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Geldern
Ein bisschen Rockpalast im Wohnzimmer

Geldern: Ein bisschen Rockpalast im Wohnzimmer
Der Ritterschlag für die Veranstalter: Rockpalast-Legende Peter Rüchel (links) kam und nahm auf dem Sofa Platz - wenigstens auf dessen Lehne. FOTO: Rainer Leigraf
Geldern. Rainer Leigraf und sein Team laden zum Stelldichein mit den Jazzern Ali Haurand und Gerd Dudek. Auch Rockpalast-Legende Peter Rüchel schaut vorbei. Der ehemalige WDR-Redakteur brachte einst die Rockmusik ins Fernsehen. Von Bianca Mokwa

Das Gebäude trotzt all den Neubauten, die im Nierspark wie Pilze aus dem Boden geschossen sind. Die Tür ist ein bisschen versteckt, die Hausnummer 16 muss der Besucher, der zum ersten Mal kommt, suchen. Aber dann: abtauchen in eine andere Welt, die der Musik. "Wohnzimmerkonzert" heißt die Reihe, die Rainer Leigraf mit seinem Team ins Leben gerufen hat.

Das war der Wunsch "unserer Leute", sagt er. Er und Susanne Aust-Schaffrath sind seit vielen Jahren im Betreuten Wohnen unterwegs. Dabei geht es um Menschen mit geistiger Behinderung, psychischer Erkrankung oder Abhängigkeiten. Aber das spielt bei den Konzerten keine Rolle. "Man taucht einfach ab, verbringt eine schöne Zeit miteinander. Punkt. Aus. Das Ende des Schubladendenkens", sagt Leigraf.

Einer der ab und an auftaucht in Geldern, in der ehemaligen Kneipe am Nierspark 16, ist Peter Rüchel. Für die Jüngeren: Das ist das Gesicht vom WDR-Rockpalast, der einst die Rockmusik in die deutschen Wohnzimmer gespült hat. Thin Lizzy, Meat Loaf, Joe Cocker, Rory Gallagher - Rüchel hatte sie alle.

Leigraf war als Fotograf dabei. Es gibt einen Foto- und Erzählband über die Zeit. "Ali Haurand und Peter Rüchel waren immer Ziehväter", beschreibt Leigraf seine Beziehung. Ali, der große Jazzer ist am 2. Oktober dabei, gemeinsam mit Gerd Dudek, dem deutschen Jazz-Saxophonisten und Flötisten.

Eine der ersten, die beim Wohnzimmerkonzert antraten, waren King Garage aus Geldern. "Olli kam rein und sagte: ,Das passt'", erinnert sich Leigraf. "Und Olli hatte Recht, alles war gut."

Aber der erste Besuch von Peter Rüchel, das sei der Ritterschlag gewesen. Kira Hummen aus Geldern ist schon aufgetreten, zuletzt Janda aus Köln und einmal gab es Reggae von Papa Julius & Zion Lexus. Festgefahren gibt es nicht, weder beim Publikum, noch bei der Musikrichtung. Um 19 Uhr trudeln für gewöhnlich die ersten der 40 bis 50 Zuhörer ein. "In Freizeitkleidung, ohne viel Tütü", sagt Susanne Aust-Schaffrath. Es gibt etwas zu essen. Wer mag, kann sich zwischendurch in die Küche zurückziehen. Um 23 Uhr ist Ruhe, aber nicht so richtig. Oft wird bis ein Uhr geklönt. Was alle eint, die Gäste mit oder ohne Handicap, ist die Freude an Musik und die Lust auf einen schönen Abend. Willi ist einer der Stammgäste. "Die Instrumente kommen gut zur Geltung", sagt er. Leigraf spricht immer wieder von einem "Sich einlassen". "Dem eigenen Ton zu folgen, darum geht es in der ganzen Geschichte." Und das gelte nicht nur für die Musik, sondern für das gesamte Leben.

Das nächste Wohnzimmerkonzert findet am Sonntag, 2. Oktober, statt. Einlass ist ab 19 Uhr. Der Eintritt beträgt zehn Euro.

Quelle: RP
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