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Realschule in Geldern
Eine halbe Schulklasse bleibt sitzen

Realschule in Geldern: Eine halbe Schulklasse bleibt sitzen
Die Realschule an der Fleuth ist bei Familien beliebt. Es werden aber auch viele Kinder angemeldet, die es dort nicht schaffen; auch gegen den Rat der Lehrer. FOTO: Seybert
Geldern. An einer Realschule in Geldern werden 14 Sechstklässler nicht in die siebte Klasse versetzt. Das ist die halbe Schulklasse. Diese Entscheidung mag hart erscheinen, doch die Schule hat eine Begründung dafür. Von Sina Zehrfeld

Die Größenordnung erschreckt: 14 Kinder der Realschule an der Fleuth in Geldern werden nicht von der sechsten in die siebte Klasse versetzt - rechnerisch ist das eine halbe Klasse. Für die meisten von ihnen habe man "den Rat ausgesprochen, die Schule zu verlassen", erklärt der Schulleiter Wilfried Schönherr.

Nur ein einziges Kind wird das aber tatsächlich tun, weil es die Klasse schon zum zweiten Mal nicht bewältigt. Die übrigen 13 werden nach den Ferien auf die neuen sechsten Klassen verteilt. Man werde zwar versuchen, sie durch Förderung fitzumachen, so Schönherr. Aber es sei absehbar, dass viele von ihnen scheitern würden.

Realschul-Leiter Wilfried Schönherr hätte seine Schüler gerne an der Sekundarschule gesehen. FOTO: Seybert, Gerhard

Am liebsten hätte die Realschule die Kinder nach nebenan weitergereicht: an die Sekundarschule am Niederrhein. Diese ist von der ganzen Entwicklung insgesamt wenig begeistert. "Es ist nicht schön, dass die Sekundarschule als letztes Glied der Kette gesehen wird", sagt Rektorin Birgit Rentmeister. Viele Menschen betrachten die Sekundarschule eher als neue Hauptschule: "Das ist nicht positiv. Das ist wirklich nicht unser Wunsch."

Im Sinne des Erfinders wäre es, dass die Schülerschaft zu gleichen Teilen aus Kindern mit Haupt-, Realschul- und Gymnasialempfehlung bestünde. Tatsächlich, so Rentmeister, habe man schon bei den Anmeldungen für die fünften Klassen "verschwindend wenige Kinder, die eine höhere Empfehlung haben als eine eingeschränkte Realschulempfehlung". Kommen nun im Laufe der Zeit immer mehr Kinder hinzu, die es anderswo nicht geschafft haben, stimmt die Mischung zwischen Starken und Schwachen gar nicht mehr. "Wir haben wenig Möglichkeiten, da einzugreifen, aber wir begrüßen das nicht", so Rentmeister. "Der eigentliche Auftrag der Sekundarschule ist Differenziertheit."

"Die Kinder müssen irgendwo hin"

Um 14 Ex-Realschüler aufzunehmen, hätte an der Sekundarschule eine zusätzliche Klasse eingerichtet werden müssen. Das hat die Bezirksregierung zunächst mal abgelehnt. Aber in Zukunft werde es wohl darauf hinauslaufen, prognostiziert Rentmeister: "Die Kinder müssen irgendwann irgendwo hin."

Realschul-Leiter Wilfried Schönherr sieht darin aber eine Chance. Denn in seine immer größer werdenden Klassen drängen auch viele Quereinsteiger, die zuvor am Gymnasium waren. Diese könne man dann ebenfalls an die Sekundarschule verweisen, "und dann könnte da die gewünschte Durchmischung erreicht werden".

Schulleiter sieht kein Versagen seiner Schule

Ein Versagen seiner Schule sieht er in der hohen Zahl der Nicht-Versetzungen nicht. In der sechsten Klasse sei zu entscheiden, ob die Kinder für die weitere Laufbahn an der Realschule geeignet seien. Es gebe Fördermaßnahmen, "wir versuchen da schon jede Menge", versichert er. Aber viele Eltern brächten ihre Kinder eben gegen alle Einwände an der Realschule unter. "Wir können nur beraten, aber der Elternwille geht vor", so Schönherr.

Dass an der Realschule auch wirklich alle Kinder unterkamen, deren Eltern das wünschten, dafür hatten im Jahr 2015 vehemente Proteste gesorgt. Die Familien setzten durch, dass vier fünfte Klassen eingerichtet wurden und nicht, wie von der Politik zunächst geplant, nur drei.

Quelle: RP
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