| 00.00 Uhr

Geldern
Die Unfallstelle wird zur Gedenkstätte

Geldern. Stadt sichert überfluteten Radweg an der Niers mit Flatterband. Baden im Fluss gefährlich. Von Anja Settnik

Immer mehr Menschen kommen zur Nierswelle, um einem kleinen Jungen, den die meisten von ihnen nicht kannten, einen stillen Gruß zu hinterlassen. Auf der untersten Stufe der Fläche, die das Hochwasser zu einer Art See verbreitert hat, stehen inzwischen jede Menge Kerzen und Grablichter.

Gocher, die nicht fassen können, dass praktisch mitten in der Stadt unter den Augen vieler Sonntagsausflügler ein Zehnjähriger ertrunken ist, haben Blumensträuße abgelegt. Mitten drin das Porträt des Schülers E., der vor etwa einem halben Jahr mit seinen Eltern als Flüchtling nach Goch gekommen war. Fröhlich lächelt er auf dem Foto, unter das jemand geschrieben hat: "Ruhe in Frieden in unseren Herzen, unser kleiner Freund". Ein roter Boxhandschuh und ein Spielzeugauto geben Auskunft darüber, woran der kleine Albaner bis Sonntag Spaß hatte.

"Tod durch Ertrinken" hat die Obduktion ergeben. Wie es dazu kommen konnte, das fragen sich nun alle. Vermutlich konnte das Kind, das noch eine Vorbereitungsklasse für Migranten besuchte, nicht gut schwimmen, das Wasser in der Niers hat derzeit eine erheblich stärkere Strömung als sonst, es ist tief - so tief, dass ein Zehnjähriger nicht stehen kann. "Die Niers ist kein Badegewässer", sagen Stadt und Niersverband und erklären damit, warum die Nierswelle nicht gesichert war. Dann müsste man ja das komplette Ufer sperren, heißt es. Inzwischen ist zumindest der Teil des Radwegs an den Niers-Stufen, der vom Hochwasser überspielt ist, mit Flatterband gekennzeichnet. Es handelt sich aber nicht um die Stelle, an der der kleine Junge ins Wasser geriet.

Wo dies geschen ist, zeigen wiederum Kerzen und Blumen: vorne links am Ponton. Auch mitten auf der Schwimmbrücke erinnern Blumengestecke an den schrecklichen Unglücksfall.

Mit Erklärungen, erst recht mit Schuldzuweisungen, hält sich auch die Polizei zurück. "Die Niers ist kein Badesee, sondern ein Fluss, der immer da war. Es handelt sich nicht um ein Schwimmbad, wo ein Bademeister aufpassen müsste." Der Rettungsring, der nicht zur Verfügung stand, weil er Tage zuvor entwendet worden war, wird kurzfristig ersetzt.

Andere Orte hatten freie Zugänge zur Niers beim Hochwasser bereits früher mit Flatterband abgesperrt, um deutlich zu machen, dass man dort am besten nicht zu nahe ans Wasser gehen sollte.

Quelle: RP