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Betriebsversammlung
Einigung bei Ruwel scheint greifbar nah

Betriebsversammlung: Einigung bei Ruwel scheint greifbar nah
Mitarbeiter des Ruwel-Werkes verlassen am Samstag nach der Betriebsversammlung das Firmengebäude. Die Stimmung: abwartend. FOTO: Seybert
Geldern. Bei dem Unternehmen streiten die Mitarbeiter für die Umsetzung des Haustarifs, der erst im vergangenen Jahr verabschiedet wurde. Am Samstag war Betriebsversammlung. Von Sina Zehrfeld

Die Stimmung unter den Ruwelanern, die das Werk am Samstagnachmittag nach der Betriebsversammlung verließen, war verhalten. "Ist nichts anderes geredet worden als sonst", "Was soll man sagen?" und "Ist ja nichts entschieden", lauteten die zurückhaltenden Statements. "Immer das Gleiche: Kein Geld, man kann oder will nicht zahlen", fasste ein Mitarbeiter die Lage zusammen. Jetzt würden die Geschäftsführung und die Gewerkschaft IG Metall wohl verhandeln, "und das Ergebnis werden wir ja irgendwann zu hören kriegen".

Bei der Zusammenkunft am Samstag ging es um den Lohn der Beschäftigten - also nicht um Existenzielles wie die Zukunft des Werks oder Arbeitsplätze. Allzu viele Mitarbeiter waren auch gar nicht erst gekommen, von rund 350 Geladenen waren rund 70 erschienen.

Der Betriebsrat hatte auf Aufforderung der Gewerkschaft IG Metall dazu eingeladen. Denn Ruwel stellt Lohnerhöhungen, die 2015 nach zähen Ringen im Haustarif vereinbart wurden, zur Disposition. Ruwel will sie nur dann weiterhin zahlen, wenn die wirtschaftliche Lage es hergibt. Es geht um 1,4 Prozent mehr Geld, das die Leute seit Januar bekommen, und um weitere 1,8 Prozent ab Juli sowie um finanziellen Ausgleich für Arbeitszeitverkürzungen.

Über die Gültigkeit der bestehenden Vereinbarung macht sich Geschäftsführer Gerard van Dierendonck gar keine Illusionen. "Ich weiß, dass ich einen Vertrag habe. Wenn wir vor Gericht gehen, verliere ich", sagte er Samstag nach der Versammlung. Aber er glaubt nicht, dass die Mehrheit der Belegschaft das wolle, wenn es dem Unternehmen schade. Dagegen hält die IG Metall: "Wir haben einen Tarifvertrag, und unsere Mitglieder erwarten auch, dass der eingehalten wird", so Gewerkschaftssekretär Bernd Börgers. Bei Ruwel würden Fehler gemacht, "und das sollen die Mitarbeiter jetzt ausbaden".

Allerdings scheint eine Einigung greifbar nah. Beide Seiten skizzieren nämlich ähnliche Lösungsansätze. Demnach würden die Lohnerhöhungen vollständig umgesetzt. In jedem Quartal gäbe es aber eine Prüfung der Finanzlage, und falls nötig würden die Mehrzahlungen gestoppt. Darauf könne man sich einlassen, sagt Gewerkschafter Bernd Börgers. Und Firmenchef van Dierendonck spricht von einem Kompromiss, "der tragfähig ist und hinter dem 80 bis 90 Prozent der Leute stehen" - und, den er auch gegenüber dem Mutterkonzern Unimicron vertreten könne.

Bei der Beurteilung der wirtschaftlichen Lage könnte es dann natürlich immer wieder zum Konflikt kommen. Denn zumindest in einem sind Gewerkschaft und Geschäftsführung einig: Um Ruwel müsse man sich keine Sorgen machen, das Werk stehe nicht schlecht dar. Die Belegschaft habe in den vergangenen drei Jahren bei vielen Veränderungen "eine Riesenleistung" erbracht, so van Dierendonck. Aber nach der Zeit in den Roten Zahlen sei man gegenüber Unimicron nun in der Pflicht, einen guten Jahresabschluss vorzuweisen. "Es muss die Schwarze Null sein."

Die Atmosphäre im Werk sei jetzt "zweigeteilt", aber "im Prinzip nicht schlecht", so der Betriebsratsratsvorsitzende Karl-Heinz Brauwers.

Quelle: RP
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