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Geldern
Buchsbaumzünsler zerfrisst die Bilanz

Geldern: Buchsbaumzünsler zerfrisst die Bilanz
Wil Swinkels (rechts) und sein Sohn Danny begutachten die Buchsbäume. Ihre Firmen gehören nach eigenen Angaben zu den weltgrößten Produzenten dieser Pflanzen. FOTO: seybert
Geldern. In Geldern sitzt Europas wahrscheinlich bedeutendster Produzent von Buchsbäumen. Jetzt kommt der Zünsler. Seine Pflanzen kann das Unternehmen "Wil Swinkels & Sohn" vor dem Schädling schützen - das Riesenproblem ist die Panik. Von Sina Zehrfeld

Für die Firma "Wil Swinkels & Sohn" ist der Buchsbaumzünsler so etwas wie eine Naturkatastrophe. Nicht, weil er tatsächlich so großen Schaden an den Pflanzen anrichten würde. Sondern im Hinblick darauf, was er mit den Umsätzen macht - also im Hinblick auf die wirtschaftlichen Schäden.

Etwa eine Million Buchsbäume produziert das Unternehmen im Jahr und liefert sie an Händler in Deutschland und in ganz Europa. "Wir sind der weltgrößte Buchsbaum-Produzent", sagt Geschäftsführer Wil Swinkels. "Wir beliefern alle Discounter, die Baumärkte, Gartencenter - all die ,großen Jungs'." Und jetzt verschreckt der Buchsbaumzünsler die Groß- und Endkunden. Um 15 bis 20 Prozent seien die Verkäufe in diesem und im vergangenen Jahr zurückgegangen. "Das ist unsere Existenz. Was wir aufgebaut haben in den letzten 25 Jahren", sagt Swinkels. Und jetzt, ärgert er sich, "soll da diese Motte sein, die uns den Hals umdreht".

Die Entwicklung habe sich in diesem Jahr speziell am Niederrhein zugespitzt. "Ich habe drei Gartencenter - ich weiß, wie die Leute reagieren", sagt Swinkels. Viele wollten ihren Buchsbaum am liebsten direkt loswerden, wenn er befallen sei, und irgend etwas anderes als Ersatz pflanzen. Vor Neukäufen schrecken viele Kunden derzeit sowieso zurück. Folge: Die großen Märkte reagieren auf die Zurückhaltung und bestellen ihrerseits direkt weniger Pflanzen beim Erzeuger.

Das sei eine Überreaktion der Gartenfreunde, meint Juniorchef Danny Swinkels. Die Leute verhielten sich so, weil sie Probleme vom Buchsbaum bisher einfach nicht gewöhnt seien. "Der galt immer als sehr robust, die Hecke war immer schön, es war nichts dran", beschreibt er. Und auf einmal krabbeln da Raupen, und der Strauch sieht braun und krank aus: "Da denken die Leute gleich, der ist tot." Und wollten das Übel ganz schnell loswerden.

Dabei sei das eigentlich gar nicht nachvollziehbar. "Jede Pflanze hat ihren Schädling", sagt Danny Swinkels. "Jetzt ist der Bux eben auch einmal betroffen."

"Ein Rosengarten kriegt auch Mehltau und Läuse", ergänzt Vater Wil Swinkels eindringlich. Und deswegen reiße doch auch keiner seine Rosen aus dem Garten. "So, wie es für jeden anderen Schädling ein Mittel gibt, gibt es das für den Buchsbaumzünsler auch", erläutert Jessika Rütters, Mitarbeiterin im Betrieb. "Mit entsprechender Beratung kriegt man alles in den Griff."

Die Gartenbesitzer - ob betroffen oder nicht - könnten sich in ihren Gartencentern melden, sagt der Geschäftsführer: bei "Mawiplant" in Geldern und Sonsbeck oder im Gartencenter Peeters in Arcen. "Wenn Sie Informationen brauchen, wenn Sie Buchsbäume haben - kommen Sie zu uns. Sie müssen Ihren Bux nicht wegwerfen", versichert er. Und seine Kollegin Jessika Rütters bekräftigt: "Dadurch, dass wir die Baumschule haben, ist das Personal in unseren Gartencentern auch entsprechend qualifiziert. Und wir haben die Mittel da, um den Schädling zu bekämpfen."

Das Unternehmen setzt also auf Überzeugungsarbeit. Einen Silberstreif am Horizont gibt es aber auf jeden Fall: Es steht zu vermuten, dass die Lage auf dem Markt nicht immer so dramatisch bleiben wird. In der Schweiz zum Beispiel habe die große Zünsler-Panik schon früher um sich gegriffen und sei inzwischen wieder abgeebbt. "Wir liefern jetzt wieder voll aus in die Schweiz und nach Österreich", erklärt Danny Swinkels.

Quelle: RP
 
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