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Unsere Woche
Die Sparkassen wappnen sich für die Zukunft

Geldern. Die Nachricht der Woche schlug wie ein Blitz aus heiterem Himmel ein: Die Verwaltungsräte der Sparkassen Kleve, Emmerich-Rees und Straelen haben ihre Vorstandsvorsitzenden beauftragt, Sondierungsgespräche über eine mögliche Fusion der drei Kreditinstitute aufzunehmen. Schon im Wonnemonat Mai sollen die Ergebnisse den Gremien vorliegen. Sind die Resultate positiv, müssten im nächsten Schritt die endgültigen Verhandlungen zwischen den drei Sparkassen und ihren Trägern folgen. Das öffentlich erklärte Ziel sei es, dass die Institute gemeinsam besser den Herausforderungen begegnen können, denen sich regionale Banken werden stellen müssen. Bürger und Unternehmen der Region sollen von einer solchen Fusion profitieren, heißt es.

Erinnerungen werden wach: Zu Beginn des dritten Jahrtausends gab es ebenso intensive wie langwierige Verhandlungen mit dem Ziel, eine Kreissparkasse aus der Taufe zu heben. Der Plan platzte in letzter Sekunde, weil der Rat der Stadt Kleve einstimmig (!) die Notbremse zog und die Fusionsgespräche im Januar 2003 für beendet erklärte - wohlgemerkt wenige Tage vor der eigentlich schon geplanten Vertragsunterzeichnung. Die angestrebte Kreissparkasse war an einigen (damals) handelnden Personen gescheitert.

Der Rest ist Geschichte: Die seinerzeit, diplomatisch ausgedrückt, ziemlich klamme Sparkasse Geldern wurde zum 1. Januar 2007 von der Sparkasse Krefeld übernommen und im Laufe der letzten Jahre wieder aufgepäppelt, die vier anderen Sparkassen sind bis heute autark.

Fragen bleiben: Warum spielt die Sparkasse Goch-Kevelaer-Weeze bei den neuerlichen Fusionsverhandlungen keine Rolle ? Tatsache ist, dass man in Goch erst aus der Zeitung von den vorgesehenen Sondierungsgesprächen erfahren hat und niemand eine Erklärung dafür weiß, warum statt der jetzt drei Institute nicht alle vier an einem Tisch sitzen, um eine gemeinsame Zukunft zu planen. Bleibt Goch außen vor, liegt die "Mittelkreis"-Sparkasse im Falle einer Dreier-Fusion wie eine einsame Insel zwischen dem großen Krefelder Institut und dem Trio der viel kleineren Sparkassen aus dem Kreis. Der Grund bleibt Spekulation.

Das gilt auch für die Planungen in Krefeld. Zwar beteuerte deren Sprecher, man sei fusionserprobt, aber es gebe "nicht mal ansatzweise Überlegungen", nach Geldern weitere Sparkassen im Kreis Kleve zu übernehmen - wie manche Politiker vor einem Jahrzehnt gemutmaßt hatten. Schaut man sich indes die Bilanzsummen an, lässt sich unschwer vermuten, dass die Angst vor einer Krefelder Wachstumspolitik bei den jetzt angesetzten Sondierungsgesprächen eine Rolle gespielt haben könnte. Denn Krefeld spielt mit 8,2 Milliarden Euro in einer anderen Liga als Kleve (1,2 Milliarden), Emmerich-Rees (796 Millionen) und Straelen (314 Millionen) - man will sich offenbar wappnen.

Für Spannung ist gesorgt.

RGEN.LOOSEN@RHEINISCHE-POST.DE

Quelle: RP
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