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Geldern
Das Duell: Sven Kaiser - Ulrich Janssen

So lief der Wahlabend in Geldern
So lief der Wahlabend in Geldern FOTO: Thomas Binn
Geldern. Die Kandidaten, die von den Geldernern als schärfste Konkurrenten angesehen werden, gehen in die Stichwahl: Ulrich Janssen und Sven Kaiser. Jörg Grahl hätte ein besseres Ergebnis erwartet. Hanneke Hellmann unter zehn Prozent. Von Sina Zehrfeld

Applaus gab's im Bürgerforum, als das Ergebnis der Auszählung über drei große Leinwände flimmerte. Beifall von CDU-Vertretern und -Anhängern für ihren Kandidaten Sven Kaiser. Im gleichen Augenblick sah sich Bürgermeister Ulrich Janssen von Freunden umringt, die ihn mit Handschlag beglückwünschten und umarmten. Für die beiden geht das Rennen ums Rathaus weiter. Ulrich Janssen hat die Nase vorn mit 35,74 Prozent der Stimmen. Dicht hinter ihm liegt Sven Kaiser mit 32,67 Prozent. Am Sonntag, 27. September, geht es in die Stichwahl.

Gewinner und Verlierer der Stichwahlen in NRW FOTO: dpa, rwe fpt

Er sei jetzt zufrieden, sagte Janssen. Nicht überschwänglich, nicht betrübt - einfach zufrieden. "Wenn man es mit dem Fußball vergleicht, haben wir jetzt die erste Halbzeit", sagte er. "Jetzt guckt man sich an, wie die gelaufen ist, und stellt sich taktisch ein - mit dem Willen zum Sieg." Er habe im Vorfeld nicht darüber spekuliert, welche Kräfteverhältnisse sich wohl herauskristallisieren würden, sagte er. "Aber ich habe mir wegen der deutlich spürbaren positiven Stimmung schon ausgerechnet, nicht vom Platz genommen zu werden."

Allerdings habe er die "Emotionalität" der politischen Auseinandersetzung in den vergangenen Wochen "bemerkenswert" gefunden, sagte er: "Das ist schon ein ganz besonderer Wahlkampf gewesen." Und seine Erfolge in einzelnen Bezirken habe er mit großem Interesse zur Kenntnis genommen: "Ein Beleg dafür, dass die Leute Persönlichkeiten wählen."

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Sven Kaiser zeigte sich glücklich im Bürgerforum. "Ich bin froh. Wirklich froh", sagte er. "Bis zuletzt hatte ich das Bild: Mich kennt ja keiner. Und jetzt zeigt das Endergebnis, so ganz unbekannt scheint man doch nicht zu sein." Von seinen Anhängern sammelte er Glückwünsche ein: "Schade, dass ich nur eine Stimme hatte", rief ihm hier einer zu: "Von 0 auf 33, das ist stark", hieß es dort. Und der CDU-Fraktionschef Karl-Heinz Lorenz zeigte sich gelöst: "Möchten Sie Zuversicht sehen? Dann schauen Sie in mein Gesicht. Jetzt werden wir die Ärmel noch höher krempeln und mit vereinten Kräften den Erfolg sichern." - "Jetzt müssen wir gucken, dass wir die Leute noch mal motiviert kriegen", ergänzte Sven Kaiser mit Blick gerade auf jene Stimmbezirke, in denen er nicht stark abgeschnitten hatte: "Da müssen wir jetzt noch mal ran."

Enttäuscht zeigte sich Jörg Grahl, Kandidat von SPD, Grünen, Linken und Piraten. Er hatte mit der Stichwahl gerechnet - wie übrigens viele Beobachter gestern Abend. "Ein bisschen traurig bin ich", sagte Grahl. Seine Analyse: "Der Konflikt zwischen CDU und Janssen hat für diese beiden Gruppen zur Mobilisierung der Wähler beigetragen. Und dadurch sind die an mir vorbeigezogen." Schlussendlich sei die Wahl auf eine grundsätzliche Frage zugespitzt gewesen: "Scheitert die CDU oder scheitert Janssen?"

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Abgesehen davon habe Hanneke Hellmann ihm auch noch Stimmen abgejagt. Das Ergebnis von all dem: 23,20 Prozent. Aber, so Grahl: "Ich habe bis zuletzt einen fairen Wahlkampf geführt."

Im Übrigen ließ er deutlich durchscheinen, dass er von Sven Kaiser viel halte. "Der hat einfach Charakter", meinte Grahl. Schon im Wahlkampf hätten Kaiser und er sich positiv miteinander auseinandergesetzt. Sie hätten sogar eine Reihe von gemeinsamen Prioritäten. Nicht gerade, was das angedachte Hausärztezentrum betrifft, das Grahl klar befürwortet und Kaiser klar ablehnt, bemerkte er humorig und schob die Behauptung nach: "Das hat er nicht verstanden. Aber das erkläre ich ihm noch."

Die parteilose Bewerberin Hanneke Hellmann nahm ihr Ergebnis gelassen zur Kenntnis: 8,39 Prozent. "Ich hätte es gerne zweistellig gehabt", sagte sie. Am liebsten wäre sie natürlich in der Stichwahl gelandet. Aber für sie als Außenseiter-Bewerberin sei das nicht so übel. Auch, wenn die Gelderner viel verpasst hätten, indem sie sie nicht ins Amt gehoben haben: "Ich hätte für Geldern viele Neuerungen gebracht." Aber sie akzeptiere das Ergebnis, dankte ihren Wählern.

Und sie bewertet es als Gewinn für die gelebte Demokratie. "Das war wenigstens eine richtige Wahl für die Bürger", sagt sie: vier sehr unterschiedliche Bewerber ums Bürgermeisteramt. "Und ich habe, glaube ich, ein Beispiel gebracht, dass jemand aus der Bürgerschaft kandidieren kann."

Dringend bitten alle Kandidaten die Gelderner nun, am 27. September wieder an die Urnen zu gehen. Eine magere Wahlbeteiligung dürfe nicht sein. Die anstehenden Entwicklungen in der Stadt seien so wichtig für Geldern, sagte Ulrich Janssen: "Da ist es wichtig, dass der Bürgermeister mit einem anständigen Ergebnis ausgestattet ist."

Quelle: RP
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