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Geldern
Die Landwirte haben große Sorgen

Geldern: Die Landwirte haben große Sorgen
Die Mitglieder der Kreisbauernschaften Kleve und Geldern verfolgten interessiert die Rede der stellvertretenden Landrätin Hubertina Croonenbroek. FOTO: Seybert
Geldern. Erntedankfrühstück der Kreisbauernschaften Kleve und Geldern. Ackererträge weit unter den Erwartungen, Preise im Sinkflug, gesellschaftliche Akzeptanz fehlt. Und trotzdem ist Landwirt "einer der schönsten Berufe in Deutschland". Von Michael Klatt

Das Leben für die Landwirte ist hart. Nicht nur, weil der knochentrockene Boden derzeit die Kartoffelernte erschwert. Der Berufsstand hat darüber hinaus unter mangelnder Anerkennung in der Gesellschaft und ruinöser Preispolitik zu leiden. Viel Grund zur Klage gab es gestern beim Erntedankfrühstück der Kreisbauernschaften Kleve und Geldern im Landgasthof Luyven im Gelderner Stadtteil Lüllingen.

Ein Gegengewicht dazu bildeten die lobenden Worte einiger Redner. Die Landwirtschaft sei eine wichtige und standorttreue Branche, die wie nichts sonst den Kreis Kleve präge, betonte die stellvertretende Landrätin Hubertina Croonenbroek. Sie wies auf innovative Initiativen wie Agrobusiness Niederrhein hin, aber auch auf Probleme wie den weiter fortschreitenden Flächenverlust durch Versiegelung und bei der Tierhaltung. Kritik übte sie am geplanten Landesnaturschutzgesetz. "Die vorgesehenen Verschärfungen sind nicht richtig und nicht erforderlich", sagte sie. Sie seien ein harter Eingriff in den Berufsstand und eine Gefahr für Existenzen.

Die stellvertretende Landrätin sagte den Landwirten ebenso Unterstützung zu wie Gelderns Bürgermeister Sven Kaiser. "Sie können sich auch bei mir persönlich melden", lud der Rathaus-Chef die Zuhörer ein, die sich zum Beispiel mit Erweiterungsplänen tragen.

Während Josef Peters, der Vorsitzende der Kreisbauernschaft Kleve, die Begrüßung oblag, übernahm sein Amtskollege der Kreisbauernschaft Geldern die Hauptrede. Die Stimmung bei den Landwirten sei vielerorts gedrückt, berichtete Heinz Lax. "Vielfach beherrscht Existenzangst statt Zuversicht den Blick in die Zukunft."

Ein Grund dafür sind nicht nur die verheerenden Regenfälle des Frühsommers und die deutlich hinter den Erwartungen zurückbleibende Ernte bei vielen Ackerkulturen. Die Auseinandersetzung mit Regen, Hagel, Dürre, Schnee, Frost und Sturm seien die Landwirte seit Menschengedenken gewohnt. Doch heute "sind die Bauern in der Gesellschaft zu einer Minderheit geworden, die immer wieder Anfeindungen ausgesetzt ist".

Angesichts pauschal erhobener Vorwürfe wie Profitgier, Naturausbeutung und Tierquälerei "bleibt mir manchmal die Spucke weg", bekannte Lax. Die Diskussion um den Pflanzenschutzwirkstoff Glyphosat ist für ihn ein Beispiel dafür, wie irrational die Debatte manchmal geführt werde. Der Politik warf er Wankelmut vor, sie stelle die Interessen der Bauern oft hinten an. "Und bestimmte Kreise kochen gerade auf dem Herd der allgemeinen Unwissenheit ihr partei- oder verbandspolitisches Süppchen". Lax kündigte an, die Öffentlichkeitsarbeit weiter zu intensivieren. Doch das heiße nicht, die Landwirtschaft romantisch zu verklären. "Wir wollen offen und ehrlich das zeigen, was wir haben und tun. Bauernfamilien müssen nichts verstecken."

Harte Arbeit müsse sich für sie lohnen. Doch Getreide- und Milchpreise erlebten eine Talfahrt mit historischen Ausmaßen, bei Obst und Gemüse sehe es nicht viel besser aus. Wenigstens bei der Schweinemast oder -zucht habe sich die Erlössituation einigermaßen stabilisiert.

Trotz allem: "Wir üben einen der schönsten Berufe aus, die es in Deutschland gibt", rief Lax seinen Kollegen im Saal Luyven zu. Die Landwirte sorgten für nachwachsende Rohstoffe und damit für die Stabilisierung der Energieversorgung sowie für den Erhalt der Kulturlandschaft. Sie seien ein unverzichtbarer Teil der Gesellschaft.

Quelle: RP
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