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Geldern
Ein gläserner "Würfel 8" in Kalkar

Geldern: Ein gläserner "Würfel 8" in Kalkar
Marina Herrmann im Kalkarer Museum, das auch neue Arbeiten der Kölnerin zeigt, wie den "Würfel 8" (oben). FOTO: Evers, Gottfried (eve)
Geldern. Das Kalkarer Museum präsentiert eine Auswahl von Arbeiten der Kölner Künstlerin Marina Herrmann, darunter auch neue Bilder. Die Ausstellung ist im mittelalterlichen Stufengiebelhaus aufgebaut. Sie dauert bis zum 6. März. Von Matthias Grass

Unten links die Struktur einer spiegelnden Glasfassade, darüber, rechts versetzt, die Fassade eines riesigen Wohnblocks in Sao Paulo, die den Bildteil flächig füllt. Gerahmt werden die beiden geradezu abstrakten Fotos von Häusern moderner Architektur von vier weiteren Flächen, darunter einem gemaserten Stück Holz und drei malerischen Bildern, die wieder die Architekturfassaden aufgreifen und malerisch umsetzen. Rechts oben eine bunte, wie lasierte Reihung von quadratischen Punkten, links farbige Rechtecke auf lila Grund.

FOTO: Evers, Gottfried (eve)

Die sechs Platten ergeben ein zwei mal 1,2 Meter großes Bild, das eine der Wände im Kalkarer Museum füllt. "Sao Paulo" titelt das Werk der Kölner Künstlerin Marina Herrmann, die hier Fotografie, Malerei und Objektkunst in einem Werk verbindet. Gemeinsam ist allen die gleiche, glatte Oberfläche des Firnis. Herrmann komponiert diese großen Werke. Dann fügen sich beispielsweise schlichte Holzmaserung, Fotografien und Malerei zu einem großen, spannenden Ganzen. "Allein durch die Verbindung aller Teile fügt sich das Bild", lobt Dr. Frank Schmidt, Kunsthistoriker, im Katalog StandOrte (den es auch in Kalkar gibt), die Komposition.

"Sao Paulo" gehört zu einer Auswahl von Arbeiten aus dem Jahr 2009, die nach einer Reise der Kölnerin durch die Metropolen der Welt, unter anderem New York, Sao Paulo und Shanghai, entstanden. Das Kalkarer Museum präsentiert sie zusammen mit neuen Werken in seiner Ausstellung "Marina Herrmann. Ausschau" bis zum 6. März.

Marina Herrmann, 1969 in Köln geboren, ist eigentlich "gelernte" Malerin. Sie studierte in München bei Jerry Zeniuk Malerei und verbindet jetzt die Farbmalerei kongenial mit der Fotografie. "Ich kann als Fotografin die Eindrücke direkt und unmittelbar festhalten, sie mitnehmen und dann später verarbeiten", sagt sie. Aufgezogen werden ihre Bilder - Fotos wie Malerei - in der Regel auf etwa zehn Zentimeter tiefe Kästen, die das Bild zum Objekt machen. Die Kästen werden nach Maß vom Schreiner gefertigt.

Ihre Fotos sind malerisch, durch die Ausschnitte oft abstrahiert. So wie die "Seestücke" im Obergeschoss des Kalkarer Museums, wo Herrmann die neuen Arbeiten eingerichtet hat. Was zunächst wie abstrakte malerische Flächen anmutet, ist Fotografie: da flimmert auf schmalen horizontalen Streifen das Wattenmeer, zieht die Brandung weiß-schaumige Linien ins Bild.

In der Düsseldorfer Kunstakademie fotografierte die 46-Jährige als Blick aus dem Fenster die Krickeleien von Studenten. Ein Ausschnitt dieser "Scheiben" ziert die Einladung der Kalkarer Ausstellung. Das Foto wird wie ein Schemen von hinten einfarbig auf eine Glasscheibe gedruckt, auf der Vorderseite zieht die Künstlerion Farbflächen über das Bild.

Wobei sich das Motiv als Schatten auf der Wand doppelt, weil die Scheiben im Abstand zum Mauerwerk gehängt sind. In Kalkar stört allerdings die unverputzte und nur gestrichene Wand, die Fugen und Steine erkennen lässt, den Schattenwurf.

Schön irritieren ihre irrlichternden Objektkästen. Ihre Fotos von Robert Indianas poppigen Zahlen vor spiegelnder Fassade hat sie auf quadratische Glasflächen gesetzt. Teils sind sie durchsichtig, teils spiegeln die zum Würfel gefügten Flächen. Man kann, je nach Blickwinkel, in den Würfel hinein oder durch ihn durchschauen oder spiegelt sich.

Museum Kalkar: "Marina Herrmann" Öffnungszeiten montags und dienstags von 11 bis 13 Uhr, mittwoch bis sonntags von 11 bis 17 Uhr.

Quelle: RP
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