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Geldern
Das macht Gelderns "Jugendparlament"

Geldern: Das macht Gelderns "Jugendparlament"
Im Ratssaal hat das Gelderner Jugendparlament Platz genommen (v.l.): Tim Blauberger, Thomas Goehlich, Anna Christina Klöhn vom Jugendamt und Sebastian Kanders. FOTO: Markus van Offern
Geldern. Gewählte Vertreter der jungen Gelderner gibt es vorerst nicht. Dafür mischt die "Arbeitsgruppe zur Bildung eines Jugendparlaments" in der Politik aber schon fleißig mit. Die Mitglieder sitzen in mehreren Ratsausschüssen. Von Sina Zehrfeld

Sebastian Kanders, Tim Blauberger und Thomas Goehlich, alle drei 16 Jahre alt, reden mit in der Politik. Sebastian Kanders zum Beispiel sitzt als "beratendes Mitglied" im Schulausschuss des Rates. Seine Mitstreiter und er gehören zur "Arbeitsgruppe zur Bildung eines Jugendparlaments". Wenn in Geldern Themen behandelt werden, die junge Leute angehen, dann - so hat es die Politik entschieden - sollen sie gehört werden. Etwa im Jugendhilfe-, Schul- und Sportausschuss.

Eigentlich hatte der Stadtrat sich ein "richtiges" Jugendparlament gewünscht; die Diskussion dazu kam im Sommer 2014 in Fahrt. Daraus wurde aber nichts. "Die Voraussetzung dafür wäre, dass wir öffentliche, stadtweite Wahlen durchführen würden", erklärt Tim Blauberger. Und weder die Kosten noch der Aufwand wären im Moment zu rechtfertigen: Es gebe bislang einfach nicht genug Interesse in der breiten Masse der Jugendlichen.

Aber immerhin: Es gibt einen harten Kern von politisch Interessierten, die jetzt in der "Arbeitsgruppe Jupa" mitarbeiten. Das sind sechs Mädchen und fünf Jungen. Vier kommen vom Friedrich-Spee- und zwei vom Lise-Meitner-Gymnasium, vier von der Liebfrauen-Realschule, einer von einer Privatschule.

Die Politik hat die Meinung der jungen Leute zuletzt zum Thema Jugendarbeit eingeholt: "Da war die große Frage, brauchen wir noch einen Jugendtreffpunkt", erinnert sich Tim Blauberger. Im Jugendhilfeausschuss sprach die Vertreterin der AG Jupa sich später dagegen aus, das ehemalige Möbellager am Holländer See zu nutzen. Die Politiker des Rates hörten aufmerksam zu. "Wir werden so ernst genommen wie jeder andere", ist auch der Eindruck von Sebastian Kanders.

Was nicht ganz unproblematisch ist. Immerhin sind die Mitglieder der "Arbeitsgruppe" nicht gewählt. Sie vertreten genau genommen niemanden außer sich selbst. "Wir sind uns bewusst, dass wir da eine Verantwortung haben", betont Sebastian Kanders. "Wir wollen unsere persönlichen Interessen zurückstellen, wenn die Allgemeinheit was anderes will." Und was die Allgemeinheit will, das versuchen die Nachwuchspolitiker festzustellen, indem sie sich umhören - in Vereinen, in ihrem Umfeld. Zur Frage, ob noch ein Jugendtreffpunkt in Geldern gebraucht wird, planen sie eine große Umfrage an Schulen.

Man wolle die Jugend an die Politik heranführen, erklärt Stadt-Sprecher Herbert van Stephoudt: "Sie sollen mit ihren Anliegen gehört werden." Schließlich würden auch andere Interessengruppen - Vereine oder Kirchengemeinden - in Ausschüssen zu Rate gezogen.

Am wichtigsten sind für die Gruppe ihre monatlichen Sitzungen. "Jeder kann seine Ideen einbringen, wenn er was zu diskutieren hat. Dann beraten wir und stimmen darüber ab", erklärt Thomas Goehlich. "Die Diskussionen sind teilweise sehr amüsant." Und sinnvoll seien sie auch: "Da kommt auch was raus." Mitunter sind Fachleute aus der Stadtverwaltung dazu geladen, um Fakten zu klären.

Die Treffen sind öffentlich: Jeder kann kommen, gegebenenfalls mitreden, aber nicht abstimmen. Das Jugendamt begleitet die AG Jupa: Mitarbeiterin Anna-Christina Klöhn oder einer ihrer Kollegen ist immer dabei. Ein richtiges, gewähltes Jugendparlament sei weiter gewünscht, sagt Klöhn. "Nur: Wir können uns nur mit den Jugendlichen beschäftigen, die da sind" - für Wahlen seien das noch nicht genug.

Quelle: RP
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