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Kerken
Die Weinbergschnecke gedeiht in Eyll

Kerken. Jörg Wolski und Gerd Westermann haben nebenberuflich eine Schneckenzuchtfarm. Kindergärten, Schulklassen und Erwachsene bekommen dort Wissen vermittelt. Das Produkt selbst zählt zur Feinkost. Spezialität ist Schneckenkaviar. Von Bianca Mokwa

Viel Krach machen sie nicht. Ansonsten kann der Beobachter auch eher von genügsamen Zuchttieren sprechen, wenn er sie denn findet. Denn meistens halten sie sich eher in Bodennähe auf. Die Rede ist von Weinbergschnecken. Jörg Wolski und Gerd Westermann wollen die wieder neu im niederrheinischen Feinkostsegment etablieren.

Ungefähr acht Tonnen werden laut Wolski im Jahr in Deutschland verspeist, die Franzosen hingegen kommen auf 40.000 Tonnen. "Es hängt auch immer vom Rezept ab", ist Wolski überzeugt. Deswegen bieten er und sein Geschäftspartner die Weinbergschnecke auch in Serrano-Schinken eingewickelt an. "Dann sieht man sie nicht, es ist alles reine Kopfsache", ist Wolski überzeugt.

Besondere Beliebtheit erlebte die Schnecke, als Mönche entdeckten, dass sie in der Fastenzeit gegessen werden durfte, denn sie ist weder Fleisch noch Fisch. Noch mehr Wissenswertes erfahren Besucher bei den Führungen, die auf der Farm in Eyll angeboten werden.

Unauffällig wirkt die Zuchtanlage. "Ökologische Freilandhaltung", erklärt Wolski. Zu sehen sind saftig grüne Beete, in denen Blumen, Kräuter und andere Pflanzen wachsen und gedeihen. "Manche sagen, Thymian schmecke man heraus", sagt Wolski. Aber das ist wohl eher eine Glaubensfrage. Abwechslungsreich soll das Speiseangebot der Weinbergschnecke, der Helix Aspersa Maxima, sein. Es ist wohlgemerkt die europäische, nicht die deutsche Weinbergschnecke. 80 Prozent ihres Lebens verschlafe sie ohnehin, wissen die beiden Züchter. Deren Aufgabe ist es, für optimale Lebensbedingungen zu sorgen. Dazu gehören mindestens 15 bis 17 Grad Wärme und 80 Prozent Feuchtigkeit. Der Boden muss kalkhaltig sein, damit sie ihr Schneckenhaus bilden können. Geboren werden sie bereits mit Haus, es wächst mit der Schnecke. Ein Zaun schützt die etwa 30.000 Weinbergschnecken vor ihren nackten Artgenossen. Die Nacktschnecken würden sich bei den Bedingungen auch wohlfühlen, aber auch die Eier aufessen.

40 bis 100 Eier legt eine Schnecke. Und die sind nicht nur für die Nachzucht von Bedeutung. Wolski und Westermann wollen auch den Schneckenkaviar auf dem deutschen Delikatessenmarkt etablieren. "Erdig, moosig, nussig", beschreibt Wolski den Geschmack. "Und mit dem berühmten Plopp." Für Kinder endet die Führung nach Besichtigung des Lebensraums der "Eyller Weinbergschnecke". Für die Erwachsenen geht es in der Schlachterei weiter. Die heißt wirklich so, und wie könnte es anders sein, gibt es in Deutschland auch eine Schnecken-Schlacht-Verordnung. "Die sieht vor, dass die Schnecken im Schlaf getötet werden", erklärt Wolski. In den Schlaf gebracht werden sie mittels Kühlung. Der eigentliche Schlachtprozess besteht darin, dass der Eingeweidesack und die Rodula entfernt werden. Das ist das Gebiss einer Schnecke. Bestückt sei das mit 14.000 bis 16.000 Zähnchen, erklärt Wolski. In der Literatur finden sich teilweise noch größere Zahlenangaben der vielen kleinen Raspelwerkzeuge. Ein halbes Jahr braucht die Schnecke bis zur Schlachtreife. "Proteinreich, fettarm, viel Omega-3-Fettsäuren", nennt Wolski die ernährungsphysiologischen Vorzüge.

Allerdings konnte eine Schnecke dem Küchenruf bisher erfolgreich entkommen. "Wir haben eine besonders große, die haben wir immer weggestellt", sagt Wolski mit einem Lächeln. Die ist extra mit einem weißen Punkt gekennzeichnet. Ein Maskottchen sozusagen.

Quelle: RP
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