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Issum
Die etwas andere Gesamtschule

Issum: Die etwas andere Gesamtschule
Johannes Elbers, Tina Liehr, Olaf Peim und Bürgermeister Gerhard Kawaters gestern in den Räumen der Käthe-Kollwitz-Schule. FOTO: Seybert
Issum. Tina Liehr und Olaf Peim stellten gestern ihre Vision der Freien Gesamtschule Facettenreich vor. Vieles wird an der Schule in Sevelen anders sein. Es wird gemeinsam gefrühstückt, es gibt keine Pausenglocke und keine Hausaufgaben. Von Bianca Mokwa

Der erste Raum ist bereits bezogen. Mittendrin sitzen Tina Liehr und Olaf Peim, die im nächsten Schuljahr mit der Freien Gesamtschule Facettenreich starten wollen. Das Wo ist klar. Die Räume der ehemaligen Käthe-Kollwitz-Schule in Sevelen sollen wieder mit Leben gefüllt werden. "Wir haben unseren Teil, die Bereitstellung von Gebäuden, auf den Weg gebracht und begleitet", sagt Johannes Elbers von der Gemeinde Issum. Ab dem 1. August 2016 ist die Gemeinde Issum nicht mehr Schulträger. Schulträger wird die gemeinnützige GmbH Facettenreich. Das Konzept der freien Gesamtschule haben Tina Liehr und Olaf Peim, Lehrer an der Europaschule in Rheinberg, entwickelt.

Die Schule finanziert sich zu 87 Prozent aus Geldern des Landes. Die übrigen 13 Prozent leisten der Schulträger, Sponsoren und die Eltern. Die müssen Beiträge zahlen. Diese bemessen sich am Einkommen, wie es auch bei den Kindergartenbeiträgen der Fall ist. "Jedes Kind aus jeder sozialen Schicht soll die Schule besuchen können", sagt Bürgermeister Gerhard Kawaters. "Eine Schule für alle", nennt es Tina Liehr.

Das bedeutet auch, dass Kinder mit jeglicher Schulempfehlung die neue Gesamtschule besuchen können. Einzügig soll die Schule sein und bleiben. Mit jedem neuen Schuljahr wächst die Schule um 30 Kinder. Der Plan sei, eine kleine, überschaubare und familiäre Schule zu schaffen. Olaf Peim spricht davon, "Strukturen aufzubrechen, da wo sie im traditionellen System hinderlich sind". Wichtig zu wissen: Es gibt Zeugnisse, Kernlehrpläne und anerkannte Abschlüsse bis einschließlich Abitur.

Ansonsten ist tatsächlich vieles anders. Liehr und Peim sprechen nicht von Lehrern, sondern Lernbegleitern. Für die ersten 30 Kinder der allerersten Klasse 5 werden Kollegen stundenweise eingekauft. Das sind Fachkollegen, damit alle Fächer angeboten werden können. Die Schule startet mit einer Gleitzeit zwischen 7.30 bis 8.30 Uhr. Es wird ein gemeinsames Frühstück angeboten. Das ist konsequent. "Ich möchte nicht mehr mit Kindern arbeiten, die nicht gefrühstückt haben", sagt Liehr. Mittagessen wird frisch gekocht. Betreuung gibt es bis 16 Uhr, Hausaufgaben (bis auf das Vokabel-Lernen) nicht mehr. Ein Gong, der die Schulstunde beendet, wir nicht mehr zu hören sein. "Wir wollen das Lernen nicht unnötig unterbrechen", sagt Peim. Wer gerade etwas Interessantes liest, soll weiterlesen können, wer gerade Mathe verstanden hat, weiterrechnen.

Klein und überschaubar heißt auch, dass sich ein Mentor um 15 Schüler kümmert. "Meine Klasse, deine Klasse, das gibt es nicht mehr", betont Liehr. Und: "Wir unterrichten keine Fächer, sondern Kinder." Nicht zu vergessen sind die Eltern. "Mit den Beschlüssen im Rat haben wir der Schule unser Vertrauen ausgesprochen. Ich hoffe, dass die Schule auch von den Eltern das Vertrauen bekommt", sagt Bürgermeister Kawaters. "Es ist wichtig, dass die Eltern das Konzept verstehen und dahinter stehen", sagt Peim. Lebensnah soll Schule sein. Praktika ab der fünften Klasse inbegriffen. Offensichtlich laufen Liehr und Peim dabei offene Türen ein. Vereine und Handwerksbetriebe hätten schon Interesse am Schulprogramm geäußert, sagt Peim.

Info-Veranstaltungen sind am Samstag, 14. November, von 14 bis 16 Uhr, Mittwoch, 25. November, von 19 bis 21 Uhr und Montag, 23. November, von 17 bis 19 Uhr in der Käthe-Kollwitz-Schule, Burgweg 15, in Sevelen. Anmeldung über info@facettenreich.schule. Außerdem werden Tina Liehr und Olaf Peim auf dem Issumer Hubertusmarkt am Sonntag, 8. November, Rede und Antwort stehen.

Quelle: RP
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