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Steffi In Benin
Die "Gute-Laune-Abteilung"

Geldern. Dass Aktion pro Humanität in den letzten 20 Jahren ein "Buschkrankenhaus" aufgebaut hat, heißt es immer. Und das war es anfangs sicherlich auch. Als wir in Gohomey in Benin ankamen, war ich von den Socken. Jeder Ferienanbieter würde dieses Areal als "Ressort" verkaufen. Kleine Häuser, alle im gleichen Stil gebaut. Ebenerdig, terracotta-farben. Gepflegte Grünflächen, Bäume, Pflanzen. Die Gehwege gefegt. Alles piccobello. Hier gibt es zwei Waisenhäuser, eine Kinderkrippe, eine Kirche. Mitten drin ein Platz, auf dem die Häuser in L-Form gebaut sind, alle mit Terrasse davor. Die "Warteräume". Hier gibt's die Gynäkologie, Radiologie, Chirurgie ("unser OP-Container"), Allgemeinmedizin, das Labor, eine Isolierstation, die Apotheke. Emile nicht zu vergessen: Er ist Orthopädiemechaniker und hat im Nachbarort seine Werkstatt. Es gibt einen Fußballplatz, einen Spielplatz. Hier eine "Runde" zu drehen, dauert seine Zeit. Wegen der Größe - und wegen der vielen Menschen, die uns begegnen. Die Kinderkrippe ist mein Lieblingsort. Unsere "Gute-Laune"-Abteilung, sagt Elke Kleuren-Schryvers gerne. Hier leben Kinder bis drei Jahren mit, ja, meistens den Großmüttern. Oft sind die Mütter bei oder nach der Geburt im Busch gestorben. Verblutet. Wenn die Omas mit den Kleinen herkommen, sind sie unterernährt. Joshua zum Beispiel. Ein halbes Jahr alt. Als wir ihn wiegen, stehen 3100 Gramm auf der Waage. Seine Augen prägen das Gesicht. Ein ernstes Gesicht. Ihn aufzupäppeln wird eine Zeit dauern. Der Blick dieses Jungen hat sich in mein Herz gebrannt. Denn wäre er nicht hier, wäre er tot.

STEFFI NEU

Quelle: RP
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