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Straelen
Bücher, BVB-Fußball und ganz viel Dänemark

Straelen: Bücher, BVB-Fußball und ganz viel Dänemark
Macht die Arbeit im EÜK als Translator in Residence Spaß: Peter Urban-Halle inmitten von jede menge Büchern. FOTO: Markus van Offern
Straelen. Peter Urban-Halle ist aktueller Translator in Residence im EÜK in Straelen. Gemeinsam mit dem Dänen Henning Vangsgaard arbeitet er an der Anthologie der dänischen Lyrik. Mit seiner Frau hat er bereits ein Buch zur französischen Küche verfasst. Von Bianca Mokwa

Die Frage überrascht. "Können wir uns nicht lieber über Fußball als über Bücher unterhalten?", will Übersetzer Peter Urban-Halle wissen. Für drei Monate ist er als Translator in Residence im Europäischem Übersetzerkollegium (EÜK) in Straelen. Neben seiner Arbeit interessierte ihn auch das Abschneiden vom BVB bei der Europa League. Wie der Kampf gegen Liverpool endete, ist bekannt. Dafür hat er sich über den Einzug ins Pokalfinale sehr gefreut.

Er sei in Dortmund groß geworden, lautet die Erklärung des Übersetzers. Nicht nur einmal hätte er ein Spiel der Dortmunder besucht, damals noch im legendären Stadion Rote Erde. Geboren ist er in Halle an der Saale. Daher kommt auch sein Doppelname. Eigentlich heiße er Peter Urban. Weil es aber schon einen sehr bekannten Russisch-Übersetzer gab, entschied er sich für einen Namenszusatz.

Urban-Halle übersetzt aus dem Dänischen. 2013 bekam er den Dänischen Übersetzerpreis verliehen, den er sich mit Ulrich Sonnenberg teilt. "Wenn ich das mit meinen 65 Jahren sagen kann, bekam ich den Preis sozusagen für mein Lebenswerk", sagt Urban-Halle. Denn immerhin übersetze er schon seit mehreren Jahrzehnten. Die Liebe zu Dänemark entstand durch eine Liebe zu einem dänischen Mädchen. Es habe mit dem Gefühl politischer Korrektheit zu tun, dass er dann auch die Sprache lernen wollte. Mitte der 1970er Jahre war er als Stipendiat in Kopenhagen.

Seine größte Herausforderung steht ihm aber noch bevor. Gemeinsam mit dem Dänen Henning Vangsgaard arbeitet er an einer Anthologie der dänischen Lyrik. Die Idee besteht seit 25 Jahren. Die drei Monate im EÜK hat er sich extra dafür genommen, um die Idee Wirklichkeit werden zu lassen. "Wir wollen mit der Anthologie zeigen, dass es schon immer einen kulturellen Austausch zwischen Deutschland und Dänemark gab", erklärt der Übersetzer. Er lobt die dramatisch-ergreifende Lyrik vom dänischen Dichter und Schriftsteller Hans Christian Andersen. Der habe Deutschland gebraucht, um international bekannt zu werden. Auf der anderen Seite war es der dänische Kritiker Georg Brandes, der Nietzsche bekannt machte. Zudem sei der Einfluss der deutschen Literatur und Sprache in Dänemark sehr, sehr groß gewesen. Die fertige Anthologie soll im Herbst 2017, rechtzeitig zur Buchmesse, fertig sein.

Aber Urban-Halle ist nicht nur Übersetzer, sondern auch Schreiber zahlreicher Rezensionen. Zu hören ist er damit zum Beispiel im Deutschlandradio Kultur. Seine Anfänge machte er als freier Mitarbeiter beim Sender freies Berlin. Zwei Jahre später ist er zu Rias, dem Rundfunk im amerikanischen Sektor, gegangen. Die Rezensionen hatten eine Länge von 25 Minuten, davon bestanden mindestens zehn Minuten aus Zitaten aus West-Büchern. "Das war Absicht, weil die Menschen in der DDR sich die Bücher ja nicht kaufen konnten", erklärt Urban-Halle. "Es war natürlich verboten, Rias in der DDR zu hören", sagt der Übersetzer. Gehört wurde er trotzdem.

Es sei fast eine Berufskrankheit, fast lästig, dass er sowohl Kritiker als auch Übersetzer sei. Er merke schnell, ob gut oder eher schlampig übersetzt wurde, sagt Urban-Halle. Das macht ihn zum gefragten Jury-Mitglied. 40 Bücher stapeln sich aktuell in seinem Zimmer im EÜK. Die geht er als Mitglied für den Helmut-M.-Braem-Übersetzerpreis durch.

Ein eigenes Buch hat er auch schon verfasst. Mit seiner Frau, einer Französin. "Jahreszeiten der französischen Küche" heißt das. Es sei nicht nur eine Rezeptsammlung, sondern gespickt mit Anekdoten und der Geschichte der französischen Küche, sagt der Autor. Etwas anderes als Übersetzen und Rezensionen schreiben, kann sich Urban-Halle allerdings nicht vorstellen. Er überlegt kurz. "Winzer in Frankreich, das wäre es noch", sagt er lachend. "Aber davon habe ich keine Ahnung." Dafür hält er weiter Ausschau, wie sich sein Lieblingsverein bei den nächsten Spielen schlägt.

Quelle: RP
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