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Geldern
Die Unternehmensnachfolge frühzeitig regeln

Geldern. "Wir als Berater sollten alles denkbar Mögliche voraussehen, um das rechte Maß bei der Erbschaftssteuer zu bewirken." Claus J. Peters sagte dies als Referent der Veranstaltung "Perfekte Planung - Die Unternehmensnachfolge frühzeitig regeln", die von der Wirtschaftsförderung Kreis Kleve im PAN Kunstforum Niederrhein "über die Rampe gebracht wurde" mit gut 80 Interessierten. Wie schwer diese Weitsicht sein kann, das zeigte der Abend. In Berlin nämlich saßen zur selben Stunde die Koalitionäre zusammen, um über die neue Struktur der Erbschaftssteuer zu entscheiden. Die Zwischen-Information des Bankkaufmanns und Rechtsanwalts Peters: "Die Fronten sind verhärtet."

Gut 40 Minuten lang warb Peters dafür, möglichst frühzeitig den Prozess der Nachfolge in den Blick zu nehmen. Möglichst zu Lebzeiten solle man das Vermögen auf die nächste Generation übertragen und dabei auch die Absicherung des Übergebenden bedenken. Noch vor der Neuregelung, so riet Peters, solle man die Möglichkeiten der Unternehmensnachfolge prüfen, auch, weil das alte Recht vielleicht günstiger sei als das zu erwartende neue.

Bereits zum Einstieg hatte Moderator Christoph Kepser Nicolai Müller von der Dr. Müller, Hufschmidt Steuerberatungsgesellschaft mbH aus Straelen gebeten, Passagen aus seinem Buch "Wertorientierte Führung von Familienunternehmen" zum Besten zu geben. "Ewiger Sonnenschein schafft Wüste", warb der Steuerberater auch für den kritischen Dialog in der Familie, bevor wichtige Nachfolge-Entscheidungen getroffen werden. "Vater erstellt's, Sohn erhält's, beim Enkel zerfällt's" - gerade dies, so Müller, solle nicht passieren.

Der in Emmerich am Rhein tätige Steuerberater Michael Lommen überzeugte mit den zehn "Goldenen Regeln" für die Unternehmensnachfolge. Er warb auch dafür, sich mit dem gewünschten Nachfolger-Profil auseinanderzusetzen.

Im Gespräch mit Kreis-Wirtschaftsförderer Hans-Josef Kuypers erfuhr Moderator Kepser, dass man im Kreisgebiet mit 700 Nachfolger-Suchen rechnen müsse. Betroffen seien bis zu 11.000 Beschäftigte. Die Wirtschaftsförderung werde neben der Suche nach Fördermitteln und Sonder-Finanzierungsformen der Betriebsnachfolge insbesondere angesprochen, um "für jeden Topf den richtigen Deckel" zu finden. Dem pflichtete Emmerichs Wirtschaftsförderer Johannes Diks bei, wünschte sich allerdings manches Mal mehr Beweglichkeit auf Seiten der Kreditwirtschaft. Ein Punkt, den Werner Broeckmann als Geschäftsführer der BGC Unternehmensberatung aus Kevelaer anders sah. Rüdiger Helbrecht, der Nachfolge-Spezialist der IHK Duisburg-Wesel-Kleve, sieht eine demographische Falle auf die Unternehmerschaft zukommen. "Es werden uns qualifizierte Nachfolger fehlen", so Helbrecht. Auch sei die Lebens-Philosophie eine andere geworden. Nicht immer seien junge Menschen wild darauf, es den Eltern nachzumachen.

Dass dies nicht immer so sein muss, bewies Andreas Neumann als Geschäftsführer des handwerklichen Betriebs "Werner Neumann GmbH" mit Standorten in Kevelaer-Twisteden, Bedburg-Hau und Emmerich am Rhein. Den Betrieb der "Neumänner" gibt es in der vierten Generation. Zur Stunde haben alle drei Brüder einen Chef-Stuhl inne, verstehen sich gut und machen dem Senior - ausgestattet mit einem Beratervertrag - ausgeprägte Freude.

Quelle: RP
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