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Gelderland
E-Bikes erleben einen Image-Wandel

Gelderland: E-Bikes erleben einen Image-Wandel
Auch bei jüngeren Radfahrern werden E-Bikes immer beliebter. FOTO: Gottfried Evers
Gelderland. Vor wenigen Jahren galten Elektroräder noch als Fahrräder für ältere Herrschaften. Inzwischen hat sich dieses Bild geändert: Auch junge Leute greifen immer häufiger zu E-Bikes und Sportfans bevorzugen nun die Bergfahrt mit Motor. Von Beate Wyglenda

Längst sind E-Bikes nicht mehr nur eine Option für ältere Menschen, die durch die Motorunterstützung körperliche Leistungseinbußen ausgleichen möchten. In den vergangenen Jahren hat sich das Elektrofahrrad stark weiterentwickelt, erlebt heute eine spannende Neu-Interpretation: Als Trekking- oder Mountainbike-Varianten im lässigen Design finden E-Bikes immer mehr junge Anhänger. Gerade im Sportbereich steigen die Verkaufszahlen rasant. Für viele Berufspendler oder Familien sind E-Bikes gar eine Alternative zum Pkw.

Ein kommerzieller Erfolg sind E-Bikes schon seit Jahren: Wurden 2009 etwa 150.000 dieser Zweiräder verkauft, fuhren 2015 bereits mehr als eine halbe Million Stück aus den Geschäften.

Doch ein sexy Image hatten E-Bikes nicht. "Früher war die Kundschaft tendenziell Ü60, das Elektrorad für junge Leute nicht salonfähig", sagt Carlo Lörper vom Fahrradfachhandel Zweirad Lörper aus Goch. "Jüngere haben E-Bikes eher mit Rollatoren gleichgesetzt, geeignet für Menschen, die eben nicht mehr richtig können." Eine Haltung, die sich im Laufe der Jahre zunehmend aufgeweicht hat. Pendler setzen auf E-Bikes, um etwas für den Körper zu tun, ohne dabei völlig verschwitzt im Büro zu erscheinen. Lörper: "In der Stadt sind Distanzen bis zu sechs Kilometer mit dem Rad schneller zu meistern als mit dem Pkw." Zudem falle die Parkplatzsuche weg. Auch junge Familien, bei denen ein zweites Auto nicht drin ist, finden an den Elektrorädern Gefallen. Im Gegensatz zum Roller etwa kann man ans E-Bike einen Anhänger für Kinder anbringen.

Erstaunlich ist aber: Nun sind die Räder mit eingebauten Rückenwind selbst im Sportbereich Trend. "Aktuell sind Trekking- und Mountainbikes mit Schub der am stärksten wachsende Bereich bei den E-Bikes", sagt Lörper. Sportliche Ambitionen und motorunterstützte Bikes? Ein Widerspruch ist das für den Fachhändler nicht: "Grundsätzlich macht man mit einem E-Bike mehr Sport, weil man damit häufiger und weitere Strecken fährt", erklärt er. Anstatt also bei einer Steigung zu schieben oder bei Gegenwind wieder kehrt zu machen, wird mit dem E-Bike einfach weiter geradelt. "Gerade auf matschigen oder sandigen Untergründen triumphiert der Fahrspaß über die totale Ermüdung." Der Clou dabei, so Lörper weiter: "Der Trainingserfolg ist der gleiche." Denn auch mit einem E-Bike müsse man sich anstrengen, es sei einfach nur möglich, Spitzen durch die Unterstützung zu kompensieren. Steigungen, die früher unfahrbar erschienen, sind jetzt die Herausforderung.

Möglich macht dies die weiterentwickelte Technik. Wurde früher etwa auf Front- oder Heckmotoren gesetzt, sind Mittelmotoren heute Standard. Diese sind von der Umsetzung der physikalischen Kraft deutliche stärker, so Lörper. "Muss man mit einem Frontmotor bei der Hälfte der Klever Gruft wohl absteigen, kommt man mit dem Mittelmotor mit 25 Stundenkilometern locker hoch." Dass das Gewicht am tiefsten Schwerpunkt sitzt, mache das Fahrgefühl angenehmer. Heckmotoren hätten dagegen den Vorteil, dass sie geräuschlos fahren und die Kraftentfaltung am sanftesten sei. Heißt: Statt die Unterstützung "ruckartig" einzubringen, wird ein natürliches Fahrerlebnis gewährt.

Auch bei den Akkus hat sich einiges getan. "Heute sind die Akkus viel kleiner und viel leichter, haben dabei aber zeitgleich eine viel höhre Kapazität." Verwendet werden Lithium-Ionen-Akkus, die nach jedem Gebrauch an der Steckdose aufgeladen werden können, anstatt sie wie früher erst einmal leer fahren zu müssen. "Theoretisch sind inzwischen Reichweiten bis zu 200 Kilometern möglich", sagt Lörper. In der Praxis komme es jedoch auf die Bedingungen an, etwa das Gewicht des Fahrers, den Luftdruck der Reifen, auf Höhenlage und Wind.

Der Komfort und die Ausstattung erhöhen sich im E-Bike-Segment - hin bis zu komplett integrierten Systemen aller elektrischen Fahrrad-Elemente vom Licht bis zur Schaltung. Zeitgleich, so Lörper, sei eine zunehmende Akzeptanz für höherpreisige Räder zu sehen. "Natürlich gibt es immer noch die Schnäppchen abseits des Fachhandels für unter 1000 Euro. Gute E-Bikes allerdings beginnen bei rund 2000 Euro", sagt Lörper und rät, nicht am falschen Ende zu sparen. Der Grund: Die preiswerten Räder haben meist nur einen Bewegungssensor. Das heißt, der Motor erkennt nur, ob in die Pedale getreten wird, aber nicht, wie schnell. Schaltet der Fahrer nun die Unterstützung ein, schnellt das Rad plötzlich auf eine (zu) hohe Geschwindigkeit hoch. In der teureren Kategorie dagegen werden Kraftsensoren verwendet. Der Motor erkennt den Druck, der auf die Pedale trifft. "Fährt jemand langsam, wird nur ganz zart unterstützt, tritt jemand kräftig in die Pedalen, gibt es entsprechend mehr Schub. Das Fahrgefühl ist dadurch viel natürlicher", erklärt Lörper.

Quelle: RP
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