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Geldern
Die Nachbarn übers Internet ansprechen

Geldern: Die Nachbarn übers Internet ansprechen
Seine Nachbarn - etwa in Geldern-Mitte - kann man über das Portal "nebenan.de" kontaktieren. Die Gruppe wurde von einem Anwohner der Hartstraße gestartet. FOTO: Seybert
Geldern. Wer kann mit einer Bohrmaschine aushelfen? Die Plattform "nebenan.de" will die Anwohner eines Viertels in Kontakt bringen. Gruppen gibt es auch am Niederrhein. Die Teilnehmerzahlen sind jedoch derzeit eher gering. Von Dirk Möwius

So mancher stutzte, als in diesem Winter ein Din-A-4-Blatt mit der Anrede "Hallo liebe Nachbarn in Geldern" in seinem Briefkasten lag. "Marcus von der Hartstraße" lud als "euer Nachbar" dazu ein, im Internet die Seite "nebenan.de" zu nutzen, um schnell und unkompliziert mit seinen Nachbarn in Verbindung zu treten. Das skeptische "Den gibt es doch gar nicht" war aber nicht berechtigt. Unsere Redaktion nahm über die Plattform Kontakt auf und erreichte so Marcus Thielen - gebürtiger Gelderner und heute Wahl-Hamburger, der lediglich mit Zweitwohnsitz und eher unregelmäßig in Geldern lebt.

Per Mail erläuterte er seine Intention: Er habe mittlerweile einen anonymeren Blick auf Nachbarschaften. "Hier in Hamburg jedenfalls ist ein persönliches und vor allem gutes Nachbarschaftsverhältnis eher selten. Daher passiert es auch so gut wie nie, dass ein Nachbar einfach so auf eine Tasse Kaffee vorbei kommt und man ihm beiläufig erzählt, dass man in der kommenden Woche von irgendwem eine Bohrmaschine benötigt, um ein Loch in die Wand zu bohren, worauf der Nachbar seine Maschine freundlich anbietet. In Hamburg müssten Sie dazu schon eine ,öffentliche Anfrage' starten, wenn Sie direkt niemanden kennen, den Sie fragen könnten. Was ist da praktischer, als Nachbarn über ,nebenan.de' zu fragen?"

In Geldern möge das hoffentlich noch anders sein. "Meine Intention, ,nebenan.de' in Geldern zu etablieren, und meine Hoffnung daraus ist also die niederste, die man sich nur denken kann: Vielleicht brauche ich mal eine Bohrmaschine, und meine liegt hier in Hamburg." Ein Smiley folgt. Marcus Thielen abschließend: "Eine digitale Community aus Nachbarn, mit kurzen Wegen im echten Leben und mit möglicherweise gemeinsamen Anliegen, ist sicher auch für Geldern ein moderner Weg, der zusätzlich nicht schadet. Eine Alternative zu gut funktionierenden Nachbarschaften, in denen man zusammen grillt und Bier trinkt, ist es selbstverständlich nicht."

Das Echo ist insgesamt übersichtlich. 26 Mitglieder zählt die Gruppe Geldern-Mitte bisher. Die Themen reichen vom Verkaufsangebot eines Motorrads bis zur Silvesterparty in Malo's Bistro. Deutlich stärker ist das Interesse der "Nachbarn" am Egmondpark, wo die Gruppe schon 61 Mitglieder hat. Die Mehrzahl der Gelderner diskutiert offensichtlich bisher aber lieber in den "klassischen" sozialen Medien wie den Facebook-Gruppen. Trotzdem gibt es überall in der Region, von Kevelaer über Issum bis Straelen, erste Versuche, auch "nebenan.de" zu nutzen.

Gründer von "nebenan.de" ist Christian Vollmann. Laut Pressetext hatte er 2013 nach einem Umzug mit seiner Familie das Bedürfnis, die bis dahin noch so anonyme Nachbarschaft kennenzulernen. Kurzerhand rief er damals ein Online-Forum für seine Straße ins Leben und konnte so Kontakte knüpfen, die bis heute bestehen. Aktuell soll es mehr als eine halbe Million aktiver Nutzer in rund 3800 Nachbarschaften geben.

Auch wenn die Nutzung des Portals für Privatpersonen kostenlos ist, ist das Ganze für die Köpfe dahinter natürlich auch ein Geschäftsmodell: Derzeit wird das Projekt von Investoren finanziert, etwa dem Burda-Verlag sowie der Risikokapitalgeber Lakestar. Auf Dauer könne eine Unternehmung wie "nebenan.de" nur bestehen, wenn sie Mittel und Wege findet, sich aus eigener Kraft zu refinanzieren. Der Weg dorthin führe über die "intelligente Einbeziehung" der lokalen Gewerbetreibenden vor Ort.

Quelle: RP
 
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