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Geldern
Eine Frau sucht Freundschaft

Geldern. Hamburger Kammerspiel gastiert in Gelderns Lise-Meitner-Aula. Von Christoph Kellerbach

Was ist Freundschaft in ihrer elementarsten Form? Diese Frage versucht Autorin und Schauspielerin Gilla Cremer zu beantworten. Mit ihrem Theaterstück "#Freundschaft" der Hamburger Kammerspiele war sie in der Aula des Lise-Meitner-Gymnasiums, und die Bühne gehörte ganz ihr. Sie war als Ruth die alleinige Erzählerin, der Fixpunkt des Werkes. Einzig "Knuth, ein Freund der Musik", dargestellt von Gerd Bellmann, war noch dabei. Doch vor allem kümmerte er sich, abgesehen von vereinzelten Zwischenbemerkungen, um die musikalischen Auflockerungen.

Bei der von Dominik Günther inszenierten Arbeit "#Freundschaft" ließ Gilla Cremer ein ganzes Leben Revue passieren. Ob nun als Kind, Jugendliche oder Erwachsene, alles drehte sich um die universelle Frage: Was ist ein Freund? Neben Zitaten von bekannten Denkern waren es aber vor allem ihre ganz eigenen, persönlich vorgetragenen Geschichten, die sich mit der Antwort beschäftigten. Passend zum Titel, denn wie bei einem Hashtag ging es hier um den Sammelbegriff des Wortes: Was macht die vielen Facetten der Freundschaft aus?

"Die ganze Darbietung von ihr war einfach richtig toll, es fühlte sich so, ja, echt an", meinte Besucher Georg Piron fasziniert. Seine Frau Marita fügte hinzu, "dass das alles die Erfahrung mit Bekannten, mit Freunden, richtig gut beschrieben hat. Erst recht die weibliche Erfahrung". Einem Mosaik gleich setzten sich den Abend über die verschiedenen Aspekte zusammen, so dass man als Zuschauer am Ende das Gefühl bekam, diesen vielsagenden Begriff der "Freundschaft" nicht nur besser verstanden, sondern regelrecht gespürt zu haben.

Es gab kein traditionelles Bühnenbild, sondern Gilla Cremer hantierte mit verschiedenen Gegenständen, wie einem Seil, das sie mal um sich band, um eine Situation zu unterstreichen, und dann wieder als Platzhalter für einen anderen Gegenstand benutzte. Am pointiertesten war jedoch ihre Benutzung von Klappleitern. Mit diesen entwarf sie nicht nur verschiedene Szenerien und ganze Landschaften auf der Bühne, sondern sie selbst waren symbolhaft für das gesamte Thema. Denn bestehen nicht Klappleitern immer aus zwei Teilen? Ewig verbunden und sich stützend, selbst wenn die Hälften sich voneinander entfernen, nur um am Ende dann doch unweigerlich wieder zusammenzukommen? Eben ganz so, wie richtige Freunde?

"Anfangs dachte ich noch: Was soll das denn?", verriet Miriam Lessmann. "Aber das Ganze hat mich schnell gepackt und nicht mehr losgelassen. Es hat mich an so viele Sachen aus meinem eigenen Leben erinnert. Das Stück war zwar nicht das, was ich erwartet hatte, aber definitiv mal eine gelungene Abwechslung."

Quelle: RP
 
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