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Christian Olding
"Die Rückmeldungen sind bewegend"

Christian Olding: "Die Rückmeldungen sind bewegend"
Christian Olding freut sich über seinen Bucherfolg. FOTO: Seybert
Geldern. Der Kaplan der Pfarrgemeinde St. Maria Magdalena Geldern errang mit "Klartext, Bitte!" auf Anhieb einen Platz in der Liste der meistverkauften Sachbücher in Deutschland. Über das Gefühl, Erfolgsautor zu sein, und über neue Buchprojekte.

Herr Olding, aus dem Stand auf die Spiegel-Bestsellerliste, davon träumt wohl jeder Autor. Wie empfinden Sie das?

Christian Olding Einfach nur skurril. Ich musste die Nachricht wirklich dreimal lesen und mich fragen: Ist das echt? Ich bin sehr bewegt, gleich so viele Menschen mit meinem Buch erreichen zu dürfen. Aber es hat nichts mit mir als Person gemacht, ich bin noch der gleiche wie vorher.

Sie waren auf der Buchmesse und sind in ganz Deutschland eingeladen, aus Ihrem Buch zu lesen. Ein Leben fast wie das eines Profi-Autors. Sie verdienen auch Geld mit Ihrem Buch. Wie organisieren Sie das alles?

Olding Also, oberste Priorität hat für mich meine Arbeit in der Gemeinde hier in Geldern. Für die Lesungen nehme ich meine freien Tage, das gönne ich mir, denn es ist sehr schön, über das, was ich geschrieben habe und mir wichtig ist, mit anderen zu sprechen. Die Einnahmen aus dem Verkauf des Buches fließen zu hundert Prozent in unsere V-Projekte.

Wäre Schreiben also keine berufliche Perspektive für Sie? Haben Sie keine weiteren Buchprojekte im Kopf?

Oldin Nein, eine Karriere als Autor will ich nicht machen. Aber am Projekt "v_the experience" hängt mein Herz, und das will ich weiter verfolgen.

Ihr Buch beginnt mit dem Satz "In diesem Buch geht es um mich", und Sie beschreiben Ihren ganz persönlichen Weg in den Glauben. An einer Stelle erwähnen Sie, dass Sie am Abend immer schriftlich festhalten, was der Tag so hergab. Was bedeutet Schreiben für Sie?

Olding Das war Luxus, dass ich meine eigene Geschichte erzählen konnte, um meine Botschaft vom "Glauben ohne Geschwätz" zu formulieren. Durch das Schreiben kann man sich besinnen und ordnen. Ein theologisches Fachbuch will ich gar nicht schreiben. Aber die Rückmeldungen, die ich bekomme, sind einfach bewegend. Ich bin immer sehr gespannt auf: "Was sagen die anderen?"

Ihr Schreibstil ist sehr konkret, und Sie benutzen viele jugendsprachliche Ausdrücke. Um die Persönlichkeit Ihrer Freunde zu schützen, geben Sie Ihnen die Namen Penny und Leonhard aus der amerikanischen Sit-Com "The Big Bang Theory", die ältere Generationen nicht so gut kennen. Wollen Sie hauptsächlich Jugendliche erreichen?

Olding (lacht) Das war eigentlich nicht so gedacht. Ich möchte natürlich alle Generationen erreichen. Der Stil ergibt sich einfach, weil Jugendsprache vielfach deutlicher und verständlicher ist. Klartext eben. Es gibt ein Buch von Erik Flügge, das heißt "Die Kirche verreckt an ihrer Sprache". Anstelle weichgespülter theologischer Floskeln benutze ich lieber klare Worte und bin pointierter. Deshalb predige ich auch am liebsten, da sehe ich gleich in den Gesichtern vor mir, ob ich sie erreiche. Da sind auch 80-Jährige dabei.

Ich will nicht kleinlich sein, aber im Text sind viele Druckfehler und an einer Stelle sogar ein doppelter Textbaustein. Korrekturgelesen hat wohl ein anderer und nicht sehr sorgfältig?

Olding Ja, mit der Lektoratsarbeit hat man als Autor zum Glück nichts zu tun. Da sind andere zuständig. Über den doppelten Textbaustein habe ich mich auch geärgert. Da bin ich wieder ganz der Perfektionist. Trotzdem finde ich, es tut dem Inhalt keinen Abbruch, und darauf kommt es ja an.

Einerseits ist es eine Biografie, andererseits wollen Sie dem Leser auch ein Angebot machen. Sie beschreiben Ihre ganz persönliche "Wüstenwanderung" und betonen, dass man seinen Glauben bei niemandem "abgucken" kann. Was ist ihre Hauptintention?

Olding Die Geschichte eines anderen kann Mut machen und inspirieren. Das möchte ich mit meinem Buch erreichen. Letztlich brauchen wir Menschen die Kommunikation, auch in unserem Glauben an Gott. Das praktizieren wir in unseren Gottesdiensten und der Gemeindearbeit. Glauben geht nicht allein.

ANTJE THIMM FÜHRTE DAS INTERVIEW.

Quelle: RP
 
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