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Geldern
Ein Forum zur Zukunft des Agrarsektors

Geldern. Kreis-Wirtschaftsförderung und Landwirtschaftskammer laden ein zu Fachgesprächen über die Sorgen der Landwirtschaft. Zehn Tage später findet im Wunderland Kalkar passend dazu die Messe "GreenLive" statt. Von Anja Settnik

Etwa fünf Prozent der Erwerbstätigen im Kreis Kleve arbeiten in der Landwirtschaft. Das ist nicht allzu viel, aber ihre Tätigkeit prägt die Kulturlandschaft Niederrhein bis heute ganz erheblich. Und das, was Landwirte produzieren, berührt jeden Verbraucher unmittelbar - von den Höfen der Region stammen Kartoffeln, Milch, Fleisch und viele andere Produkte, die an jedem Tag auf den Tisch kommen. Die Preise allerdings, die die Bauern für ihre Waren bekommen, sind im Keller, insbesondere Milch und Schweinefleisch werden bei den Discountern nahezu verramscht. Wie geht es der Landwirtschaft, und wie sieht die Branche ihre Zukunft? Dazu veranstalten Kreis-Wirtschaftsförderung und Landwirtschaftskammer im Wunderland Kalkar ein "Agrar-Forum". Am Mittwoch, 25. November, sollen rund 300 Gäste über die Frage debattieren, "ob der Motor stottert".

Dr. Franz-Josef Stork, Leiter von Haus Riswick, Versuchs- und Bildungszentrum der NRW-Landwirtschaftskammer, nennt als Grundproblem der Landwirtschaft im Kreis die "Preis-Misere". In diesem Jahr hätten die Bauern zehn Cent weniger pro Liter bekommen als früher, was sich insgesamt auf 50 Millionen Euro weniger Einnahmen summiert. Die Rechnung: 1000 Euro weniger Geld pro Jahr und Kuh, 56 000 Kühe gibt es im Kreis, die geben jeweils 9000 Liter Milch pro Jahr, also 500 Millionen Liter. Jeweils zehn Cent weniger macht 50 Millionen Euro aus, die für Investitionen und sonstige Ausgaben fehlen. Das spüren auch die nachgelagerten Branchen wie die Kredit- und Versicherungswirtschaft, Lohnunternehmen, Landmaschinentechnik und Baugewerbe. Tierärzte warten häufig lange auf die Begleichung ihrer Rechnungen - weil viele Bauern nicht mehr liquide sind. Gerhard Hartl, Beratungsleiter in Haus Riswick, weiß, dass auf den Familien erheblicher Druck lastet. Und zwar nicht nur bei den kleinen Betrieben mit vielleicht nicht optimaler Betriebskostensituation, sondern durchaus auch bei den "Großen", von denen viele in den vergangenen Jahren in neue Ställe und Technik investiert haben. Und die Kredite müssen bedient werden. Wo das nicht klappt, sind teure Zwischenfinanzierungen nötig.

Stork ist dennoch optimistisch, dass der Großteil der Höfe die schwierige Phase überstehen wird - wenn die Rahmenbedingungen nicht noch schlechter werden, als sie es bisher schon sind. Immer neue Tierschutz-Auflagen bereiten vielen Berufskollegen Sorgen: das Vorhaben etwa, das Kopieren der Ferkelschwänze zu verbieten. Das bedingt eine andere Art der Haltung - neue Gebäude müssten her. Die kosten viel Geld, ebenso wie Abluft-Reinigungsanlagen, die die Geruchsimmission einschränken sollen.

"Wir müssen international wettbewerbsfähig bleiben", weiß Stork. Denn Druckmittel hätten die Bauern kaum: Der Handel diktiere die Preise, wiederum zum Billigsein "gezwungen" von den Verbrauchern, die gerne nach der billigsten Milchtüte griffen. Würden sich die Bauern verweigern, ihre Milch für 32 Cent pro Liter abzugeben, könnten andere Länder sicher liefern. Das ist keine Option. Dennoch hoffen die Landwirte am Niederrhein, dass sie bald wieder 40 oder besser 45 Cent bekommen - erst dann könnten sie aufatmen.

Die Veranstaltung am 25. November wird Steffi Neu vom WDR moderieren, sie ist, weil auf einem Keppelner Hof aufgewachsen, Fachfrau. Kreislandwirt Josef Peters wird ebenso sprechen wie Kammer-Direktor Dr. Martin Berges. Die Chefetage von Haus Riswick, Schweinhalter Heinz Lax aus Geldern, Christian Scheers als Milchviehhalter aus Emmerich, Hubert Lemken von der Voba, Hugo Thesing aus Rees und Lohnunternehmer Erwin Schlütter werden sich einbringen.

Hans-Josef Kuypers als Kreis-Wirtschaftsförderer hofft, dass auch zur Fachmesse "GreenLive" vom 7.-9. November sehr viele Menschen kommen werden. Projektleiter Georg Remy rechnet mit mehr als 20 000 Besuchern.

Quelle: RP
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