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Geldern
Einblicke in das Leben auf dem Schloss

Geldern: Einblicke in das Leben auf dem Schloss
Geldern. Der aktuelle Band der Schriftenreihe Weezer Archiv beschäftigt sich mit der Familie von Loë. Das Buch ist biographisch gehalten und bringt dem Leser die Geschichte von der napoleonischen Zeit bis zum Ersten Weltkrieg näher. Von Sebastian Latzel

Geschichte wird spannend, wenn sie mit Personen verbunden ist. Wenn es keine trockene Auflistung von Zahlen und Daten gibt, sondern persönliche Lebensgeschichten einen Einblick in andere Zeiten gewähren. Quasi ein Fenster öffnen, um einen Blick zurück mitten ins Leben zu werfen. Eben das ist mit dem neuen Buch "Die Freiherren und Grafen von Loë auf Schloss Wissen" möglich. Denn wie der Titel schon andeutet, stehen die Biographien verschiedener Persönlichkeiten aus der Familie von Loë im Blickpunkt.

Einen Einblick ins "pralle Leben" der napoleonischen Zeit geben beispielsweise die Briefe von Alexandrine von Loë (Bild rechts), die die Geschäfte auf Schloss Wissen führte, während ihr Mann Edmund (Bild oben) in Paris zu tun hatte. "Sie hat hier auf Schloss Wissen eine Schafzucht aufgebaut, und in den Briefen ist genau nachzulesen, welchen Einsatz es erforderte, dass die Schafe auch genug Wolle bekamen", berichtet Dr. Hans-Werner Langbrandtner vom LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrum, der das Buchprojekt konzipierte.

Alexandrine machte sich seinerzeit offenbar auch Sorgen um ihren Sohn, denn sie ermahnte ihn, er sollte nicht so lange schlafen. Die Verwaltung der Güter lag in den Händen der energischen Frau. Sie ist treusorgende Mutter, leitet die Neuordnung der Güter, lässt die zerstörten Waldstücke wieder aufforsten und das Heidefeld nach eigenen Entwürfen neu bepflanzen, heißt es in der Chronik. Alexandrine war mit der Wirtschaft auf dem Schloss bis in die letzte Kleinigkeit vertraut und erfand sogar eine eigene Essigpresse. Gleichzeitig verraten die Aufzeichnungen aber auch, dass sie schmollte, weil ihr Mann sie nicht zur Hochzeit des Königs von Westfalen mitgenommen hatte.

"Uns war es wichtig, dass die Beiträge biographisch angelegt, aber in das jeweilige Zeitgeschehen eingebettet sind", so Dr. Langbrandtner. So sei das Buch auch eine hervorragende Quelle für Rechts-, Sozial- und politische Geschichte. Die Experten bedienten sich aus dem Schatz von mehr als 3500 Urkunden des Archivs von Schloss Wissen. "Es ist ein Riesenglück, dass die Dokumente über all die Jahre erhalten geblieben sind", meinte Hausherr Raphaël Freiherr von Loë. Im Kohlenkeller überstanden die Papiere auch den Zweiten Weltkrieg.

Im Archiv befindet sich auch das älteste Dokument, das aus dem Jahr 1235 stammt. Darin überträgt der Erzbischof von Köln dem Gerhard von Sinzig wegen der vielen Dienste, die er für die Kirche geleistet hat, ein Lehen von sechs Mark jährlich. Ein Dokument aus der Zeit weit vor dem Datum, als die Familie von Loë Schloss Wissen übernahm. Das passierte am 6. April 1461. Diese Urkunde befindet sich ebenfalls im Archiv des Schlosses und ist ein zentrales Dokument für die Familiengeschichte wie für Weeze.

Ohnehin betonte Bürgermeister Ulrich Francken die Bedeutung des Schlosses für die Weezer Historie. Das war auch mit der Grund, den sechsten Band der Schriftenreihe Weezer Archiv ganz dem Schloss Wissen und der Familie von Loë zu widmen. "Die Familie von Loë fühlt sich seit Generationen nicht nur der eigenen Familienbande verbunden", so Francken. Vielmehr übernehme die Familie Verantwortung im öffentlichen Leben, in Kirche und Gesellschaft. "Die eigenen Interessen wurden immer im Sinne einer gedeihlichen Entwicklung der Kommune, der Region und der Gesellschaft abgewogen."

Das wird auch in den Biographien in dem neuen Buch deutlich. Vor allem ist dort nachzulesen, wie wichtig es der Familie war, vehement die Sache der katholischen Kirche zu unterstützen. Die biographischen Beiträge im Buch werden ergänzt um zwei Darstellungen der Entwicklung des Schlosses und des Parks. Das Buch ist ab sofort für 15 Euro bei der Stadt Weeze erhältlich.

Raphaël Freiherr von Loë verspricht: "Auch für Insider gibt es viel Spannendes zu entdecken. Große Teile des Buches kenne ich selbst noch nicht und freue mich jetzt auf die Ferienlektüre."

Quelle: RP
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