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Geldern
Dunkle Wolken über den Windrädern

Geldern: Dunkle Wolken über den Windrädern
Die Fundamente der Windräder liegen bereits im Boden. Die Genossenschaft ist zuversichtlich, dass sie vor Gericht gewinnen wird. FOTO: Seybert
Geldern. Die RP-Berichterstattung über die Klage der Gelderner Stadtwerke gegen den Bau von vier Windrädern im Wasserschutzgebiet hat Staub aufgewirbelt. Befürworter des Projektes sind empört und misstrauisch. Die Stadtwerke erklären sich. Rückhalt für ihre Position kommt aus Kleve. Von Sina Zehrfeld

Mehrfach haben sich Befürworter des Windparks zwischen Hartefeld und Sevelen auf den RP-Bericht hin mit Skepsis und Vorwürfen zu Wort gemeldet. Sie stellen die Motive der Stadtwerke in Frage, halten die Sorgen für "vorgeschoben": Um den Grundwasserschutz könne es doch wohl nicht wirklich gehen. Windräder in Schutzgebieten seien normal; hinter der Klage müssten anderen Interessen stecken, vermuten sie. Eventuell wollten die Stadtwerke "Pfründe sichern" auf dem Energiemarkt.

Die Stadtwerke betonen das Gegenteil. Man sei für erneuerbare Energie, kooperiere mit Landwirten, wolle keine Konfrontation: "Es liegt uns fern, irgendjemanden zu ärgern", sagt Sprecher Roger Bruns. "Uns geht es um Rechtssicherheit."

Man müsse alles tun, um das Grundwasser zu schützen. "Wenn irgendwas passiert, kommt der große Aufschrei, und es wird gefragt: Wer hat Schuld?", so Bruns. Die Stadtwerke müssten auf der sicheren Seite sein, "wenn im Schadensfall irgendjemand kommt und sagt: Wie konntet ihr zulassen, das so was in eurem Wasserschutzgebiet gebaut wird?"

Speziell eine Vermutung weist Bruns deutlich zurück: Dass die Stadtwerke gegen die Windräder klagten, weil hochrangige Mitarbeiter in der Nähe wohnten, die die Anlagen nicht vor der Nase haben wollten. "Das ist absoluter Unfug", sagte Roger Bruns. "Das ist Polemik."

Die Stadtwerke Geldern verweisen auch auf Vorbilder. So haben sich die Stadtwerke Kleve vor etwa einem halben Jahr gegen zwei Anlagen in ihrem Wasserschutzgebiet gewehrt. Natürlich sei jeder Fall für sich zu betrachten, betont da Rolf Hoffmann, Chef der Stadtwerke Kleve. In seinem Fall wollten Investoren zwei Windräder in 100 und 150 Metern Entfernung zum Wasserwerk "Reichswald" errichten.

Der wichtigste Kritikpunkt daran war für die Stadtwerke der Eingriff ins Erdreich. Man habe am Niederrhein sehr auf die Nitrat-Werte im Wasser zu achten, und Tiefbauarbeiten für Fundamente und Leitungen könnten "Nitrat-Schübe" auslösen. Zweiter Grund für den Widerstand waren wie in Geldern die wassergefährdenden Stoffe: Öle und Schmierstoffe stellten ein "latentes Risiko" dar. An dritter Stelle sah man die Brandgefahr. Sollte ein Windrad in Flammen aufgehen, "dann hätten wir ein größeres Problem", sagt Hoffmann: "Sowohl durch den Verbrennungsvorgang als auch durch den Löschvorgang werden Stoffe freigesetzt, die wir im Grundwasser nicht brauchen können."

Letztendlich lehnte der Kreis Kleve den Bau ab. Aber dafür sei die ablehnende Stellungnahme der Stadtwerke nicht ausschlaggebend gewesen, meint Hoffmann. Hauptsächlich sei es um den Standort im Wald gegangen.

Der Kreis Kleve prüfe ohnehin scharf, betonte Werner Soika vom Vorstand der Genossenschaft "Bürgerenergie Issum", die hinter dem Windpark steht. "Wir haben da keine Sonderrolle gehabt", sagt er. Die Genossenschaft hat sich mit einem Schreiben an ihre Mitglieder gewandt. "Unser Fachanwalt und wir sind zuversichtlich, dass die Genehmigung weiterhin Bestand hat und dies auch seitens des Oberverwaltungsgerichts in Münster bestätigt wird", heißt es darin. Es gebe "umfangreiche Auflagen in Bezug auf den Gewässerschutz, die von uns sämtlich eingehalten werden. Trotz intensiver Kontrollen seitens der Stadtwerke ist es bisher nicht zu Beanstandungen gekommen".

Man erwarte, dass mindestens drei der vier im Bau befindlichen Windräder noch in diesem Jahr ans Netz gehen. Das letzte wäre im Januar so weit. Die Stadtwerke wollten sich zu ihren Chancen vor Gericht nicht äußern.

Quelle: RP
 
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