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Geldern
Die idyllische Welt des Hannes Haag

Geldern: Die idyllische Welt des Hannes Haag
Künstler Hannes Haag mit seinen Entwürfen von Texten und Bildern für das Werk "Anna, das Leben im Paradies". FOTO: gerhard seybert
Geldern. Der Gelderner Künstler hat das Buch "Anna, das Leben im Paradies" geschaffen. Inspiriert durch Begegnungen mit Andy Warhol und Marc Chagall. Erinnerungen an die Jugend auf dem Schloss. Von Michael Klatt

An seine Kinder- und Jugendzeit erinnert sich der 81-Jährige gerne. Seine Mutter war Erzieherin für die Grafenkinder. Deshalb wohnte seine Familie in einem Flügel von Schloss Haag, später in der Vorburg. "Es waren unvergessliche Jahre", erzählt der Mann. "Es war das Paradies auf Erden." So prägend war diese Lebensphase, dass Hans Reichert sich das Pseudonym Hannes Haag zulegte und auch in seinen Pass eintragen ließ. Und auf seine Weise fängt der Mann das frühe Glück in einem Buch ein. "Anna, das Leben im Paradies", heißt es.

Die Texte und Bilder auf den 52 Seiten hat Haag alle selber gemacht. Kreativ ist der gelernte Industrie- und Textilkaufmann immer gewesen. "Als Junge habe ich Bilder zum Geburtstag gemalt", erzählt er, wobei er vermutet, dass er die Begabung von einem Onkel geerbt hat. Als Modemacher habe er wohl an die 100 Millionen Meter Stoff entworfen, unter anderem für Kaufhausketten.

Das Malen sei parallel immer weitergelaufen. Eine schwere Krankheit brachte ihn vor etwa fünf Jahren dazu, sich verstärkt den Bildern zuzuwenden.

Zwei Dinge bezeichnet Haag als entscheidend für das Buch und die damit zusammenhängende Ausstellung in der Sparkasse Geldern (siehe Box): die Begegnung mit Andy Warhol und ein Treffen mit Chagall. Beides trug sich in den 1960er Jahren zu.

Warhol lernte Haag während eines Museumsbesuchs im New Yorker Viertel SoHo kennen. "Ich saß auf dem Boden, träumte, ließ die Bilder auf mich wirken. Da tippte mich Warhol an, und wir führten ein kurzes Gespräch", erzählt der Gelderner. Chagall sah er in einer alten Herberge an der Cote d'Azur, deren Wände mit Originalgemälden behängt waren, mit denen Künstler ihr Mittagessen bezahlten. "Ich ging zu Chagall und sagte ihm, dass ich ihn bewunderte."

Die Idee zu einem Buch hatte Haag schon lange, "doch es kam immer was dazwischen". Konkreter wurde der Plan, als er während einer Bojan-Momtschilow-Ausstellung von einem Vertreter der Sparkasse angesprochen wurde. Ein "persönliches Buch" schwebte Haag vor. Dafür nahm er für sich ein Casting der Tiere vor. Wer sollte Anna, das glückliche Hühnermädchen, noch begleiten? So bevölkerte Haag die Seiten unter anderem mit Sarah, der Eule, die Märchenerzählerin ist, mit Michel, dem Igel, dem Spaßmacher, mit Toll, der Schnecke, und mit Lisa, der Maus. Sie leben in einer Traumwelt mit Urweltbäumen und tanzenden Libellen. "Es muss ein Tanz durch die Farben sein", meint der Autor, der sich bei der Farbwelt an Heinz Mack orientiert.

Den Kindern möchte Haag etwas geben, das sie fröhlich macht. Sie sollen die Farben und Texte genießen können. Weiche Farben und Ruhe, darauf kam es ihm für dieses Kinderbuch an. Bei der Gestaltung hat er sich von Warhol inspirieren lassen.

Das Werk wird in der JVA Pont im Farb-Offset-Verfahren gedruckt. Das ist aufwendiger als eine digitale Produktion, doch Haag will es so: "Alles per Hand, nichts mit dem Computer."

1000 Exemplare werden angefertigt. Die ersten 500, verspricht Haag, werden nummeriert und signiert. Außerdem werde eine signierte Lithographie beigelegt. In der Ausstellung werden auf Stellwänden sämtliche Bilder aus dem Buch präsentiert.

Quelle: RP
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