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Todesfall in Straelen
Die Grenze stoppt den Rettungsdienst

Todesfall in Straelen: Die Grenze stoppt den Rettungsdienst
FOTO: bub
Straelen. Bei einem Skat-Turnier in Herongen ist am Wochenende einer der Teilnehmer plötzlich zusammengebrochen. Der Rettungswagen kam erst nach einer knappen Viertelstunde - zu spät für den Mann. Jetzt steht die Frage im Raum: Warum konnten keine Retter aus den unmittelbar angrenzenden Niederlanden kommen? Von Sina Zehrfeld

Das Geschehen ereignete sich bei der "Offenen Straelener Skat-Stadtmeisterschaft" am Wochenende. Gut 150 Menschen wurden Zeugen in der Heronger Bürgerhalle. Einer der Teilnehmer, ein Mann Mitte 70, stand an einem der Tische, unterhielt sich, dann brach er auf einmal zusammen. Der Notruf ging um 17.31 Uhr bei der Leitstelle ein. Eine Ersthelferin mit medizinischen Kenntnissen kontrollierte die Lage und begann mit - letztendlich vergeblichen - Wiederbelebungsmaßnahmen.

Bis der Rettungswagen da war, verging eine Weile, denn er kam aus Kempen. Die Fahrzeuge der Wachen in Wachtendonk und Geldern waren zu anderen Notfällen unterwegs, erklärt Ruth Keuken, Sprecherin des Kreises Kleve. Die Sanitäter seien um 17.45 Uhr an der Bürgerhalle gewesen: "Die Zeit zwischen Notruf und Eintreffen des Rettungswagens betrug damit 14 Minuten."

Wann kam der Krankenwagen?

Der Bedarfsplan für den Rettungsdienst des Kreises bestimmt, dass die "Eintreffzeit" der Helfer "in 90 Prozent aller Fälle höchstens zwölf Minuten" betragen soll. Ein Zeuge des Vorfalls in Herongen ist sicher, dass es sogar länger gedauert hat als 14 Minuten: Allerfrühestens um 17.48 Uhr seien die Sanitäter da gewesen, der Notarzt noch später. Bis die ersten Helfer beim Patienten gewesen seien, seien etwa 20 Minuten ins Land gegangen: "Natürlich haben wir auf die Uhr geguckt." Der Kreis Kleve hält dagegen, dass die Retter ihre Ankunft üblicherweise per Funk an ihre Leitstelle melden, in diesem Fall die in Viersen. Zweifel an der Richtigkeit seien "nicht erkennbar". Wartende hätten in Notlagen aber ein anderes Zeitgefühl, da würden "Minuten zu Stunden".

Ob dem Patienten, einem Senior mit Vorerkrankungen, durch schnelleren professionellen Beistand hätte geholfen werden können, ist natürlich fraglich.

Eine weitere Frage aber drängt sich auf: Warum konnten keine Retter aus den Niederlanden kommen? Venlo liegt gerade mal einen Steinwurf weit von Herongen entfernt. Und bei Feuerwehren beispielsweise gibt es durchaus grenzübergreifende Kooperationen.

Unterschiede bei den Vorschriften halten Retter auf

"Für Feuerwehren gelten andere Dinge als für Notärzte", erklärt dazu Ruth Keuken. Man könne niederländische Kräfte nicht einfach in die deutsche Rettungskette einbinden. Die allgemeinen Vorschriften, die Kompetenzen und Rechte der Einsatzkräfte seien diesseits und jenseits der Grenze zu unterschiedlich. "Rettungssanitäter dürfen in den Niederlanden zum Beispiel spritzen. Wenn jetzt einer nach Deutschland rüberfährt und eine Spritze setzt, dann macht er sich der Körperverletzung schuldig."

Zwar hilft der niederländische Rettungshubschrauber "Lifeliner" regelmäßig im Klever Kreisgebiet. "Bei diesen Einsätzen ist aber der Rettungsdienst des Kreises Kleve ebenfalls eingebunden." Auch werden deutsche Retter im Nachbarland tätig, "dann aber immer nur in Kombination mit einem Notarzt und auch nur so lange, bis der niederländische Rettungsdienst vor Ort ist". Das geschehe "im partnerschaftlichen Miteinander - oft auch in einer ,rechtlichen Grauzone'".

Befugnisse, Haftungs- und Versicherungsfragen oder Sonderrechte im Straßenverkehr seien "immer wieder Gegenstand fachlicher Beratungen insbesondere zwischen Rettungsdienstträgern und Ministerien", teilt Keuken mit. "Eine rechtssichere Lösung ist bis heute nicht absehbar." Man hoffe, dass sich das in Zukunft ändert.

Quelle: RP
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