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Geldern
Diskussion über Gräber im Wald

Geldern: Diskussion über Gräber im Wald
Die letzte Ruhe unter Bäumen - für viele Menschen ist das eine gute Vorstellung. So argumentieren auch die Investoren: Die Bestattungskultur habe sich gewandelt, das Angebot würde den Menschen entgegenkommen. Es gibt aber auch genügend Kritiker. FOTO: Markus van Offern
Geldern. Die Pläne für eine Naturwald-Ruhestätte bei Schloss Haag lösen bei fast jedem ein Bauchgefühl aus - dafür oder dagegen. Die Politik fragt nach Finanzen, die Kirchen nach Tradition. Gestern wurde öffentlich diskutiert. Von Sina Zehrfeld

Die einen fürchten eine Naturwald-Ruhestätte bei Schloss Haag als Bedrohung für die gewachsene, verfestigte, christlich geprägte Bestattungskultur. Zudem sehen sie ihr auch noch ein finanzielles Risiko für die Stadt. Die anderen halten sie für eine Bereicherung der Bestattungskultur, die den echten Bedürfnissen der Menschen entgegenkommt, und für eine wirtschaftliche Chance für Geldern.

Bei der Diskussion am "Runden Tisch" mit den Investoren, Vertretern der Politik, der Verwaltung und der evangelischen und katholischen Gemeinde im Bürgerforum ging es gestern viel um Finanzen, Fallzahlen, Verkehrsanbindung und Sicherheitsfragen. Zum Ende hielt eine Zuhörerin aus dem Publikum - etwa 20 Bürger waren zu dem kurzfristig anberaumten Termin erschienen - ihr Gefühl dagegen: "Ich möchte in meinem Todesfall frei entscheiden", sagte sie. "Der Friedhof kommt für mich nicht infrage - ich möchte in der Natur verbleiben." Und das, sagte sie, "bedeutet für mich auch Würde und Akzeptanz meiner Person".

Hinter der Idee für die Naturwald-Ruhestätte steht die "Beyer & Bürvenich GbR". Geschäftsführer Paul Bürvenich warb mit Argumenten und Versprechen für sein Projekt: Man werde wertvolle alte Bäume erhalten, die Waldwege pflegen, für Sauberkeit und Sicherheit unterm Blätterdach sorgen. Die Naturwaldruhestätte könne Geldern Renommee einbringen und verheiße Profit für die Geschäftswelt, schon durch erwartete Besucher von außerhalb. Nicht zuletzt bringe sie Gewerbesteuern ein: "Beyer & Bürvenich" werde den Sitz in Geldern haben.

Frank Hackstein von der Stadt Geldern hielt die vorhandene Vielfalt der Bestattungsarten auf den Gelderner Friedhöfen dagegen. Vor allem plant die Stadt, ein Wäldchen für Urnenbestattungen auf dem Gelderner Friedhof anzulegen: Eine Fläche soll aufgeforstet werden. Das sei zwar eine "langfristige Entwicklung", aber auch an jungen Bäumen könnten schon Urnen beigesetzt werden, so die Verwaltung.

Bedenken seitens der Politik gab es wegen der Zugänglichkeit von Grabstätten im "richtigen" Wald: Für Menschen, die nicht gut zu Fuß sind, wäre das nicht komfortabel. Friedhöfe hingegen punkten mit optimaler Infrastruktur.

Das stimmt, pflichtete Paul Bürvenich bei. Nur würden diejenigen, die ein Grab im Wald wünschten, sich ja gerade für die Wildnis entscheiden. Wobei: Es gebe auch Bäume in Wege-Nähe.

Unverändert bleibt die Kritik der Kirchen. Die Menschen gehörten "auch im Sterben und im Tod in unsere Gemeinschaft", sagte Pfarrer Ralf Streppel von der evangelischen Gemeinde. Und nicht "irgendwo an den Rand, in den Wald". Das können aber auch Christen anders sehen, meint Bürvenich: "Der Bestattungswald ist schon angekommen im kirchlichen Leben."

Quelle: RP
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