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Gelderns Bürgermeister Sven Kaiser
Ein Plus an Vertrauen und Gewicht

Gelderns Bürgermeister Sven Kaiser: Ein Plus an Vertrauen und Gewicht
FOTO: Seybert Gerhard
Geldern. Ein Jahr im Amt. Seine Sicht auf Personalentscheidungen, persönlichen Erfolg und die Zusammenarbeit mit der Politik.

Bei Ihrer Vereidigung haben Sie gesagt, Sie wollten diejenigen, deren Stimmen Sie nicht erhalten haben, durch Ihre Arbeit überzeugen. Auch Kritiker, Skeptiker, Gegner. Glauben Sie, das haben Sie geschafft - bis jetzt?

Sven Kaiser Man bekommt nur wenig direktes Feedback. Aber ich habe einen Eindruck aus Gesprächen mit Bürgerinnen und Bürgern, und da ist die Resonanz: ,Der macht's ganz gut.' Meine Erfahrung aus dem politischen Raum ist, dass wir eine gute Zusammenarbeit haben. Es gab sicherlich Themen, wo es etwas kritischer war und hoch her ging, bei denen es auch mal hieß: Das ist ein Trick vom Bürgermeister. Aber im Nachgang hat man sich wieder normal unterhalten. Das gehört einfach zum Geschäft dazu.

Geht mit Schwung und Tatendrang in die Zukunft. FOTO: Seybert Gerhard

Sie wollten mit Offenheit punkten, Bürgeranregungen mehr Gewicht in der Politik verleihen. Klappt das?

Kaiser Mit der Bürgersprechstunde habe ich einen Kanal eröffnet, den jeder nutzen kann, mit persönlichen Anliegen oder auch mit Dingen, von denen er meint, die Stadt könnte sich stärker engagieren. Es gab schon mal Ärger mit Knöllchen, den man klären konnte, oder Unterstützung bei der Suche nach einem Kindergartenplatz. Auch meine Unternehmensbesuche sind gefragter, als ich das gedacht hätte. Ich war gerade erst bei einer Firma in Walbeck, die möchte Kontakt zu Schulleitungen haben. Da ist es schon hilfreich, wenn die Verwaltung die Verbindung herstellen kann.

Im Rathaus haben Sie ziemlich umgebaut. Ganz neues Konzept für Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing, neuer Kämmerer, neue Flüchtlingskoordinatorin. Wo lagen da überall die Probleme, und welche Ziele verfolgen Sie?

Kaiser Herrn Schneider haben Sie vergessen. Der ist für das Integrierte Handlungskonzept zuständig, und das ist zum Beispiel eine ganz wichtige Änderung. Dadurch, dass sich damit jetzt gezielt jemand befasst, treten Dinge zutage - zum Beispiel, dass hohe Mehrkosten zu erwarten sind. Mir ist es sehr viel lieber, dass uns das jetzt auffällt, so lange wir noch keinen Spatenstich getan haben, und nicht später. Was die Kämmerei betrifft: Ich sehe es so, dass ein Kämmerer zu 100 Prozent die Finanzen machen soll und nicht, wie früher bei Frau Paassen-Hoenzelaers, die neben der Kämmerei noch viele ebenso wichtige Aufgaben in den Bereichen Hochbau sowie Arbeit und Soziales zu erledigen hatte. Also war mein Vorschlag, dass Herr Knorrek, der schon das Amt für Finanzen leitete, die Kämmerei vollständig übernimmt. Ich habe auch deshalb Kapazitäten bei Frau Paassen-Hoenzelaers freigeschaufelt, damit sie bei der Stadt Geldern ein Gebäudemanagement aufbauen kann. Da müssen wir uns besser aufstellen. Als Flüchtlingskoordinatorin brauchen wir jemanden der sich dem Thema in Vollzeit widmet, nicht in Teilzeit.

Teilweise sind ja auch Mitarbeiter freiwillig gegangen.

Kaiser Sowohl unsere ehemalige Wirtschaftsförderin Ute Stehlmann als auch der ehemalige Leiter des Amtes für Stadtmarketing Gerd Lange haben uns ja verlassen, so dass Neubesetzungen erforderlich waren. Mit Tim van Hees-Clanzett habe ich für die Wirtschaftsförderung einen Mitarbeiter gefunden, der Erfahrung und die Kontakte zu den Gewerbebetrieben hat. Mit Rainer Niersmann übernimmt der bisherige Stellvertreter den Bereich Stadtmarketing und Kultur.

Sie haben in Ihrem Wahlkampf so manches versprochen. Zum Beispiel einen Plan für die künftige Nutzung der Kapuzinerkirche. Das wird nie was, oder?

Kaiser Doch! Das Konzept ist eigentlich besprochen. Eine Veranstaltungsstätte, die für Ausstellungen und Konzerte genutzt werden soll. Es geht jetzt nur darum, dass der Eigentümer das umsetzen muss. Die Themen Lärmschutz und Parkplätze, da sind wir aktuell noch dran. Die Gespräche laufen. Und der Eigentümer sagt selbst, er will es realisieren, und das auch nicht erst in fünf, sechs, acht Jahren.

Freies W-Lan in der ganzen Innenstadt zwischen den Wällen?

Kaiser Da habe ich wirklich gedacht, dass das doch nicht so schwer sein kann. Ich denke, dass es endgültig bis zum Ende des Jahres steht - dann wird der gesamte Marktplatz versorgt werden und der Bereich Bahnhof. Die Aufträge dazu sind erteilt. Die Stadtwerke und der Werbering unterstützen uns dabei.

Bürgerbeteiligung bei der Haushaltsplanung: Dürfen die Gelderner richtig mitreden dieses Jahr?

Kaiser Wenn der Haushalt in die Politik eingebracht ist, wollen wir einen öffentlichen Workshop machen, in dem wir noch mal die Eckpunkte darstellen und Schwerpunkte abfordern von den Bürgern. Dann kann das Ergebnis in die Haushaltsberatungen einfließen.

Lärmschutzkonzept für die Stadtkerntangente am Seehotel vorbei...

Kaiser Das wird in Kürze dem Ausschuss vorgestellt und dann, so hoffe ich, beschlossen werden.

Was sind Ihre größten Erfolge?

Kaiser Das große Leuchtturmprojekt, das ich dieses Jahr kreiert hätte, kann ich nicht nennen. Aber ich sehe es als Erfolg an, dass die Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und Politik sich deutlich entspannt hat. Ich glaube, dass eine gewisse Vertrauensbasis wieder da ist, und dass den Aussagen der Verwaltung in der Politik mehr geglaubt wird. Dass nicht immer vermutet wird, dass die Verwaltung Dinge auf bestimmte Art darstellt, um die Entscheidung in eine Richtung zu lenken.

Und wo sind Sie so richtig hart aufgeschlagen auf dem Boden der politischen Realität?

Kaiser Das Thema "verlässliche Betreuung in Grundschulen bis 14 Uhr" - da hätte ich nicht erwartet, dass das so einen massiven Widerstand gibt. Da habe ich teilweise gedacht, dass das ein rein parteipolitisches Problem ist.

Wie geht's der Familie mit Ihrem Job?

Kaiser Mein Sohn sagt, früher hatte ich mehr Zeit. Aber es hat sich eingespielt. Man nutzt die Zeit, die man tatsächlich frei hat, jetzt nicht mehr fürs Aufräumen, sondern unternimmt was. Was mir negativ aufgefallen ist: Ein Jahr Bürgermeister - vier Kilo mehr. Ich weiß nicht, woran's liegt.

Wenn alles so weitergeht wie in den vergangenen zwölf Monaten - werden Sie dann 2020 wieder gewählt?

Kaiser Ich glaube, dass es klappen wird. Das ist auch mein eigener Ansporn. Vielleicht auch, dass ich das Ergebnis noch verbessern kann. Da kriegst du dann direkt mitgeteilt von den Wählern, ob sie zufrieden sind oder nicht.

DAS GESPRÄCH FÜHRTE SINA ZEHRFELD.

Quelle: RP
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