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Geldern
Bürger spenden für Kyffhäuser-Projekt

Geldern: Bürger spenden für Kyffhäuser-Projekt
Engagieren sich für die Erneuerung der Gedenktafeln: Theo Willems, Gudrun Petrat, Christoph Dicks und Heiner Lenßen (vorne v.l.) sowie Jürgen Giesen, Heinz Manten und Heinz Staudt (hinten v.l.). FOTO: Seybert
Geldern. Die Kameradschaft hat alte Gedenktafeln am Veerter Ehrenmal erneuert. Öffentliche Mittel gab es nicht, aber eine Walbeckerin trat eine Spendenwelle los. Die Platten erinnern an gefallene Soldaten des Zweiten Weltkriegs. Von Sina Zehrfeld

Das Andenken an zehn weitere Veerter Soldaten, die im Zweiten Weltkrieg gestorben sind, ist nun "aufgefrischt". Die verwitterten und unleserlichen Gedenktafeln am Ehrenmal auf dem Friedhof an der Brigittenstraße sind erneuert. 2200 Euro hat das die Veerter Kyffhäuser-Kameradschaft gekostet, 220 Euro pro Stück. Von der Stadt gab's keinen Zuschuss. Aber es gab Gudrun Petrat aus Walbeck: Sie hat allein mehr als 1800 Euro an Spenden für das Vorhaben zusammengebracht.

Anstoß war für sie der RP-Bericht im Dezember. Damals lehnten alle Parteien außer der CDU - die war damit in der Minderheit - die Bitte der Kyffhäuser um finanzielle Hilfe ab. Zum einen sehen die Politiker die Stadt nicht in der Pflicht, da es um einen kirchlichen Friedhof geht. Zum anderen halten sie diese Art des Gedenkens an die Kriegstoten für verklärend.

Für Gudrun Petrat ein Unding. "Ich habe den ganzen Krieg erlebt", sagt sie. Sie hat selbst Angehörige darin verloren, "natürlich hat das eine Rolle gespielt". Aber es ging ihr auch ums Prinzip: "Kriegsgräber werden in aller Welt gepflegt, und hier hat man kein Verständnis dafür? Da sträuben sich mir die Haare. Da musste ich was machen." Sie rief erstmal die Lokalpolitiker an, um sich zu informieren und ihnen ihre Meinung zu sagen.

Und dann kontaktierte sie ihre Freunde in aller Welt: "Die hab' ich alle verdonnert. Die mussten alle stiften", sagt sie heiter. Auch Nachbarn und Bekannte in Geldern holte sie ins Boot.

Die Kyffhäuser zeigen sich tief beeindruckt davon. "Das war für uns einmalig: Aus Mainz, aus Holland, von weit über unsere Grenzen hinaus sind Spenden gekommen", sagt der Vorsitzende Heinz Staudt. "Wenn wir die Frau Petrat nicht gehabt hätten, wäre es nie so gekommen." Nun sind von den insgesamt 75 Gedenktafeln 55 Stück erneuert.

Die restlichen sollen auch in Angriff genommen werden. Ein bisschen Geld ist noch da. Denn es gab nicht nur die Spendenwelle, die Petrat ausgelöst hatte: Die Volksbank-Stiftung hat den Kyffhäusern ebenfalls 1000 Euro zugestanden, so wie zuletzt im Jahr 2015. "Wir hoffen, dass sich noch andere Quellen auftun und wir die letzten Platten auch noch machen können", blickt Heinz Staudt in die Zukunft.

Auch einen Antrag an den Stadtrat will die Kameradschaft im nächsten Jahr erneut stellen. Die Mitglieder hoffen, dass sich die Meinung der Politiker ändert. Denn die Diskussion um das Thema sei in Veert rundgegangen, erzählen sie. Ihr Eindruck: "Die meisten denken so wie wir." Die Kyffhäuser sehen das Ehrenmal als Erinnerung an das Leid des Krieges und als Mahnung zum Erhalt des Friedens.

Christoph Dicks von der Volksbank in Veert schließt sich da an: "Die Erinnerung muss aufrecht erhalten werden", sagt er. Er glaubt nicht, dass es da in der Bürgerschaft großen Widerspruch gebe. Sein Eindruck: "Das wird in der Öffentlichkeit gar nicht kontrovers diskutiert. Das war meiner Einschätzung nach ein politisches Problem."

Auch der Veerter Ortsbürgermeister Heinz Manten (CDU) betont: "Ich stehe voll hinter dem Engagement." Es seien "tolle Leute", die sich um das Ehrenmal kümmern. "Man kann nur sagen: Dankeschön."

Quelle: RP
 
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