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Geldern
Das harte Leben in früheren Zeiten live

Geldern: Das harte Leben in früheren Zeiten live
Die Besucher des Mittelalterfestes in Walbeck konnten beispielsweise zuschauen, wie Schwerter geschmiedet wurden. FOTO: Gerhard Seybert
Geldern. Das Mittelalterfest am Walbecker Schloss mit seinen Vorführungen begeisterte alle Generationen zu günstigen Preisen. Mit den Einnahmen wollten die Veranstalter nur die Kosten decken. Von Monika Kriegel

"Kommando zurück über die Brücke! Die Frauen werden zu mächtig!" hallte es über den Burggraben. Der - fiktive - Sturm über einen schmalen Steg auf das Schloss Walbeck wurde abgebrochen. Hatten die Küchenfrauen mit ihren langen Kochlöffeln wirklich die bis an die Zähne bewaffneten Ritter in die Flucht geschlagen? Nicht wirklich. Das Publikum amüsierte sich, spendete großzügig Szenenapplaus auf dem mittelalterlichen Fest.

"So könnte es ausgesehen haben. Wenn Sie sehen wollen, wie früher gekämpft wurde, folgen Sie uns zum Schlachtfeld auf die Wiese", lud der Heerführer in Gelbschwarz ein. Diesem Spektakel konnten sich weder Jung noch Alt entziehen. Und ehe Andreas Krause aus Moers sich versah, wurde er vom Zuschauer zum Akteur. Nämlich einer jener Freiwilligen, die erfolglos gegen einen Schilderwall stürmten. "Erstaunlich, wie stark die sind trotz der schweren Rüstung", staunte der Moerser. "Es ist schön hier in Walbeck. Ich mag das Lager mitten im Wald. Mein Sohn Eric hat begeistert den Musikern zugehört." Derweil verfolgten Vater und Sohn weiter den Schaukampf mit klappernden Schwertern der Krefelder Gruppe. Für Patrick Hendrickx von der "Stichting Rin ende Maes" verläuft alles bestens. "Ein Schloss gehört zur Kulisse. Der Wald rundum ist klasse. Wir konnten unsere Zelte aufschlagen, übernachten. Hier können wir das Lagerleben zeigen", so der Organisator. Seine Zielgruppe: Familien mit Kindern. Sie bekommen ein unvergessliches Erlebnis, das dabei erschwinglich bleiben soll. Eine faire Kalkulation. Wir decken damit nur die Kosten." Einige Holzscheiben - die Lagerwährung - wechseln den Besitzer beim Katapult werfen, wobei wassergetränkte Schwämme den Gegner treffen müssen. Sichtlich Spaß macht der Kanonenschuss auf bunt angemalte Holzziele. Bienenkerzen werden gedreht, Zöpfe geflochten.

Rund 150 Mitstreiter aus Deutschland und den Niederlanden hatten sich gefunden, der Jugend von heute das Leben ab dem frühen Mittelalter live zu zeigen. Die Akteure suchten aktiv den Kontakt: "Wollen Sie einmal ein Schwert in die Hand nehmen?" ließ sich ein Erwachsener nicht zweimal bitten und wunderte sich über das Gewicht. "Ganz schön schwer, nicht? Und das ist nur ein Teil der Ritterrüstung", erklärte sein Gegenüber. Locker 60 Kilogramm wiegt die volle Montur mit Kettenhemd, wattierter Schutzjacke, Helm mit Sehschlitz. Es wunderte nicht, dass die Mitstreiter nach dem Ablegen der Rüstung scherzten: "Hast du geduscht?" Nein, eine Dusche gab es damals noch nicht. Jedoch: Ein Blick in die Zelte lässt erahnen, dass das Leben damals beschwerlich gewesen sein musste. Aber nicht für "Jacoba von Bayern": Sie schlief im gemachten Bett. Quinny Schümers hatte ihr adeliges Gewand selbst genäht. "Haube, roter, glänzender Brokatstoff bis zum Boden, Pelzbesatz an Armen und Hals. Das Kleid wäre zu teuer zum Kaufen gewesen", so die Niederländerin, die sich ins 14. Jahrhundert versetzte. Wenn sie den Kindern nicht gerade zeigte, wie gewebt oder gestickt wird, schaute sie nach den Pferden auf der Wiese.

Dort endete der Schaukampf Ritter- gegen Kinderhorde. Wer hat wohl gewonnen? "Der dicke Schotte wehrt sich noch", appellierte jemand an den Kämpfer zur Aufgabe. Der letzte Wehrhafte fiel endlich auf den Rücken und kam ob seines Kampfgewichtes erst einmal nicht wieder auf die Beine. Die Kinder hatten die Oberhand behalten.

Quelle: RP
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