peter und Paul gastierte der Titularorganist Baptiste-Florian Marle-Ouvrard. Der 34-Jährige ist seit 2015 an der Orgel von Saint-Eustache in Paris tätig.

Mit der "Partite diverse sopra: Sei gegrüßet, Jesu gütig" eröffnete der Ausnahmekünstler sein Konzert und vermochte bereits nach den ersten der insgesamt elf Variationen mit seiner subtilen Interpretation und der spürbar intensiven, emotionalen Auseinandersetzung mit den Partiten Bachs vollkommen zu überzeugen. Es war beeindruckend, mit welchem Selbstverständnis und mit welcher Akribie Marle-Ouvrard an die einzelnen Sätze heranging. So arbeitete der Organist die Gegensätze und die spannenden Kombinationen einzelner Sätze und ihre jeweiligen Charaktere subtil heraus und sorgte aufgrund einer sehr angenehmen, soliden und ruhevollen Registrierung für ein intensives Hörerlebnis.

In der sich anschließenden, hochgradig vollendeten freien Improvisation eines Präludiums und einer Fuge im Stil Johann Sebastian Bachs vermittelte der Organist einen Eindruck vom facettenreichen Orgelschaffen des Thomaskantors. Nach einer genial-virtuosen Einleitung wählte er eine den jeweiligen Sätzen hervorragend angepasste Registrierung und stellte damit die Klangmöglichkeiten der Stockmann-Orgel unter Beweis. In César Auguste Francks "Prélude, Fugue et Variation" baute Marle-Ouvrard eine bemerkenswert aufgeschlossene Klangatmosphäre auf, die durch die differenzierte Registrierung und den großzügigen Klang der Kirche verstärkt wurde.

In der eigenen Improvisation, einer Fantasie im romantischen Stil zum Namen "Straelen", war der mit dieser Orgel verbundene Nuancenreichtum in der Registrierung offensichtlich. Gerade die düsteren Passagen wurden mit gefühlvoll wirkenden Einsätzen in den Oberstimmen und in der Solostimme kombiniert. Marle-Ouvrard bewies sein Bewusstsein für die Darstellung von Stimmung und deren farbliche Umsetzung. Fragmentarisch, schreiend und klagend wirkte die "Evocation 1" des französischen Komponisten Thierry Escaich.

Ein Rausch von Klängen und Steigerungen erwartete die rund 60 Zuhörer in der abschließenden Improvisation des Künstlers, in der noch einmal sphärenhaft, chromatisch beginnend die gesamte Technik und Klangfülle der Orgel demonstriert wurde. In eher gedeckten Farben, aus denen markante Zungenregister als Soli hervorstachen, entwickelte sich vorwärtstreibend ein übermäßig starkes, aber klanglich gewinnendes Brausen mit einer abrupten Coda. Besser konnte der Einstieg in den dreiteiligen Orgelherbst nicht gelingen.

Am Mittwoch, 28. September, ist der Mailänder Organist Paolo Oreni und am Sonntag, 2. Oktober, der ehemalige Organist der Kevelaerer Marienbasilika, Professor Wolfgang Seifen, beim 18. Internationalen Straelener Orgelherbst zu Gast. Die Konzerte beginnen jeweils um 19.30 Uhr. Informationen im Internet unter www.geistliche-musik-straelen.de.

(usp)
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