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Geldern
Einig: Pflegeberufe attraktiver machen

Geldern: Einig: Pflegeberufe attraktiver machen
Auf dem Podium (von links nach rechts): Ralf Klapdor (FDP), Barbara Hendricks (SPD), Wolfgang Thielmann (Moderation), Stefan Rouenhoff (CDU), Ferdinand Niemann (Die Linke) und Bruno Jöbkes (Bündnis 90/Grüne). FOTO: Gerhard Seybert
Geldern. Fünf Bundestagskandidaten aus dem Kreis Kleve diskutieren in Geldern über Sozialpolitik. Unterschiedliche Vorstellungen bei Wohnungsbau und Familiennachzug für Flüchtlinge. Hendricks gewinnt bei Zuhörerabstimmung. Von Michael Klatt

Vier Themenbereiche aus dem weiten Feld der Sozialpolitik beackerten fünf Bundestagskandidaten aus dem Kreis Kleve am Freitagabend im Heilig-Geist-Gemeindehaus Geldern. Barbara Hendricks (SPD), Stefan Rouenhoff (CDU), Ralf Klapdor (FDP), Bruno Jöbkes (Bündnis 90/Grüne) und Ferdinand Niemann (Die Linke) waren von der evangelischen und katholischen Kirche im Kreis, Diakonie und Caritas zur Podiumsdiskussion eingeladen worden. Der AfD-Kandidat war nicht dabei. "Mit dieser Partei will niemand koalieren", begründete Superintendent Hans-Joachim Wefers gegenüber der RP diesen Ausschluss.

Einig zeigten sich die Politiker vor rund 100 Zuhörern bei den von Sozialexperten der Diakonie und der Caritas vorgegebenen Fragen darüber, wie der Beruf der Altenpflege attraktiver gemacht werden kann. Durch Wertschätzung, nicht nur durch Lobreden, sondern durch bessere Bezahlung. "Ich bin sicher, dass die Entlohnung über kurz oder lang deutlich steigen wird", sagte Jöbkes. Die Pflegekräfte bräuchten Entwicklungsperspektiven und Entlastung von bürokratischen Aufgaben, um sich mehr auf die Menschen konzentrieren zu können, forderte Klapdor. Hendricks plädierte für einen "Tarifvertrag sozial" und verlangte einen Pflegestützpunkt für den Kreis Kleve, um dort Beratungsgespräche aufzufangen.

"Mehr bauen", hieß es von dem Quintett unisono, als es um ausreichende und bezahlbare Wohnungen ging. Rouenhoff und Hendricks wiesen darauf hin, dass die Bundesländer bei weitem nicht die Bundesmittel für sozialen Wohnungsbau einsetzen. Klapdor bezeichnete die Mietpreisbremse als kontraproduktiven Eingriff in den Markt, den potenzielle Investoren spürten. Land und Bezirksregierung müssten die Fesseln für das Ausweisen von mehr Bauland lösen, meint der Liberale. Jöbkes verwies auf die Devise "Innenbebauung vor Zersiedlung"; hier könne die kommunale Bauleitplanung steuern. Niemann forderte die Enteignung von denjenigen, die ihre Grundstücke als Spekulationsobjekt brach liegen lassen. Hendricks kritisierte, dass die GWS Geldern als kommunale Gesellschaft keine Sozialwohnungen baue.

"Arbeit ist nicht nur zum Geldverdienen da, sondern bedeutet auch Teilhabe an der Gesellschaft." Dieser Satz fiel mehrfach beim Thema "Aufbau eines sozialen Arbeitsmarktes", wo Arbeit und nicht Arbeitslosigkeit finanziert wird. Wer sich abgehängt fühle, entwickle Antipathien und flüchte in einfache Lösungen, warnte Niemann, der wie Jöbkes diesem Modell positiv gegenüber steht. Rouenhoff und Klapdor sehen die Gefahr von Missbrauch, sowohl durch Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer.

Flüchtlingspolitik war das vierte Thema. Bis März 2018 ist der Familiennachzug für subsidiär Schutzberechtigte ausgesetzt. Für richtig hält nur Rouenhoff diese Regelung. "Es soll nicht bei der Aussetzung bleiben", so Klapdor. Und Jöbkes argumentierte: "Menschen müssen eine Perspektive haben. Deshalb gehört der Familiennachzug dazu. Sonst bleibt Integration nur ein hohles Wort."

Immer wieder reagierten die Zuhörer mit Applaus auf die Beiträge aller Politiker. Bei der Abstimmung des Publikums schnitt am Ende Barbara Hendricks am besten ab. Die Sozialdemokratin bekam 41 Prozent der Stimmen.

Quelle: RP
 
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