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Geldern
Busse runter von der Hartstraße?

Geldern. Anlieger nervt der Busverkehr. Die Politik liebäugelt damit, ihn abzuschaffen. Aber ein Gutachten besagt: Veränderungen kosten viel Geld, und sie brächten ebenso viele Nachteile wie Vorteile. Jetzt wird diskutiert. Von Sina Zehrfeld

Wer vor der Eisdiele oder der Bäckerei an der Hartstraße verweilt, bekommt es regelmäßig mit dem Schwerverkehr zu tun. Die Linienbusse der Niag rollen auf der verhältnismäßig engen Strecke zwischen Kleiderständern, Laden-Deko und geparkten Fahrzeugen übers Pflaster. Die Stadtverwaltung hat prüfen lassen, ob es sich lohnen würde, diese Linien zu verlegen. Dann würden die Busse auch nicht mehr den Marktplatz anfahren, sondern würden über die Wälle außenherum geführt.

Ergebnis des Fachmanns: Es lohnt sich nicht. Aber natürlich sei es die freie Entscheidung der Politik, es trotzdem zu tun - aus Gründen der besseren Aufenthaltsqualität in der Innenstadt.

Wollte man die Niag-Busse umlenken, dann lägen die Kosten für notwendige Umbauten bei einer halben Million Euro, führte Jochen Richard vom beauftragten Planungsbüro Richter-Richard vor den Politikern im Bau- und Planungsausschuss aus. Ampeln müssten umgerüstet werden, die Fahrtwege der Busse wären weiter - in der Summe eine beträchtliche Mehrbelastung der Umwelt.

Für Fahrgäste und Anwohner hätten alle Varianten unterschiedliche Vor- und Nachteile, die sich gegenseitig aufhöben. So ergebe eine Verlegung unterm Strich keinen Nutzen. Fazit: "Man sollte das Geld sparen und für andere Dinge in der Stadt ausgeben. Das ist unsere Empfehlung", sagte Jochen Richard.

Die Politiker reagierten darauf verhalten. Man spreche nicht nur über Buslinien, sondern "genau genommen über die Neuordnung des Verkehrs in der Innenstadt", befand der CDU-Fraktionschef Karl-Heinz Lorenz und fragte: "Wie wollen wir die Innenstadt weiter entwickeln, wenn wir weiterhin wie bisher in der Stunde neun Busse hintereinander durch die Hartstraße donnern lassen? Das ist keine Qualität für diese Straße."

Im Übrigen habe die Untersuchung nicht berücksichtigt, dass die Berufsschule zwischenzeitlich vom Westwall in den Nierspark weggezogen ist. Auch andere Schülerströme veränderten sich. Also könnte es bald weniger Passagiere geben, die die Bushaltestelle am Markt brauchen. "Es gibt immer Vor- und Nachteile, und Geld kostet alles", so Lorenz. Man werde sich mit der Sache noch intensiv befassen müssen.

Grünen-Ratsherr Bernd Bianchi hingegen erinnerte an einstige Prinzipien: Man habe seinerzeit beschlossen, dass die Niag-Busse den Markt ansteuern sollten. "Und da gehört meiner Meinung nach der Busverkehr auch hin", so Bianchi. Es sei wichtig, "dass die Kunden, die in der Stadt einkaufen, da ihren Einstiegs- und Ausstiegspunkt haben". Ändern solle man das erst, wenn sich der Handel in der Innenstadt anders verteilt.

Diesen Aspekt bekräftigte Jochen Richard: Wenn größere Veränderungen zu erwarten seien, dann sei es sinnvoll, den Busverkehr nicht im Voraus anzupassen, sondern "erstmal zu gucken, wie sich die Innenstadt neu rüttelt".

Der SPD-Fraktionschef Hejo Eicker äußerte sich zurückhaltend. Seine Fraktion könnte der Argumentation des Fachmanns durchaus folgen. Man werde sich aber "weiter intensiv mit dem Gutachten auseinandersetzen", kündigte er an.

Der "Geldersche" wäre von Änderungen nicht betroffen, darüber besteht Einigkeit. Die Fahrzeuge der Stadtlinie 9 sollen auf jeden Fall weiter über den Markt fahren.

Quelle: RP
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