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Issum
Ein Bergmannleben in einem Raum

Issum. Das Issumer His-Törchen zeigt Gerätschaften und Erinnerungsstücke aus dem Bergbau. Zusammengetragen wurden die Exponate von Jürgen Paul. Am Wochenende wurde die Ausstellung eröffnet. Von Bianca Mokwa

Die Herren in ihren schwarzen Anzügen mit den goldglänzenden Knöpfen waren nicht zu übersehen. Auch Brigitte Viefers vom Arbeitskreis His-Törchen deutete in ihrer Begrüßungsrede auf den Männerüberschuss hin. Der war nicht weiter verwunderlich. Denn um Männer geht es auch in der aktuellen Ausstellung im kleinen Heimatmuseum des Altbierdorfs. Genau genommen, um Bergmänner.

Jürgen Paul hat alles zusammengetragen, was mit dem Beruf zu tun hat. Jahrelang prägte der Bergbau das Leben der Menschen und Paul kennt es aus erster Hand. 40 Jahre lang war er selbst Bergmann. Ob er ein Lieblingsstück in der Ausstellung hat? "Nee", sagt der Mann aus Bönninghardt. "Die sind mir alle wichtig, die verbinde ich alle mit einer Geschichte."

Die stellvertretende Bürgermeisterin Iris Lischewski-Schmetter eröffnete die Ausstellung. Für sie sei es als Tochter und Ehefrau eines Bergmanns eine besondere Ehre, sagte die stellvertretende Bürgermeisterin. Sie grüßte alle Anwesenden mit einem "Glück auf!", bevor sie in die Vita des Sammlers einstieg. 1939 wurde Paul in Kamp-Lintfort geboren, der Vater arbeitete bei Friedrich Heinrich in Kamp-Lintfort als Lohnbuchhalter. Der Klassiker. Bereits der Urgroßvater war "Königlicher Steiger". Paul zog es unter Tage. Er machte eine Lehre als Betriebsschlosser und arbeitete später als Fortbildungsbeauftragter. "Meine Aufgabe war es, die Belegschaft immer auf den neuesten Stand der Technik zu bringen", erklärte der Aussteller und Sammler. "Laufend kam da was Neues und manches Gerät kostete mehr als ein Einfamilienhaus."

In den Vitrinen des His-Törchens stehen jede Menge Alltagsgeräte. Grubenlampen aus verschiedenen Ländern und Jahrhunderten sind ausgestellt, aber auch Messgeräte und Bohrhämmer. Schlucken muss der Betrachter beim Anblick eines glänzenden Stücks Kohle, das ebenfalls in einer Vitrine liegt. "Letzte Kohle Bergwerk West, 24. Mai 2013" steht daran. Auch den Arbeitsplatz von Paul, die Zeche Friedrich Heinrich, gibt es nicht mehr. Vielleicht war es deswegen so ein Gänsehautmoment, als die Männer in ihren schwarzen Anzügen mit den goldglänzenden Knöpfen, dem Bergmannkittel, ein Lied anstimmten. "Glück auf, Glück auf, der Steiger kommt", klang es aus rauen Männerkehlen. "Da wird keiner mehr nachkommen", sagte Paul mit Blick auf seine Kumpel. "Was wir zu bieten haben, ist: Tradition."

Quelle: RP
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