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Kerken
Das Geld in Kerkens Kasse wird knapper

Kerken: Das Geld in Kerkens Kasse wird knapper
Die liquiden Mittel der Gemeinde Kerken werden sich nach Angaben des Kämmerers Udo Niersmann bis Ende des kommenden Jahres um sechs Millionen Euro auf rund 2,3 Millionen Euro verringern. FOTO: Markus van Offern
Kerken. Haushaltsentwurf 2016 von Bürgermeister Dirk Möcking eingebracht. Defizit beträgt rund 930.000 Euro. Belastung durch die Kreisumlage erreicht mit 5,9 Millionen Euro Rekordhöhe. Appell: Mit Reserven maßvoll umgehen. Von Michael Klatt

Dirk Möcking bemühte maritime und meteorologische Bilder, als er Kerkens finanzielle Lage beschrieb. Die See werde rauer, sagte der Bürgermeister den Ratsmitgliedern beim Einbringen des Haushaltsentwurfs für 2016. Die "finanziellen Unwetter" hätten nichts von ihrer investitions- und leistungshemmenden Kraft verloren, Kerken werde künftig verstärkt mit Auswirkungen fiskalischer Tiefausläufer rechnen müssen. In nackten Zahlen weist der Etat ein Defizit von rund 930. 000 Euro aus. Im Ergebnisplan stehen Erträgen von rund 19,54 Millionen Euro Aufwendungen von rund 20,47 Millionen Euro gegenüber.

Noch könne sich Kerken Ausgaben erlauben. Aber das nur, so betonte Möcking, weil in den vergangenen Jahren durch kluge und weitsichtige Entscheidungen sowie "günstige Winde" die finanziellen Rücklagen und die Liquidität ausgebaut werden konnten. Ein Haushaltssicherungskonzept sei zwar immer noch nicht in Sicht, doch stoße die Gemeinde "in den nächsten drei Jahren unwiderlegbar an ihre finanziellen Grenzen".

Die Flüchtlingsproblematik wird sich laut Möcking auf den Haushalt auswirken. Als Gemeinde mit einer Zentralen Unterbringungseinrichtung in Via Stenden sei Kerken zwar von weiteren Erstzuweisungen verschont. "Flüchtlinge jedoch, die bereits einmal in Kerken waren und jetzt Folgeanträge stellen, müssen wir nach wie vor aufnehmen." Dasselbe gelte für Familienzusammenführungen. Darüber hinaus wäre es fahrlässig zu glauben, dass die enormen Belastungen der Flüchtlingskrise, welche Bund und Länder zu trägen haben, auf Dauer keine Auswirkungen auf Kerkens Finanzsituation hätten.

"Dunkle Wolken" sieht Möcking von Kleve aus auf Kerken zu ziehen, und zwar wegen der Planzahlen des Kreishaushaltes 2016/17. Zwar bleibt die Höhe der Kreisumlage konstant, die Jugendamtsumlage jedoch soll 2016 von 15 auf 17 Prozent steigen und im Jahr darauf um einen weiteren Prozentpunkt.

Für Kerken bedeutet das 2016 einen Mehraufwand von 467.000 Euro und 2017 von noch einmal 74.000 Euro. Die Gesamtbelastung durch die Kreisumlage erreicht damit die Rekordhöhe von rund 5,9 Millionen Euro. Dirk Möcking: "Hier besteht ein dringender Erklärungs- und Erläuterungsbedarf seitens des Kreises."

Die Kreisumlage macht auch den mit Abstand größten Ausgabeposten aus. Es folgen die Personal- und Versorgungsaufwendungen (4,15 Millionen Euro), die Abfallbeseitigungskosten (1,25 Millionen Euro) und die Bewirtschaftung der kommunalen Grundstücke und Gebäude (knapp eine Million Euro).

Die Anteile an der Einkommensteuer mit rund sechs Millionen Euro sind der größte Ertragsposten. "Diese Anteile steigen seit Jahren kontinuierlich", berichtete Kämmerer Udo Niersmann erfreut. Er führt das nicht zuletzt auf das hohe Durchschnittseinkommen der Kerkener zurück. Die Gewerbesteuereinnahmen mit 2,8 Millionen Euro sind laut Niersmann "konservativ gerechnet".

Der Gewerbesteuersatz bleibt unverändert bei 411 Prozent. Konstant bleiben auch die Sätze für die Grundsteuer A (230 v.H.) und B (423 v.H.), die zusammen 1,64 Millionen Euro einbringen. Die Abwassergebühren belaufen sich auf 1,57 Millionen Euro.

Bedeutende Investitionen stehen an mit dem Erwerb und der Erschließung des neuen Wohngebietes Groemansfeld in Aldekerk, mit dem Anbau zusätzlicher Klassenräume in der Gesamtschule, mit dem Bau beziehungsweise Umbau einer Aula und einer Mensa in dieser Schule und dem möglichen Bau einer neuen Sporthalle in Aldekerk, für den der Rat einstimmig den Grundsatzbeschluss fällte.

Die liquiden Mittel werden sich nach Angaben des Kämmerers bis Ende 2016 um sechs Millionen Euro auf rund 2,3 Millionen Euro verringern.

"Wir werden diese Projekte gemeinsam auf den Weg bringen", erklärte Bürgermeister Möcking. Kerken könne sich das wegen des finanziellen Polsters noch erlauben. An die Ratsmitglieder appellierte er, bei den Haushaltsberatungen mit den finanziellen Reserven sehr maßvoll umzugehen. Das eine oder andere wünschenswerte Projekt sollte zurückgestellt werden.

Quelle: RP
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