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Wachtendonk
Comedy zur Kirmes: In Wachtendonks Festzelt ist Geiz "ungeil"

Wachtendonk. Die Wachtendonker Sommerkirmes muss in diesem Jahr ohne König auskommen. Um diesen Mangel auszugleichen, hatten sich die Schützen der Vereinigten St.-Sebastianus- und St.-Michaels-Bruderschaft Wachtendonk-Gelinter an den Kulturkreis Wachtendonk gewandt. Eine gemeinsame Comedyveranstaltung mit dem Comedian Ole Lehmann aus Berlin wurde geplant. Während sich die Schützen über die Erweiterung des Kirmesprogramms freuten, hoffte der Kulturkreis, durch die Veranstaltung im Kirmeszelt auf dem Friedensplatz kulturelle Berührungsängste zu verringern und neues Publikum anzuziehen. Und das Zelt war tatsächlich gut gefüllt am Mittwochabend. Bernd Trienekens von den Schützen begrüßte die Gäste: "Herzlich willkommen zu einer Premiere. Sommerkirmes und Kabarett hier im Zelt, das haben wir so noch nie erlebt."

Ole Lehmann brachte sein Programm unter dem Titel "Geiz ist ungeil - So muss Leben". Mögliche Fragen wurden gleich zu Beginn ausgeräumt: "Ja, ich bin homosexuell. Ich suche auf diesem Wege noch einen Tagesabschlussgefährten." Sein Programm setzte sich aus amüsanten Episoden rund um die Konsumgesellschaft zusammen. Zum Beispiel der neue Flughafen in Berlin: "Diese Bauarbeiter haben mit ihrer Qualität gegeizt, um den schnellen Euro zu machen."

Lehmann lästerte mit extrem überzeugender Körpersprache über Rolltreppen, die zwei Meter über dem Boden enden oder eine Außenbeleuchtung, die auf einen An/Aus-Schalter verzichtet: "Man muss so etwas mit Humor sehen, mit Humor darf man heutzutage nicht geizen." Und er bot auch Lösungsvorschläge. Man könne die Bevölkerung den Abriss als Jochen-Schweizer-Erlebnis gegen Bezahlung übernehmen lassen: "Je zwei Stunden und ein Vorschlaghammer inklusive." Als Untermalung sang er "Sledgehammer" von Peter Gabriel: "Ja, Leute, so ist es, die Mutti kann singen und sie wird es heute beweisen."

Hin und wieder ging es auch unter die Gürtellinie: "Wir geizen in der Comedyszene mit Humor, der auch mal schwarz sein darf. Wir müssen immer politisch korrekt sein." Dabei zitierte er seine 81-jährige Mutter: "Besser unter Niveau unterhaltsam, als über Niveau gelangweilt." Auch seine Homosexualität wurde immer wieder thematisiert, denn "als schwuler Mann in Deutschland musst Du Humor haben".

Nach gut zwei Stunden unterhaltsamen Geplauders und schmissiger Lieder beendete Lehmann den Auftritt: "Das war's, ihr Geld ist abgelaufen und sie können nicht nachwerfen. Ich bin keine Peepshow." Standing Ovations führten aber zu einer längere Zugabe.

Die Veranstalter zeigten sich zufrieden mit dem Abend. Thomas Echelmeyer vom Kulturkreis sprach zwar von einem Testballon, ergänzte aber "So wie es aussieht, sieht es ganz gut aus! Grundsätzlich sind wir für das nächste Jahr nicht abgeneigt."

(ym)
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