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Geldern
Der Stadtwerke-Chef zieht den Stecker

Geldern: Der Stadtwerke-Chef zieht den Stecker
Schluss, aus und Ende: Heinz Josef Freitag, seit 34 Jahren Geschäftsführer der Stadtwerke, nutzt seine Energie jetzt nur noch privat. Die Rente ruft. FOTO: seyb
Geldern. 34 Jahre und 190 Tage: Ziemlich genau sein halbes Leben lang war Heinz Josef Freitag (68) der Chef der Gelderner Stadtwerke. Jetzt geht er in Rente. Er blickt zurück auf Glück und Unglück der Jahrzehnte. Von Sina Zehrfeld

Als er seinerzeit als 34-Jähriger in Geldern anfing, war Heinz Josef Freitag - so weit er es weiß und in brancheninternen Nachrichten erfuhr - der jüngste Stadtwerke-Geschäftsführer in Deutschland. "Das war schon 'ne große Chance für mich", sagt er heute. Ein beachtlicher Karriereschritt: Zuvor war er Revisionsleiter bei den Stadtwerken in Ratingen gewesen.

Nebenbei war es die Möglichkeit, an den "richtigen Niederrhein" zurückzukehren, wie er sagt. Denn er ist zwar in Düsseldorf aufgewachsen, geboren aber wurde Heinz Josef Freitag in Düffelward bei Kleve. Jede Menge Verwandtschaft lebt in der Umgebung, "und der Niederrheiner ist ein Menschenschlag, da kommt man schon mit klar", so Freitag. Das dachte er damals, das findet er auch heute noch.

Der 68-Jährige verabschiedet sich nach und nach in die Rente. Der offizielle Akt war nach der letzten Aufsichtsratssitzung des Jahres, dann gab es noch einen bei der Weihnachtsfeier und einen bei der Betriebsversammlung. Sein Arbeitsvertrag läuft noch bis zum 31. Dezember, bis dahin feiert er seine letzten Urlaubstage ab. Er blickt zurück auf Erfolge und Fehlschläge "seiner" Ära. "Das Entscheidendste und Wichtigste war, 1995 die Stromversorgung zu übernehmen und gleichzeitig RWE als Gesellschafter aufzunehmen", sagt er. Davon habe Geldern profitiert.

Prominentester Misserfolg ist das Projekt "Gekko". Damit, so Freitag lakonisch, sei man wenigstens in guter Gesellschaft: Die Gelderner hatten sich wie 22 weitere Stadtwerke an dem Kraftwerk "Westfalen" in Hamm-Uentrop beteiligt. Das Wegbrechen der Strompreise an der Börse und Pannen beim Kraftwerksbau machten "Gekko" zum Millionengrab.

Zum 31. Dezember steigen nun alle 23 Stadtwerke aus der Kooperation aus. "Das wird unser Ergebnis dieses Jahr mit zirka 1,8 Millionen Euro belasten", stellt Freitag fest. Aber immerhin ist man den Klotz am Bein dann los: "Ich bin dankbar, dass ich das noch selber machen konnte."

Weitere Meilensteine waren für Freitag die Ausweitung der Erdgasversorgung auf Hartefeld, Vernum und Kapellen ab Ende der 80er Jahre oder die Kapazitätssteigerung des Wasserwerks in den 90er Jahren. Freude macht ihm die Kooperation mit Landwirten zum Gewässerschutz, die es seit 25 Jahren gibt, oder das seit etwa zehn Jahren laufende Ökopunkte-Konto, für das Flächen renaturiert werden.

Große Pläne für den Ruhestand hat Heinz Josef Freitag erstmal nicht. Er werde mehr Zeit für die Jagd und fürs Golfspielen haben, sagt er. "Ich lese ein bisschen mehr." Und vielleicht lässt er sich zu Städtereisen hinreißen, "das macht meine Frau gerne". Ehefrau Monika ist schon seit Jahren im Ruhestand und dürfte Tipps geben können, wie sich die freie Zeit füllen lässt.

Vermissen werde er seine Mitarbeiter. Von denen trennt er sich nicht leichten Herzens. Sein Rat an seine Nachfolgerin Jennifer Strücker, die ab 1. Januar im Amt ist, lautet: "Immer die Leute mitnehmen, Aufsichtsrat und Mitarbeiter - das funktioniert."

Quelle: RP
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