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Geldern
Ein Christusfest statt Konfessionen-Zoff

Geldern: Ein Christusfest statt Konfessionen-Zoff
Der katholische Pfarrer Arndt Thielen und die evangelische Pfarrerin Sabine Heimann planen ein gemeinsames Christusfest in Geldern anlässlich des Lutherjahres. FOTO: bimo
Geldern. In Geldern wird am Sonntag, 24. September, ein gemeinsamer Gottesdienst gefeiert. Anlässlich des Reformationsjubiläums soll an die Gemeinsamkeiten erinnert werden und nicht an die Unterschiede. Von Bianca Mokwa

Die evangelische Pfarrerin Sabine Heimann steht in Pastors Garten und schüttelt dem katholischen Pfarrer Arndt Thielen die Hand. Das wäre so vor vielen Jahren sicher nicht möglich gewesen. Evangelisch oder katholisch, das war gerade auf dem Land die entscheidende Frage, ob man miteinander spielen oder etwa dieselbe Schule besuchen durfte.

Die Zerrüttung, wenn man es so bezeichnen mag, kam mit Martin Luther und den anderen Reformern, die einiges an der katholischen Lehre im Abgleich mit der Bibel nicht richtig fanden. Luther vertrat die Ansicht, allein durch Gnade, durch Jesus Christus, Gottes Sohn, kommt die Rettung, während die katholische Kirche Ablassbriefe verkaufte. Damit konnten sich Menschen von ihren Sünden loskaufen. Das gipfelte am 31. Oktober 1517 in den Anschlag der 95 Thesen an die Schlosskirche in Wittenberg. Dort erklärte Luther sehr eindeutig, wie er und die anderen Reformer das mit dem christlichen Glauben verstehen.

"Menschenlehre verkünden die, die sagen, dass die Seele (aus dem Fegefeuer) emporfliege, sobald das Geld im Kasten klingt", lautet etwa die 27. These. "Jeder Christ, der wirklich bereut, hat Anspruch auf völligen Erlass von Strafe und Schuld, auch ohne Ablassbrief", macht Luther in These Nummer 36 deutlich und wird recht drastisch: "Wenn der Papst die Erpressungsmethoden der Ablassprediger wüsste, sähe er lieber die Peterskirche in Asche versinken, als dass sie mit Haut, Fleisch und Knochen seiner Schafe erbaut würde." So steht es in These 50.

Das ist 500 Jahre her. "Die Rechtfertigungslehre spielt heute keine Rolle mehr", sagt Arndt Thielen. "Wir wissen ganz genau, was uns eint", ergänzt Sabine Heimann. Deswegen wird am Sonntag, 24. September, ein Christusfest gefeiert. Der Gottesdienst steht unter dem Motto "In Christus eins". Gemeinsame Gottesdienste von katholischen und evangelischen Gläubigen haben in Geldern eine lange Tradition, sagen die beiden Geistlichen. "Es gibt in jeder Ortschaft einmal im Jahr einen Termin, an dem gemeinsam Gottesdienst gefeiert wird", sagt Thielen. Hinzu kommen die gemeinsamen Schulgottesdienste und Abi-Entlassgottesdienste.

Nur ein gemeinsames Abendmahl gibt es noch nicht. Da ist das Verständnis noch sehr unterschiedlich. "Als sichtbares Zeichen", verstehen es die Evangelischen, sagt Sabine Heimann, während die Katholischen das Wandlungsverständnis haben. "Die Hostie verwandelt sich dauerhaft in den Leib Christi", erklärt Thielen.

Beim Gottesdienst am 24. September stehen die Gemeinsamkeiten im Vordergrund. Es wird ein Festgottesdienst sein mit Bläserkreis und anderen musikalischen Elementen. Beginn ist um 11 Uhr in der Heilig-Geist-Kirche. In der Kirche St. Maria Magdalena findet deswegen um 11.30 Uhr kein Gottesdienst statt. Anschließend wird in das katholische Pfarrheim zum Mittagessen eingeladen. Pfarrer Thielen stellt sich das bildlich vor. "An jeder Ecke des Gelderner Marktes sind die Kirchturmspitzen zu sehen, und dazwischen bewegen sich die Menschen hin und her." Sabine Heimann setzt auf die Begegnungen, die sich dort ganz zwanglos ergeben. Außerdem sei das Christusfest vielleicht für manchen eine willkommene Abwechslung, denn der 24. September ist auch der Tag der Bundestagswahl.

"Das Wichtigste ist, dass die Leute miteinander Zeit verbringen", lautet der Wunsch der evangelischen Pfarrerin. Es gehe darum, sich gemeinsam in der Stadt wahrzunehmen, egal ob katholisch oder evangelisch. "Dann stellt man fest, dass es viele Berührungspunkte gibt", lautet die Hoffnung der Pfarrerin. Und dann gebe es in Zukunft auch ein freudiges "Hallo". Die Konfession ist Nebensache oder zumindest kein Grund, nicht miteinander zu reden.

Quelle: RP
 
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