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Issum
Die digitale Zukunft nicht verschlafen

Issum: Die digitale Zukunft nicht verschlafen
Tim Cole blickt in die digitale Zukunft. Seine Rede sollte ein Weckruf an Unternehmer sein, den Anschluss nicht zu verpassen und moderne Medien und Errungenschaften zu nutzen. FOTO: Peter Hartinger
Issum. Der amerikanische Autor und Internet-Publizist Tim Cole war zu Gast beim Issumer Unternehmen Ophardt. Er sprach über das Thema digitale Transformation. Er hat Angst, dass die deutschen Unternehmen den Anschluss verpassen. Von Bianca Mokwa

Tim Cole macht sich Sorgen. Zum einen um seine Heimat. Er kommt aus den USA und schäme sich zurzeit, Amerikaner zu sein, sagt Cole und spielt auf die aktuelle Regierung an. Zum anderen macht er sich Sorgen um die deutschen Unternehmen, auch die niederrheinischen. 1961 kam Cole nach Deutschland. Er hat Angst, dass die deutschen Unternehmen den Anschluss verpassen. Gastgeber Heiner Ophardt vom Issumer Unternehmen Ophardt drückt es so aus. "Tim Cole wird uns zur digitalen Revolution anstiften." Und die hat längst schon begonnen, mit tiefgreifenden Veränderungen für Wirtschaft, Politik und im Privatleben.

Ein Beispiel: Marketing, das funktionierte früher so: "Am Fenster stehen und laut brüllen", fasst es der Redner zusammen. Kurz: Ware wird angepriesen. Shopping 3.0 sehe da schon anders aus. "Der Kaufvertrag selbst löst eine Kommunikationswelle aus", beschreibt es Cole. "Ich als Kunde teile meine Produkterfahrung mit meinen Freunden auf Facebook." Und wer nicht willens sei, mit seinen Kunden zu reden, auch digital, der wird irrelevant werden. "Ein schlauer Unternehmer geht dahin, wo das Wachstum stattfindet: im Internet", sagt er noch. "Einmal zu lang gewartet, und du bist Geschichte", warnt er. Und die modernen Entwicklungen, angelehnt an die Bedürfnisse der Kunden, hören beim Kauf nicht auf. Thema: Logistik. Früher bedeutete Logistik, dass die Regale voll sind. Mittlerweile gehe es darum, das digital bestellte Produkt zum Kunden zu bringen.

Der richtige Weg scheint da noch nicht gefunden. Stichwort: Warten auf den Paketmann. Als positives Beispiel nennt Cole die Supermarktkette Tesco. Dort können bestellte Sachen abgeholt werden, und ganz nebenbei generiert das Unternehmen Zusatzumsatz, weil die Leute, einmal da, noch ihren Einkauf bei Tesco machen. "Wie schön wäre es, wenn digital Bestelltes digital zugestellt werden kann", stellt er als Möglichkeit in den Raum. Der nächste Schritt, den Cole sieht, ist der 3-D-Drucker. "Medikamente, menschliches Gewebe, es gibt nichts, was wir nicht drucken können", sagt der Vortragende. Schnell ist er bei der "Smart Factory", einer Fabrik, die sich selber steuert, vom Anfordern des Materials bis zur Klimatisierung. Menschen, die dort arbeiten, werde es immer noch geben. "Um die Anlage zu beaufsichtigen."

Was der Entwicklung in Deutschland entgegenstehe, sei die "deutsche Angst", sagt er mit bewusst amerikanischem Akzent. "Computer können nicht denken", tritt er dem Alptraum von den Menschen regierenden Maschinen entgegen. "Aber Computer können lernen." Die digitale Transformation, von der er spricht, sei nicht ein Phänomen, sondern eine Verbindung von drei Megatrends, nämlich Digitalisierung, Vernetzung und Mobilität. In allen drei Bereichen hapere es noch in den allermeisten Unternehmen. Vernetzung bedeutet, dass alle Systeme miteinander kompatibel sind und Daten nicht mehr von Hand eingetragen werden müssen. Mobilität bedeutet, "wir verwandeln uns zunehmend in digitale Beduinen. Für die digitale Wüste brauchen wir nichts, außer einem Smartphone und einem Netz", sagt Cole. Gerade die Wissensarbeiter, diejenigen, die nicht an einer bestimmten Produktionsstätte gebraucht werden, können überall arbeiten. Dem gegenüber stehe aber, dass 75 Prozent der Vorgesetzten in Deutschland Präsenzpflicht verlangen, sagt Cole. "Daraus spricht ein ungeheuerliches Misstrauen der Vorgesetzten", sagt der Internet-Publizist. Wichtig wäre ein Umdenken, "ergebnisorientiertes Führen, das Team einschwören", nennt er den neuen Weg. Er macht auch deutlich, ein Zurück gibt es nicht. "Wir werden mehr Neues erleben als jede andere Generation", sagt Cole. "Das Neue lässt sich nicht aufhalten. Die Frage ist: Machen Sie mit?"

Quelle: RP
 
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