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Geldern
Drei Kreative am Gelderner Wasserturm

Geldern: Drei Kreative am Gelderner Wasserturm
Mitten in der Arbeitsphase sind (v.l.) Sylvie Hauptvogel, Hinke Bruinsma und Marko Raffler. FOTO: Gerhard Seybert
Geldern. Hinke Bruinsma, Sylvie Hauptvogel und Marko Raffler sind die Teilnehmer des 16. Turmstipendiums. Eine Zwischenbilanz nach knapp der Hälfte der Arbeitsphase. Experimente und das Erschaffen von neuen Formen. Von Michael Klatt

Sylvie Hauptvogel pendelt. Zwischen dem Wasserturm am Bahnhof und der alten Schmiede, ein paar Schritte daneben. In dem Schuppen hat sie einen Topf auf der Kochplatte stehen. Darin siedet sie Kernseife. "Es geht um Materialforschung", sagt die Frau aus Wuppertal, eine der drei Teilnehmer des 16. Gelderner Turmstipendiums. Die Kernseife entsteht nach historischem Rezept, wie sie erklärt. Das Rindernierenfett hat sie sich vom Schlachthof geholt. Voraussichtlich stellt sie ein großes Stück Seife in einer Holzform aus, mit einem kleinen erläuternden Text dazu.

"Mich interessiert das Alltägliche, mich interessieren die Rituale", sagt die 44-Jährige. Die Kernseife, die zum Waschen auf der Haut verteilt wird, verknüpft sie mit ihrem zweiten Stipendiums-Projekt: der Unterwäsche, die man auf der Haut trägt. Auf dem Boden der zweiten Turmetage hat die Wuppertalerin bunt gemusterte Textilien ausgelegt. Ihr Aufruf nach solchen Stücken per E-Mail hat ihr reichlich Material beschert. Mit Watte stopft sie die Frottee-Wäsche später zu Modulen aus. Wie genau sie dann im Raum angeordnet werden, ist ihr noch nicht klar.

Grob im Raum verteilt hat auch Hinke Bruinsma ihre ersten Exponate. Die 68-jährige Amsterdamerin ist seit anderthalb Wochen dabei, alte Kleidungsstücke aus einem Second-Hand-Laden ihrer Heimatstadt aufzutrennen und sie dermaßen zerteilt kreisförmig auf dem Fußboden direkt unterm Turmdach auszulegen. Leichte Materialien benutzt sie. Seide, Tüll, alles weiß. "Das möchte ich als Kontrast zu dem grauen schweren Beton", erklärt sie.

Die Niederländerin hat zunächst als Autodidaktin gezeichnet, sich dann von 2009 bis 2012 künstlerisch ausbilden lassen. Von den Zeichnungen, aus denen Geschichten werden, hat sie sich abgewandt. "Jetzt arbeite ich immer mehr figurativ, abstrakt", erläutert sie. Alleine sitzt sie oben im Turm und nimmt die Brautkleider, Blusen und Panties auseinander. "Dabei kommen mir die Gedanken", sagt sie. Wann immer sie neue Stücke dem Kreis hinzufügt, ergeben sich andere Konstruktionen, neue Formen, rein intuitiv. "Es geht ums Experimentieren", betont Hinke Bruinsma. Sie ist froh darüber, in einem so großen Raum wie dem Wasserturm arbeiten zu können.

Marko Raffler aus Halle an der Saale ist der Dritte im Bunde der diesjährigen Turm-Stipendiaten. "Vier Wochen sind optimal als intensive Arbeitsphase", meint der 37-Jährige. Doch andererseits ist die Spanne für ihn relativ kurz. "Normalerweise habe ich eine Arbeit nicht in vier Wochen fertig." Die Zeit in Geldern nutzt der Hallenser denn auch, um einfach mal etwas auszuprobieren, um sich, wie er es ausdrückt, "auf formale Vorgänge zu fokussieren". Das sei auch spannend.

Für den Mann, der normalerweise zweidimensional arbeitet, kommt es im Wasserturm zu einer Premiere. Er zeigt seine erste Installation. In zwei lilafarbenen Kindergummistiefeln stecken zwei Duftbäumchen. Die Stiefel gehören Rafflers Tochter und sind eine Erinnerung an den Holland-Urlaub vor ein paar Wochen. "Meine Familie hat mich auf dem Rückweg hier abgesetzt, und die Stiefel rochen nicht sehr gut", erzählt der Künstler. So hat er das Paar als Grundlage für das Objekt erkoren, das noch ein wenig verloren in seiner Turm-Etage steht.

Zeichnungen und Malerei sind die Schwerpunkte von Rafflers Arbeit, die er mit folgenden Begriffen charakterisiert: absurd, seltsam, merkwürdig, humorvoll. Das Schmunzeln über seine Bilder will er als Handreichung an die Besucher verstehen. Mit was er die Betrachter in Geldern zum Lächeln bringen will, muss sich noch finden. Das Tagebuch jedenfalls, in dem Raffler zeichnerisch seine Ideen festhält, ist gut gefüllt.

Quelle: RP
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