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Gelderland
"Den Schmerz nicht nur betäuben"

Gelderland: "Den Schmerz nicht nur betäuben"
Die Schmerz-Experten am Telefon in der RP-Redaktion Geldern: Dr. Johannes Horlemann, Dr. Albert Hein und Olaf Buchbinder beantworten die Fragen der Anrufer. Darunter sind besonders viele ältere Menschen. FOTO: Olaf Ostermann
Gelderland. Zum gestrigen Aktionstag startete die RP eine telefonische Fragestunde. Drei Experten beantworteten die Fragen der vielen Anrufer. Die Fachleute wiesen auf eine ausgeglichene und altersgerechte Behandlung hin. Von Christian Cadel

Schmerzen sind unangenehm und beeinträchtigen den Alltag vieler Menschen. Vor allem chronische Schmerzen machen es den Patienten schwer. Das muss aber nicht sein. Zum gestrigen "Aktionstag gegen den Schmerz" hatte die RP eine Telefonaktion gestartet. Drei Fachleute beantworteten die Fragen der Anrufer.

Dabei ging es vor allem darum, wie Schmerzen diagnostiziert und behandelt werden können. "Da die Menschen immer älter werden, häufen sich auch chronische Beschwerden. In der Schmerzmedizin kommt es darauf an, den Menschen wieder mehr Lebensqualität zu verschaffen. Es nutzt nichts, wenn man den Schmerz nur betäubt", sagte Dr. Johannes Horlemann, der einer Anruferin erklärte, dass sie zwar die modernsten Medikamente bekäme, ihre zur Behandlung gehörende Physiotherapie aber nicht abgestimmt sei.

"Es gibt einen breiten Strauß an Medikamenten. Wichtig ist, dass die Patienten altersgerechte Medikamente bekommen", erklärte Horlemann, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin. "Es gibt bestimmte Mittel, die in einem gewissen Alter nicht dauerverträglich sind und Nebenschäden hervorrufen können", warnte er. Der Fachmann machte zudem deutlich, dass eine Schmerzbehandlung immer multimodal sein sollte. "Das bedeutet, dass man zum einen Medikamente benutzt, zum anderen aber auch mit weiteren Therapieformen arbeitet, wie Entspannungstechniken."

Olaf Buchbinder, Leiter des Regionalen Schmerzzentrums in Geldern, erklärte einer Anruferin, wie ihre Schmerzen einzuordnen sind. Dazu stellte er Fragen darüber, wie sich der Schmerz anfühle und wo sein Zentrum liege. Buchbinders erste Annahme: "Es könnte eine Nervenstörung sein."

Üblicherweise werden Schmerzdiagnosen während einer einstündigen Erstanamnese gestellt. "Die Patienten kommen meist voruntersucht zu einem Schmerzmediziner, der dann abklärt, wo, wie oder wann etwas weh tut. Auch die Frage, ob der Schmerz bewegungsabhängig ist, wird geklärt. Außerdem werden die Untersuchungsbefunde des Hausarztes mit den Beschwerden abgeglichen, um das Problem stark eingrenzen zu können, erklärte Buchbinder. "Anschließend wird in bestimmten Fällen abgeklärt, ob eine Operation nötig ist oder nicht." Auch Migränebeschwerden plagen viele Menschen. Dr. Albert Hein, Leiter des Regionalen Schmerzzentrums Geldern, wies daraufhin, dass gerade Migräne auch mit Botoxbehandlungen effektiv behandelt werden kann. Hein, der seit vielen Jahren auf dem Gebiet der Schmerzmedizin aktiv ist, sagte aber auch: "Viele Menschen wissen gar nicht, dass es Schmerzmediziner gibt." Vielleicht hat der gestrige "Aktionstag gegen den Schmerz" für mehr Klarheit gesorgt.

Quelle: RP
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