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Geldern
Die Angst vor dem Hausärzte-Zentrum

Geldern. Bei einem Diskussionsabend, zu dem die AG 60 der SPD eingeladen hatte, wurde Verunsicherung deutlich über die Idee, Ärzte im alten Finanzamtsgebäude zu bündeln. Arzt Arne Kleinstäuber klärte auf. Das Bieterverfahren läuft noch. Von Bianca Mokwa

Die Dame mit den weißen Haaren hebt die Hand. "Ich bin als Abgeordnete hier", beginnt Anneliese Hundt ihre Frage. Sie wohne in der Seniorenresidenz Hofgarten in Walbeck, spreche aber auch für das Hospiz. "Der Artikel hat bei uns für sehr viel Unruhe gesorgt. Was wird mit Walbeck?" stellt sie die Frage an Allgemeinmediziner Arne Kleinstäuber, der die Idee hat, im alten Finanzamtgebäude in Geldern ein Hausärzte-Zentrum zu installieren.

"Kommt der Doktor Klein-Walbeck dann nicht mehr zu uns?", stellt die Dame die Frage, die viele umtreibt. Die Antwort von Kleinstäuber kommt prompt. "Wir kämpfen gegen Düsseldorf, Bonn, Köln, nicht gegen Walbeck oder Kapellen beim Hausärztemangel" stellt er klar. Die Arbeitsgemeinschaft AG 60 Plus der SPD hatte zum Diskussionsnachmittag geladen. Viele waren gekommen, um sich noch einmal die Idee des Hausärzte-Zentrums erklären zu lassen. Kleinstäuber machte die Dringlichkeit an der Zeit fest. "Wir werden in den nächsten ein, zwei Jahren eine Entscheidung treffen müssen", sagte er. Angesichts dessen, dass er und seine Kollegen nicht jünger werden. Inwieweit das Hausärzte-Zentrum denn Realität wird, wollte ein anderer kritischer Besucher wissen, wenn das Eigentum nicht in das der Stadt übergehe. "Bisher ist das doch eine Luftnummer, oder?", lautete seine Frage.

"Tatsächlich handeln wir mit heißer Luft", war die ehrliche Antwort Kleinstäubers, "weil das Gebäude nicht fest in unserer Hand ist." Das Bieterverfahren ist noch nicht abgeschlossen. Aber von Seiten der Wirtschaftlichkeit sei eine hausärztliche Versorgung in Zukunft nur so möglich. "An den Universitäten wird das Hausärzte-Zentrum als Modell der Zukunft gehandelt. Ich bilde mir da nichts ein. Die Fachleute sagen, so ein Modell muss kommen", erklärt der Gelderner Hausarzt. Nach seinen Vorstellungen finden sich mehrere Hausärzte am Standort des alten Finanzamts zusammen und eröffnen potenziellen Nachfolgern die Möglichkeit, als angestellte Ärzte mitzuarbeiten - auch in Teilzeit. "Wir haben genug Ärzte hier, aber die werden keine Nachfolgerschaft kriegen", malt Kleinstäuber die hausärztliche Versorgung auf dem Land vor den geistigen Augen der Zuhörer aus.

"Deswegen sitzen wir heute hier." Einer der Zuhörer, der nur als Geldrianer genannt werden möchte, lobte das Projekt: "Klasse, dass jemand die Initiative ergriffen hat." Er kenne aus Düsseldorf viele Job-Sharing-Modelle bei Ärzten. So etwas wünsche er sich auch für Geldern. Er schloss mit den Worten: "Es ist noch viel zu tun."

Auf Nachfrage aus dem Publikum erklärte Kleinstäuber, dass er bereits mit Gelderner Hausarzt-Kollegen gesprochen hätte. "Der engere Kreis besteht aus drei Praxen und mit einer bin ich noch im Gespräch", sagt Kleinstäuber. "Ich habe kein Universalkonzept. Erst einmal muss ich die Ärzte zusammenbringen." Sein Hauptproblem sei die Manpower, ein Team zu formen, so der Ideengeber des Hausärzte-Zentrums. Er zieht einen Vergleich. "Es ist, als ob man von drei Schiffen den Kapitän nimmt und denen sagt: ,Ihr seid alle ab sofort nur noch Erster Offizier'." Jeder müsse sich da zurücknehmen. "Es sind Kollegen mit im Boot, aber wir haben ja noch kein Haus."

SPD-Bürgermeisterkandidat Jörg Grahl rechnet damit, dass das Bieterverfahren im Laufe des Jahres abgeschlossen sein wird. Der Rat könne immer noch die Notbremse ziehen. Im schlimmsten Fall stünde das alte Finanzamt dann weiter leer und für das Hausärzte-Zentrum müsste woanders ein Weg gebahnt werden.

Anneliese Hundt konnte nach dem Diskussionsabend zufrieden nach Hause gehen. Sie werde der Wohngruppe im Hofgarten und dem Hospiz das überbringen, was der Doktor gesagt habe, "dass die Ortschaften gesichert sind und nicht im Verbund aufgehen", fasst sie die Diskussion zusammen.

Quelle: RP
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