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Geldern
Die Tücken der "Flexiblen Betreuung"

Geldern. Eltern wollen möglichst frei verfügbare Nachmittagsbetreuung an den Grundschulen. Die Kinder sollen - anders als beim "Offenen Ganztag" - mal früher, mal später gehen. Das macht Organisation und pädagogische Arbeit kompliziert. Von Sina Zehrfeld

Seit gut einem Schuljahr gibt es an Gelderner Grundschulen nun die "Flexible Betreuung". Ein Erfahrungsbericht im Jugendhilfeausschuss des Stadtrates zeigt: Das Angebot ist bei den Familien besonders beliebt, und je flexibler, desto lieber ist es ihnen. Aber: Es gibt mehr Verwirrung in den Gruppen und auch organisatorische Probleme.

Das erörterten vor den Politikern Gisela Martens, Leiterin der St.-Martini-Grundschule in Veert, und Elisabeth Kisters von der Caritas, die die Nachmittagsbetreuung an drei Grundschulen organisiert.

Wesentlicher Unterschied in den zwei Systemen der Schülerbetreuung: Im "Offenen Ganztag" (Ogata) sollen die Kinder grundsätzlich an jedem Schultag kommen und dann bis mindestens 15 Uhr bleiben. Die "Flexible Betreuung" hingegen können die Schüler vorzeitig verlassen. Wie genau das in den Flex-Gruppen läuft, ist Sache der Schulen.

Der Ogata biete durch Verbindlichkeit und Verlässlichkeit insgesamt mehr Sicherheit und Kontinuität, so die Erfahrung von Schulleiterin Gisela Martens. Auch die Flex-Betreuung biete Struktur und Orientierung. Aber im Ogata sei das besser möglich. Auch die "ganzheitliche Unterstützung" der Kinder sei leichter, einfach, weil mehr Zeit zur Verfügung steht: "Da ergibt sich ein ganz andere Handlungsspielraum", so Martens.

Ein großes Problem ist es, wenn Kinder mitten aus dem Spiel gerissen werden, weil plötzlich die Eltern an der Tür stehen. Die Veerter Grundschule hat deshalb auch für die Flex-Gruppe feste Abholzeiten eingeführt: Um 11.15, 12.15 oder 13.05 Uhr können die Kinder gehen. Und mit den Eltern ist abgesprochen, dass sie Änderungen am Vortag ankündigen. Sie sollen - außer in Notfällen - auch nicht spontan anrufen. Denn sonst hängt die Betreuungskraft am Telefon, statt pädagogisch zu arbeiten.

Die Veerter Eltern unterstützen das. Aber Martens weiß zugleich: "Es gibt den Elternwunsch nach mehr Spielraum bei den Abholzeiten."

Elisabeth Kisters von der Caritas bestätigte diesen Bedarf bei den Eltern: "Bei uns ist es wirklich so, dass das so flexibel gehandhabt werden soll, dass sich innerhalb einer Woche Zeiten ändern und die Kinder auch gar nicht mehr wissen - gehe ich jetzt früh oder spät?", schilderte sie.

Auch mit festen Abholzeiten ergebe sich schon ein großer bürokratischer Aufwand für die Betreuungskräfte, führte Schulleiterin Martens weiter aus. Sie müssen Listen führen, Zeiten kontrollieren. Das koste Zeit, die in der Arbeit mit den Kindern fehle.

Probleme kann es auch geben, wenn Ogata- und Flex-Kinder gemeinsam in einer Gruppe sind. Dann dürfen die einen früh gehen, die anderen sollen noch bleiben. Das könne Tränen geben: "Nach vier Tagen haben wir das getrennt", sagte Gisela Martens.

Nicht überall sei aber eine Spaltung in zwei Gruppen möglich, stellte Elisabeth Kisters fest. Und manche Schulen wollten das auch aus pädagogischen Gründen nicht - es soll kein "Wir"- und "Die anderen"-Gefühl entstehen.

Trotz aller Schwierigkeiten: Sowohl für die Ogata- als auch für die Flex-Gruppe zog Schulleiterin Martens ein positives Fazit, was die pädagogische Arbeit angehe. Sie warnte aber auch vor möglichen Folgen, wenn die Flexible Betreuung ausgebaut werden sollte"Eine zweite Flex-Gruppe - da spreche ich jetzt nur für meine Schule - gefährdet die OGS", also den Offenen Ganztag, sagte sie. Denn viele Eltern würden wohl darauf umschwenken, wenn sie könnten. Und dann würde dem Ogata Personal fehlen.

Elisabeth Kisters von der Caritas ergänzte später, dass viele Familien eigentlich mit dem Ogata-Angebot recht zufrieden seien. Sie wünschten sich lediglich, dass es etwas mehr Spielraum für individuelle Abhol-Zeiten gebe.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, die Kinder sollten im Offenen Ganztag (Ogata) an mindestens vier Wochentagen und bis mindestens 15 Uhr kommen. Das war falsch. Die Kinder sollen grundsätzlich an jedem Schultag kommen und dann bis mindestens 15 Uhr bleiben. Wir haben den Text korrigiert.

Quelle: RP
 
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